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25.11.2013

15:24 Uhr

Reaktionen in Israel

Der große Verlierer des Iran-Deals

VonPierre Heumann

Israel fühlt sich als Verlierer des Atom-Deals der UN-Vetomächte und Deutschland mit Iran. Doch die Israelis sehen in der harten Rhetorik ihres Regierungschefs auch ein Ablenkungsmanöver von innenpolitischen Problemen.

Kritisch gegenüber den versöhnlichen Tönen aus Iran: der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. dpa

Kritisch gegenüber den versöhnlichen Tönen aus Iran: der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.

Tel AvivSo groß die Freude bei den Verhandlungspartnerin in Genf, so groß ist das Entsetzen in Israel über den Deal mit dem Iran – zumindest, was die israelische Regierung angeht. Entsprechend heftig und gespalten sind die Reaktionen innerhalb Israels. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verbreite „unnötige Panik“ – das warf ihm am Montagmorgen der neue Oppositionsführer Isaac Herzog von der Arbeitspartei vor. Herzog kritisiert die Reaktion des Regierungschefs auf den Iran-Deal als übertrieben.

In Genf sei lediglich ein auf sechs Monate befristetes Zwischenabkommen ausgehandelt worden. Der Tag des Jüngsten Gerichts sei deshalb noch nicht gekommen, relativierte Herzog die heftige Antwort Netanjahus auf die Einigung der fünf UN-Vetomächte und Deutschland mit dem Iran im Atomstreit.

Danach soll Teheran im Gegenzug für eine Lockerung von Wirtschaftssanktionen Teile seines Atomprogramms aussetzen und Kontrollen der Vereinten Nationen zulassen. Netanjahu hatte dies als „historischen Fehler“ bezeichnet.

Israel

Einwohner

7,8 Millionen

Staatsform

parlamentarische Republik

Staatschef

Schimon Peres

Besonderheiten

Die gefühlte Bedrohung durch den Iran beherrscht die politische Agenda.

Mit seiner unnachgiebigen Position Teheran gegenüber steht Israel jedoch noch zunehmend international isoliert da. In Jerusalem herrscht weiter die Ansicht, die Weltmächte hätten in Genf ein deutliches besseres Abkommen aushandeln können und dass dem Ajatollah-Regime nicht zu trauen sei.

Ron Ben-Yishai, einer der populärsten Publizisten warnt: Obwohl das Abkommen die nukleare Aufrüstung des Irans nicht verhindern werde, sei das Regime der Ayatollas nun wieder ein angesehener Partner. In den nächsten Wochen werde Teheran eine Lockerung der Sanktionen verlangen, ohne neue Auflagen einzugehen. Die größte Gefahr liege darin, dass das Übergangsabkommen zur Dauereinrichtung werde.

Eine nicht repräsentative Umfrage in Tel Aviv zeigt dagegen: Herzogs Kritik an Netanjahu wird von vielen geteilt. So bezeichnet der Banker Yohanan B. das Abkommen als „guten Schritt“. Teheran sei jetzt unter Druck, müsse Kontrollen der UN-Experten zulassen, Abstriche bei der Urananreicherung hinnehmen und die Arbeiten am Schwerwasserreaktor in Arak stoppen. Weil es nur bei einem kleinen Teil der Sanktionen Erleichterungen gebe, werde Teheran alles daran setzen, das Abkommen umzusetzen.

Der Deal sei „nicht das Ende der Welt“, meint auch der Kolumnist Nahum Barnea. Das Regime in Teheran habe jetzt sechs Monate Zeit, das Vertrauen des Westens zu gewinnen, indem es sich an das halte, was am Sonntag in Genf vereinbart wurde.

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