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26.02.2014

21:02 Uhr

Reaktion auf Ukraine

Putin lässt die Muskeln spielen

Die russische Regierung reagiert auf die Krise in der Ukraine. Staatspräsident Wladimir Putin lässt die Armee im Westen in Alarmbereitschaft versetzen. Russland klagt über eine wachsende Bedrohung aus der Ukraine.

Getty Images

MoskauWenige Tage nach dem Umsturz in der Ukraine hat der russische Präsident Wladimir Putin überraschend eine große Militärübung im Zentrum und Westen des Landes angeordnet. Mit dem Manöver solle die Gefechtsbereitschaft der Streitkräfte in Krisensituationen getestet werden, teilte Verteidigungsminister Sergej Schoigu bei einem Treffen ranghoher Militärs in Moskau mit. Die Ukraine, die an Westrussland grenzt, erwähnte er in der vom Fernsehen verbreiteten Mitteilung nicht.

Geprüft werde die Bereitschaft von etwa 150.000 Soldaten verschiedener Waffengattungen, von 90 Flugzeugen und 120 Hubschraubern sowie von bis zu 880 Panzern, 1200 Einheiten Militärtechnik und 90 Schiffen. „Alle Panzer werden schießen, alle Flugzeuge werden im Kampfmodus fliegen“, sagte Schoigu. Zudem sei eine Übung von Fallschirmspringern geplant.

Putin habe die auf mehrere Tage angesetzte Übung am Mittwochnachmittag angeordnet. Während der ersten zwei Tage werde das Militär in Alarmbereitschaft versetzt und einige Einheiten würden zu Schießübungen herangezogen. Das eigentliche Manöver soll nach Schoigus Angaben am Freitag beginnen und vier Tage dauern. Auch Marineeinheiten in der Ostsee und die Luftwaffe sollen sich daran beteiligen.

So flüchtete Viktor Janukowitsch

Freitag, 21.2., abends

Janukowitsch und enge Vertraute, darunter Präsidialamtschef Andrej Kljujew, fliegen mit Hubschraubern in die ostukrainische Millionenstadt Charkow. Dort wollen sie am Samstag an einem Kongress von regierungstreuen Gouverneuren, Bürgermeistern und Abgeordneten aus dem prorussischen Osten und Süden teilnehmen.

Samstag, 22.02., tagsüber

Janukowitsch hält sich in einer Staatsresidenz in Charkow auf. Eine Teilnahme am Kongress lehnt er nun ab. Der abgesetzte Präsident gibt ein Interview und betont, er werde weder zurücktreten noch das Land verlassen. Später fliegt er per Hubschrauber in die Stadt Donezk.

Samstag, 22.02., abends

Gemeinsam mit bewaffneten Leibwächtern will Janukowitsch am Flughafen Donezk in zwei VIP-Maschinen vom Typ „Falcon“ umsteigen. Der Grenzschutz verweigert die Abfertigung – wegen angeblich fehlender Dokumente. Janukowitsch wird in einer gepanzerten Limousine in eine Residenz gefahren. Nach mehreren Stunden bricht er in Richtung der Halbinsel Krim auf.

Sonntag, 23.02., tagsüber

Janukowitsch trifft auf der Krim ein, er sucht Zuflucht in einem privaten Erholungsheim. Staatliche Gebäude meidet er. Als er erfährt, dass die kommissarischen Chefs von Innenministerium und Geheimdienst auf dem Weg zur Krim sind, fährt Janukowitsch in Richtung des internationalen Flughafens Sewastopol – doch dort landen bereits die neuen Machthaber.

Sonntag, 23.02., abends

Der gestürzte Präsident bricht die Fahrt ab und lässt sich zu einer Privatresidenz bei Balaklawa bringen. Er bietet seinen Leibwächtern an, zurückzubleiben und verzichtet schriftlich auf staatlichen Schutz. Ein Teil der Sicherheitskräfte zieht daraufhin ab. Die übrigen Wachen und Präsidialamtschef Kljujew besteigen gemeinsam mit Janukowitsch insgesamt drei Fahrzeuge und fahren in unbekannte Richtung davon.

Montag, 24.02., vormittags

Das Innenministerium teilt mit, dass Janukowitsch wegen „Massenmordes“ zur Fahndung ausgeschrieben sei. Ein Ermittlungsverfahren sei eingeleitet.

Seit sich die Ereignisse in der Ukraine überschlagen haben, mehren sich sowohl im russlandfreundlichen Osten der Ukraine als auch in Russland selbst die Rufe nach einem möglichen Eingreifen Moskaus. Der neue Übergangspräsident Olexander Turtschinow hatte am Mittwoch seine Macht weiter ausgebaut und das Oberkommando über die Armee. Zudem wurde die Berkut-Sondereinheit der Polizei aufgelöst, die dem gestürzten Präsidenten Janukowitsch als ergeben galt. Auf der Internet-Seite des Präsidialamtes wurde keine Erklärung für die Übernahme der Armee-Führung abgegeben.

Am Dienstag hatte sich Turtschinow jedoch besorgt über eine mögliche Spaltung des Landes geäußert. In den Regionen mit einer mehrheitlich russischstämmigen Bevölkerung im Osten des Landes und auf der Halbinsel Krim war es zu Protesten gegen die neuen Machthaber gekommen. Vor allem auf der Krim mit ihren zwei Millionen Einwohnern wurden Forderungen laut, sich von der Ukraine abzuspalten. Die Halbinsel kam 1954 von Russland zur Ukraine, ist aber immer noch der Hauptstützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte.

In Sewastopol, dem Stützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte auf der Krim, übernahm nach einer Straßenabstimmung der Russe Alexander Tschalyi das Bürgermeisteramt. Diese Aktion hat besondere Brisanz: In der Stadt wurde seit dem Zerfall der Sowjetunion wegen der herausragenden Bedeutung für die Beziehungen zu Russland der Bürgermeister nicht von den Einwohnern gewählt, sondern vom ukrainischen Präsidenten bestimmt. Moskautreue Kräfte richteten Grenzposten an den Zugängen zur Stadt ein. Die Führung in Moskau fürchtet, dass ukrainische Nationalisten den Autonomie-Status beenden könnten. Das will der Kreml nicht zulassen. Russische Politiker reisten auf die Halbinsel, um die Lage zu sondieren.

Kommentare (80)

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Account gelöscht!

26.02.2014, 14:01 Uhr

Georgien lässt Grüßen, oder wie?

Republikaner

26.02.2014, 14:03 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

SenecAAA

26.02.2014, 14:07 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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