Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.02.2012

14:20 Uhr

Reaktionen

„Mit dem Ja ist noch nicht alles entschieden“

VonMaike Freund

ExklusivDas „Ja“ der Griechen zum Rettungspaket ist für Experten keine große Überraschung. Fragt sich nur, ob sich die Entscheidung für das Sparpaket auch gegen den Willen vieler Menschen in Griechenland durchsetzen lässt.

Reaktionen nach Abstimmung in Griechenland

Video: Reaktionen nach Abstimmung in Griechenland

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

DüsseldorfErst einmal haben sich die Griechen ein „Ja“ zum Sparpaket abgerungen. Damit ist die Lage jedoch lange noch nicht geklärt, denn auf den Straßen protestieren die Menschen gegen den Beschluss des Parlaments. „Die Entscheidung der Griechen ist keine ganz große Überraschung“, sagt Konjunkturexperte Kai Carstensen vom Ifo Institut. Es sei nicht damit zu rechnen gewesen, dass sich das Land trauen würde, auszuscheren. „Der Ausschluss einiger Abgeordneter und vor allem die Demonstrationen der Menschen zeigen jedoch, wie gespalten das Land ist.“ Man könne durchaus die Frage stellen, ob die Entscheidung für das Sparpaket – und gegen den Willen vieler Menschen - in einer Demokratie haltbar sei. „Das wird sich bei den Wahlen im April zeigen“, sagt Carstensen.

Er glaubt, dass die politische Entwicklung und somit auch die Entscheidung für das Sparpaket davon abhängt, wie schnell die Reformen Besserung zeigen werden. Wenn die Menschen im ersten Jahr schon Veränderungen spüren können, sei das hoffnungsreich. „Sollten sich die Lange jedoch erst drei Jahren deutlich verbessern, sehe ich für die Demokratie im Lande ziemlich schwarz.“ Eine Prognose hält er für schwierig. "Aber mit dem jetzigen Ja ist noch nicht alles entschieden.“

Alexander Kritikos vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung glaubt, dass die Mehrheit der Griechen für die Umsetzung der Sparmaßnahmen und für den Euro ist. „Es gibt nur zwei steinige Wege für die Griechen. Mit dem Euro und ohne den Euro. Allen ist klar, dass der Weg mit dem Euro derzeit der bessere sein dürfte.“ Bleibt die Frage, warum so viele Menschen auf die Straße gehen. Das liege auch daran, dass die „Angestellten das Gefühl haben, dass die Maßnahmen ungerecht verteilt sind“, sagt Kritikos. Viele der Menschen in Griechenland würden schon seit Monaten keinen Lohn mehr bekommen. „Die Stimmung ist so niedergeschlagen, wie ich sie noch nie erlebt habe“, sagt er. Er glaubt, dass sich neue politische Bewegungen entwickeln müssten, um den Umschwung in Griechenland hinzubekommen. Dafür sei die Zeit jedoch vor den Wahlen im April zu knapp.

Der Griechenland-Fahrplan

15. Februar

Die Euro-Finanzminister wollen erneut über die Freigabe des 130-Milliarden-Hilfsprogramms entscheiden. Ein neues Hilfspaket muss nach einem Beschluss der Finanzminister von den Euro-Ländern auch auf nationaler Ebene abgesegnet werden. In Deutschland ist dafür der Bundestag zuständig - der allerdings am Freitag dieser Woche letztmals vor einer zweiwöchigen Sitzungspause zusammentritt. Deswegen müsste wahrscheinlich eine Sondersitzung abgehalten werden.

17. Februar

Athen soll den privaten Gläubigern ein offizielles Angebot für den Anleiheumtausch vorlegen, der den Schuldenberg Griechenlands um 100 Milliarden Euro reduzieren soll. Nach ursprünglicher Planung sollte das Angebot schon am Montag (13. Februar) vorgelegt werden.

24. Februar

Im Haushaltsausschuss des Bundestages soll das neue Griechenland-Hilfsprogramm gebilligt werden.

27. Februar

Der Bundestag entscheidet voraussichtlich über das neue Hilfspaket für Griechenland.

1. und 2. März

Der nächste EU-Gipfel ist angesetzt. Zu diesem Zeitpunkt soll Griechenland mit seinen privaten Gläubigern den Anleihenumtausch im Rahmen des Schuldenschnitts abgeschlossen haben. Das Thema Griechenland dürfte den Gipfel beherrschen.

12./13. März

Treffen der EU-Finanzminister und Euro-Gruppe in Brüssel

20. März

Das entscheidende Datum, an dem sich die bisherigen Bemühungen ausrichten: Am 20. März muss Griechenland Altschulden in Höhe von 14,5 Milliarden Euro zurückzahlen. Hat das Land bis zu diesem Datum nicht die ersten Zahlungen aus dem neuen Hilfspaket erhalten, steht es vor der Pleite. Die Folge wäre wohl ein Austritt aus der Eurozone.

Kommentare (14)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Helen

13.02.2012, 14:00 Uhr

Ich bin schon auf die Umsetzung sehr neugierig?

Seit mindestens 2 Jahren wird über die gleichen Sparprogramme geredet. Ich kann es nicht mehr hören! Immer der gleiche Käse. Sie wollten schon längst 15000 Beamtenstellen abbauen. Geschafft haben die GR mit Ach und Krach gerade mal 2000. Vielleicht geht es den Griechen nur darum das Geld im Fluss zu halten. Ohne Umsetzung. Zuerst wird alles mit großem Theater, Gezeter, Geschrei und Wehklagen angekündigt und beschlossen, als ob eine Ameise ein Hühnerei legen sollte, und am Ende ist es doch ein Huhn, das ein Ameisenei legt. Bisher hat das ja auch gut geklappt. Die Kohle fließt weiter, als ob nichts wäre. Unsere Politiker sind sowieso vertrottelt und wir werden für einige Jahre ruhig gestellt.

Oder sind wir vertrottelt weil wir uns von den Politikern ruhig stellen lassen?

Thomas-Melber-Stuttgart

13.02.2012, 14:15 Uhr

Die Griechen haben heute nacht ganz klar, laut und deutlich "Nein" gesagt. Und "Nein"-sagen werden sie immer wieder. "Ja"-gesagt haben die Lehmann-Marionetten in der Regierung und im Parlament.

FRAGE

13.02.2012, 14:29 Uhr

Griechenland: Regierungssprecher bezeichnet das Ja des Parlaments zum Sparpaket als Signal, dass das Land in der Eurozone bleiben will.
Die Spitzen der Parteien müssen sich nun bis Mittwoch schriftlich zu den Maßnahmen bekennen.

Frage: die Spitzen der Koalitions-Regierung oder aller Parteien?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×