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12.07.2014

10:47 Uhr

Reaktionen auf Spionage-Affäre

„Schlichtweg nicht die Reaktion eines Erwachsenen“

Die USA reagieren verstimmt auf den Rauswurf ihres CIA-Direktors in Berlin. Es sei ein „Wutanfall“, den man von den Russen, den Iranern und Nordkoreanern erwarte, nicht von den Deutschen. Doch es gibt auch Annäherungen.

Josh Earnest, Sprecher des Weißen Hauses: „Differenzen nicht über die Medien lösen“ ap

Josh Earnest, Sprecher des Weißen Hauses: „Differenzen nicht über die Medien lösen“

Washington/BerlinDie US-Regierung hat mit deutlicher Verstimmung auf die harsche Kritik aus Berlin wegen mutmaßlicher Spionagefälle reagiert. Das Thema solle nicht auf dem offenen Markt, sondern intern zur Sprache gebracht werden, forderte der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest. „Alle Differenzen, die wir haben, sind am effektivsten über bestehende interne Kanäle zu lösen, nicht über die Medien.“ Zugleich bestätigte der Sprecher, dass Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel seit über einer Woche nicht mehr miteinander gesprochen hätten.

Zugeich gab es scharfe Worte von US-Abgeordneten. Der Rauswurf des CIA-Stationsleiters in Berlin sei ein „Wutanfall“ der Bundesregierung, meinte der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus, Mike Rogers.

„Das ist Etwas, was wir von den Russen, den Iranern und Nordkoreanern erwarten, nicht etwas, was wir von den Deutschen erwarten“, sagte der Republikaner dem TV-Sender CNN am Freitag. Die US-Geheimdienste hätten den deutschen Diensten Informationen geliefert, die das Leben von Deutschen gerettet hätten.

Medienberichte: Zusammenhang zwischen beiden Spitzelfällen vermutet

Medienberichte

Zusammenhang zwischen beiden Spitzelfällen vermutet

Offenbar gibt es einen Link zwischen den beiden Spionagefällen im Verteidigungsministerium und beim BND. Eine Anfrage zum Mitarbeiter des Wehrressorts sei ausgerechnet beim anderen Spitzel gelandet, berichten Medien.

Der Rauswurf des CIA-Mannes „scheint schlichtweg nicht wie die Reaktion eines Erwachsenen“. Zugleich warf Rogers den Deutschen praktisch vor, iranische und russische Top-Spione im Land zu tolerieren. „Ich sehe keine Interesse, diese Chefs rauszuwerfen.“

Erstmals gab es auch in US-Medien scharfe Kritik an Berlin. In einem Kommentar in der Zeitung „Wall Street Journal“ war von „gekünstelter Empörung“ die Rede. Deutschland wisse, dass auch befreundete Staaten sich gegenseitig ausspionieren.

Deutschland habe etwa zu Russland und dem Iran engere Beziehungen als die meisten anderen westlichen Länder. „Die USA müssen diese Beziehungen verstehen, und dazu braucht es Geheimdienste. Die USA würden unverantwortlich handeln, wenn sie deutsche Regierungsbeamte nicht aushorchen würden“, schreibt die einflussreiche Zeitung.

Kommentare (1)

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Herr Manfred Zimmer

14.07.2014, 18:39 Uhr

"Die USA reagieren verstimmt auf den Rauswurf ihres CIA-Direktors in Berlin. Es sei ein „Wutanfall“, den man von den Russen, den Iranern und Nordkoreanern erwarte, nicht von den Deutschen."

Eine eigenartige Sicht der Dinge, die die Respektlosigkeit der USA gegenüber Deutschland aufzeigt.

Wie kann Deutschland diese Seite noch als einen Vertragspartner akzeptieren?

Wir reden hier von Grundrechten, die bei uns so sind wie in den USA - wie Frau Merkel feststellt. Der Unterschied liegt lediglich darin, dass die USA uns diese Grundrechte nicht wie ihren eigenen Bürgern zugestehen will.

Der Bundespräsident muss einschreiten und die Bundesregierung an den geleisteten Eid erinner - "Schaden vom deutschen Volk abzuwenden".

Wenn die Politiker sich nicht mehr für die Grundrechte der Bürger und deren Verteidigung einsetzen, ist kein Platz mehr auf den Sesseln, auf denen sie sitzen wollen.

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