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27.10.2011

10:22 Uhr

Reaktionen aus Athen

Griechenland hofft auf eine zweite Chance

VonChristoph Kapalschinski, Dirk Heilmann, Martin Murphy

Am Ende wurde mehr über als mit den Griechen geredet. Doch sie sind es, die mit den  Beschlüssen des Gipfels leben müssen. Handelsblatt-Reporter haben Stimmen und Eindrücke in Athen gesammelt.

Papandreou würdigt Gipfel-Ergebnisse

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AthenBeim EU-Gipfel war die griechische Politik fast nur Zuschauer. Entsprechend erwartete das Land die Ergebnisse des Treffens mit gespannter Ruhe – die großen Proteste hatte es im Vorfeld gegeben, bevor das Parlament über die Sparpläne abgestimmt hatte. 

Auf den Straßen ist von Reaktionen nichts zu sehen: Auf dem Parlamentsplatz Syntagma, vergangene Woche Schauplatz der heftigen Ausschreitungen, entfernen Arbeiter Protestgraffitis. Auf dem Platz finden morgen Feiern zum Nationalfeiertag statt. Über dem Platz weht die griechische Flagge einmütig neben der EU-Fahne.

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Griechenland ungeschminkt

Handelsblatt vor Ort: Griechenland ungeschminkt

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Die Banken haben sich längt auf den Haircut eingestellt - zumindest sagen sie das. „Wir wissen seit Monaten, was auf uns zukommt. Wir sind gerüstet“, sagt ein hochrangiger Manager einer staatlichen Bank. Er hofft, dass der Schuldenschnitt dem Land endlich Luft verschafft, damit die Wirtschaft wieder an Geld kommt. Bislang sind die Unternehmen von ausländischen Banken fast komplett abgeschnitten, den inländischen Instituten fehlt Liquidität, um den Mittelstand zu versorgen.

Die Ergebnisse des Euro-Gipfels

Neues Griechenland-Paket

Griechenland wird ein neues Hilfspaket von 100 Milliarden Euro bekommen. Es soll bis Jahresende endgültig ausverhandelt sein. Im Juli hatten die Regierungen der Euroländer ursprünglich 109 Milliarden Euro öffentliche Hilfe beschlossen. Diese war aber nie abschließend auf den Weg gebracht worden. Nun kommen allerdings zusätzliche Garantien in Höhe von 30 Milliarden Euro als Beitrag des öffentlichen Sektors für den Schuldenschnitt hinzu.

Schuldenschnitt

Die Privatgläubiger wie Banken und Versicherungen werden stärker am neuen Griechenland-Paket beteiligt als bisher angenommen. Bereits im Juli hatte die Eurozone beschlossen, die Privatgläubiger mit einem freiwilligen Abschlag auf griechische Staatsanleihen von 21 Prozent ins Boot zu holen. Nun sind es 50 Prozent.

Rettungsfonds EFSF

Die Schlagkraft des Rettungsfonds EFSF wird mit einem sogenannten Hebel auf eine Billion Euro vervielfacht. Derzeit kann der Fonds 440 Milliarden Euro Kredite vergeben. Der EFSF wird nun teilweise das Risiko eines Zahlungsausfalls für Schuldtitel gefährdeter Euro-Staaten übernehmen. Er bietet quasi eine Art Teilkaskoversicherung, wenn Schuldenstaaten neue Anleihen ausgeben. Zudem soll ein neuer Sondertopf geschaffen werden, an dem sich der Internationale Währungsfonds IWF beteiligt. Dieser Fonds investiert in Anleihen, die der EFSF ebenfalls zum Teil absichert. Dabei könnten ausländische Investoren wie Staatsfonds aus China mitmachen.

Mehr Kapital für Banken

Führenden Banken Europas müssen sich gut 106 Milliarden Euro frisches Kapital besorgen. Nur so kann die Branche nach Berechnungen der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) den Schuldenerlass zu verkraften. Deutsche Banken brauchen frisches Kernkapital in Höhe von 5,18 Milliarden Euro. Beschluss des Gipfels aller 27 EU-Staaten vom Mittwoch.

Stärkere Aufsicht

Die Wirtschafts- und Haushaltspolitik der 17 Eurostaaten wird stärker beaufsichtigt. Zweimal im Jahr wird es Gipfeltreffen der Euroländer geben, um Strategien festzulegen. Die Gipfel der Eurozone sollen auf Dauer einen eigenen Chef bekommen. Zunächst nimmt der ständige EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy das Amt wahr.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

28.10.2011, 08:46 Uhr

Ich freue mich schon auf die Schlagzeile "Beteiligung des Finanzsektors am Rettungspaktet fällt erheblich geringer aus als erwartet".

Das haben wir bei 21% Haircut erlebet und wieso sollte sich bei einem 50% Haircut irgendetwas ändern?

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