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13.10.2014

14:36 Uhr

Reaktion auf Sanktionen

Russland sucht engere Kontakte zu China

Russland zieht seinen Truppen aus der Grenzregion zur Ukraine ab, doch der Westen hält an den Sanktionen gegen Moskau fest. Die Reaktion lässt nicht lang auf sich warten: Im Kreml will man nun enger mit China kooperieren.

Der russische Premierminister Dmitri Medwedew (r.) mit Chinas Premier Li Keqiang: „Ich halte es für wichtig, dass wir trotz der schwierigen Situation, offen für neue Möglichkeiten sind“, sagte Medwedew. dpa

Der russische Premierminister Dmitri Medwedew (r.) mit Chinas Premier Li Keqiang: „Ich halte es für wichtig, dass wir trotz der schwierigen Situation, offen für neue Möglichkeiten sind“, sagte Medwedew.

MoskauRussland will angesichts der westlichen Sanktionen enger mit China zusammenarbeiten. Während eines Besuchs des chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang unterzeichneten beide Seiten dazu am Montag in Moskau zahlreiche Finanz-, Handels- und Energie-Abkommen. Unter anderem sollen die von den Strafmaßnahmen im Zuge des Ukraine-Konflikts betroffenen Banken Kreditlinien aus China erhalten. Profitieren sollen davon das zweitgrößte russische Institut VTB, die staatliche Entwicklungsbank VEB und die Agrar-Bank Rosselkhozbank. Der Mobilfunkanbieter Megafon vereinbarte mit der chinesischen Entwicklungsbank einen Finanzierungsdeal von umgerechnet 500 Millionen Dollar. Einige russische Unternehmen sind durch die Sanktionen vom westlichen Kapitalmarkt abgeschnitten.

„Ich halte es für wichtig, dass wir trotz der schwierigen Situation, offen für neue Möglichkeiten sind“, sagte der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew bei der Unterzeichnung der Abkommen. Auch die russischen Öl- und Gas-Lieferungen nach China sollen forciert werden - wie schon bei einem China-Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin im Mai vereinbart. Beide Seiten besiegelten nun die 400 Milliarden Dollar schweren Pläne für eine östliche Pipeline-Route, die die Vorkommen in Sibirien mit den energiehungrigen Küstenregionen Chinas verbinden soll.

Putin spricht...

über Krieg und Frieden

„Russland hat keine Absicht, Krieg gegen das ukrainische Volk zu führen.“
am 4.3. in einer Pressekonferenz

„Wenn ich will, kann ich in zwei Wochen Kiew einnehmen.“
am 01.09. in einem Telefonat mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, das dieser öffentlich machte. Die russische Seite erklärte im Anschluss, das Zitat sei aus dem Zusammenhang gerissen worden.

über Rüstung

„Die Militarisierung des Weltraums und die US-Stützpunkte in Europa und Alaska, direkt an unserer Grenze, nötigen uns zu einer Reaktion.“
am 10.09. in einer Pressekonferenz

über die Zukunft der Ostukraine

„Russland behält sich das Recht vor, alle vorhandenen Mittel zu nutzen, sollte es in östlichen Regionen der Ukraine zu Willkür kommen.“
am 4. 3. in einer Pressekonferenz

„Diese Gebiete (im Süden und Osten der Ukraine) waren als Neurussland historisch ein Teil des Russischen Reiches. Erst in den 1920er Jahren wurden die Territorien von den Bolschewiken der Ukraine gegeben. Gott weiß warum.“
am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

„Es müssen umgehend substanzielle inhaltliche Verhandlungen anfangen - nicht zu technischen Fragen, sondern zu Fragen der politischen Organisation der Gesellschaft und der Staatlichkeit im Südosten der Ukraine.“
am 31. 8. vor dem Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe

über die Führung der Ukraine

„In der Ukraine gibt es bislang keine legitime Macht, mehrere Staatsorgane werden von radikalen Elementen kontrolliert.“
am 18. 3. in der Rede an die Nation

„Sind sie da jetzt völlig verrückt geworden? Panzer, Schützenpanzerwagen und Kanonen! (...) Sind sie total bekloppt? Mehrfachraketenwerfer, Kampfjets im Tiefflug! (...) Sind sie dort jetzt völlig bescheuert geworden, oder was?
am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

über den Westen

„In der Ukraine überschritten die westlichen Partner die rote Linie, verhielten sich grob, verantwortungslos und unprofessionell.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Die Vereinigten Staaten dürfen in Jugoslawien, Irak, Afghanistan und Libyen agieren, aber Russland soll es verwehrt sein, seine Interessen zu verteidigen.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

über Russen im Ausland

„Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden die Russen zu einem der größten geteilten Völker der Welt. Millionen von Menschen gingen in einem Land ins Bett und erwachten in einem ganz anderen und wurden zur nationalen Minderheit.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Ich glaube daran, dass die Europäer, vor allem aber die Deutschen, mich verstehen werden (...). Unser Land hatte das starke Bestreben der Deutschen nach Wiedervereinigung unterstützt. Ich bin sicher, dass sie das nicht vergessen haben und rechne damit, dass Bürger Deutschlands das Bestreben der russischen Welt, ihre Einheit wiederherzustellen, (...) ebenfalls unterstützen werden.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

Medwedew äußerte sich zudem zuversichtlich, im nächsten Jahr auch eine Einigung mit China für Gaslieferungen über eine westliche Route zu erreichen. Wegen der Spannungen mit der EU und den USA in der Ukraine-Krise verstärkt Russland seine Bemühungen, die Abhängigkeit vom westlichen Markt zu verringern und die Wirtschaftsbeziehungen mit Asien auszubauen.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Herr Vittorio Queri

13.10.2014, 15:10 Uhr

>> Russland zieht seinen Truppen aus der Grenzregion zur Ukraine ab <<

Russland kann innerhalb seines Landes mit seinen Truppen machen, was es für richtig hält. Das ist eine reine russische Angelegenheit.

Russland ist ein flächenmäßig sehr großer Staat, beansprucht ein SECHSTEL der Erdoberfläche.

Entsprechend viele Rohstoffe lagern INNERHALB Russlands : schätzungsweise 30 % aller Weltvorkommen.

Ohne Rohstoffe kann man weder etwas produzieren, noch entsprechend etwas veredeln und verkaufen.

Europa stoßt Russland ab : und entsprechend verringert es seine Chancen, in Zukunft notwendige Rohstoffe zu erhalten.

Die Chinesen profitieren zwangsläufig davon ....

Konfuzius ist viel weiser, als dämliche Politoligarchen der EUtopia !

Wenn sich jemand selbst ins Knie schießt, braucht er anschließend nicht zu jammern, dass er Schmerzen hat !

So einfach ist es auf dieser Welt !

Frau Margrit Steer

13.10.2014, 17:10 Uhr

Dass war doch voraus zu sehen, nachdem Merkel sich zu diesen Sanktionen von Obama hat erpressen lassen

Herr Manfred Zimmer

13.10.2014, 18:21 Uhr

Gorbaschow prägte den Satz: "Wer zuspät kommt, den bestraft das Leben."

Wendet sich Russland tatsächlich vom Westen ab? Was bleibt denn dann noch vom Westen? Etwa nur noch Freunde, die den Deutschen zuhören?

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