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05.01.2006

22:25 Uhr

Reaktionen aus der arabischen Welt

Teheran wütet gegen kranken Scharon

Israel bangt nach einem schweren Schlaganfall um seinen Ministerpräsidenten Ariel Scharon. Indessen ist bei den Radikalen im Nahen Osten von Mitgefühl nichts zu spüren.

Während vielerorts für Scharon gebetet wird, entlädt sich bei den Extremisten wieder einmal der Hass. Foto: dpa dpa

Während vielerorts für Scharon gebetet wird, entlädt sich bei den Extremisten wieder einmal der Hass. Foto: dpa

HB TEHERAN. Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat am Donnerstag einer Nachrichtenagentur zufolge die Hoffnung geäußert, dass Israels Ministerpräsident Ariel Scharon bald seiner lebensgefährlichen Erkrankung erliegen möge.

„Ich hoffe, dass die Nachricht, der Verbrecher von Sabra und Schatila sei auf dem Weg zu seinen Ahnen, endgültig ist“, sagte Ahmadinedschad einer Meldung der halb-amtlichen iranischen Agentur Isna zufolge vor schiitischen Geistlichen in der iranischen Stadt Kom. Sabra und Schatila sind die Namen zweier Palästinenser-Lager im Libanon, in denen christliche Milizen unter dem offensichtlichen Schutz der israelischen Armee 1982 ein Massaker angerichtet hatten. Scharon musste 1983 als Verteidigungsminister zurücktreten, weil ihm eine Untersuchungskommission eine Mitverantwortung anlastete.

Die US-Regierung hat die Äußerung des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad indessen in schärfster Form kritisiert. „Diese jüngste von Hass geprägte und verabscheuungswürdige Erklärung ist traurigerweise keine Überraschung, wenn man bedenkt, was man von diesem (iranischen) Präsidenten schon alles gehört hat“, sagte US-Außenamtssprecher Sean McCormack am Donnerstag in Washington.

Andere Staats- und Regierungschefs aus aller Welt wünschten Scharon eine schnelle Genesung.

Der 77-Jährige ringt seit Mittwochabend in einer Jerusalemer Klinik um sein Leben. Er hatte einen schweren Schlaganfall und Hirnblutungen erlitten. Den Ärzten zufolge ist sein Zustand kritisch, aber stabil.

Ahmadinedschad erregte in jüngster Zeit wiederholt mit israelfeindlichen Aussagen Aufsehen. Auch radikale Palästinensergruppen äußerten die Hoffnung auf ein Ende Scharons. „Die ganze Region wäre besser dran ohne ihn“, erklärte etwa die Hamas-Organisation.

Dagegen übermittelte Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas Genesungswünsche an Scharon. US-Präsident George W. Bush und US-Außenministerin Condoleezza Rice zeigten sich betroffen von der Krankheit des Ministerpräsidenten. Sie äußerten wie Bundeskanzlerin Angela Merkel die Hoffnung auf eine Erholung des Politikers. Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi und der britische Außenminister Jack Straw erklärten, sie hofften auf ein „Wunder“.

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