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19.12.2011

11:19 Uhr

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USA sehen Chance für Neustart von Nordkorea

Mit dem Tod von Kim Jong Il bekommt Nordkorea eine neue Chance: Die USA wollen ihre Haltung gegenüber der kommunistischen Diktatur vielleicht überdenken. Nun hält der Sohn des toten Machthabers die Fäden in der Hand.

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Nordkoreas Staatschef Kim Jong Il tot

Video: Nordkoreas Staatschef Kim Jong Il tot

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Washington/Berlin/Moskau/PekingDie USA wollen ihren Umgang mit Nordkorea nach dem Tod seines langjährigen Machthabers Kim Jong Il möglicherweise auf den Prüfstand stellen. Konkret gehe es dabei um Überlegungen, das isolierte Pjöngjang wieder in Atomgespräche einzubinden und dem Land Nahrungsmittelhilfen zukommen zu lassen, wie US-Vertreter am Sonntag mitteilten. Ursprünglich wollte Washington in beiden Fragen noch in dieser Woche zu einer Entscheidung kommen. Kims Tod werde den Entscheidungsprozess jedoch wahrscheinlich verzögern, hieß es. So betrachteten die USA nun jegliche mögliche Veränderungen in der militärischen Haltung Nordkoreas und Südkoreas mit Sorge.

Hoffnung auf ein Ende der Isolation machte am Montag auch der britische Außenminister William Hague: „Das könnte ein Wendepunkt für Nordkorea sein“, sagte der britische Außenminister William Hague. Nordkorea solle nun die „notwendigen Schritte einleiten“, um die internationalen Gespräche über eine Einstellung des Atomprogramms wieder aufzunehmen. Der australische Außenminister Kevin Rudd sagte, Kims Tod sei „eine Möglichkeit für das nordkoreanische Regime, (...) in die internationale Gemeinschaft aufgenommen zu werden.“

Hungerland mit Atomwaffen

Einwohner und Fläche

Der abgeschottete Staat hat knapp 25 Millionen Einwohner und ist mit gut 120.000 Quadratkilometern etwa so groß wie die frühere DDR.

Militärmacht

Das mehrfach von Hungersnöten erschütterte Nordkorea unterhält mit mehr als 1,2 Millionen Soldaten eine der größten Streitkräfte Asiens.

Menschenrechte

Nordkorea zählt zu den Ländern mit den schwersten Menschenrechtsverletzungen. Die Zahl der politischen Gefangenen wird auf 200.000 geschätzt.

Diktatur seit 1948

An der Spitze der von einem Geflecht aus Arbeiterpartei und Militär beherrschten Diktatur stand bis zu seinem Tod der „Geliebte Führer“ Kim Jong Il. Unter der Führung seines Vaters Kim Il Sung war die „Demokratische Volksrepublik Korea“ 1948 gegründet worden. Seit einiger Zeit wurde Kim Jong Ils Sohn Kim Jong Un als Nummer drei der kommunistischen Dynastie aufgebaut.

Misswirtschaft und Hungerkatastrophe

Misswirtschaft ruinierte das an Bodenschätzen reiche Land. Die Industrieproduktion ging seit 1990 um mehr als zwei Drittel zurück. Die meisten Einwohner sind bitterarm. 1997 führte eine durch Unwetter, Missernten und Zwangswirtschaft ausgelöste Hungerkatastrophe zu einem Massensterben. Nach UN-Schätzung sind gegenwärtig sechs Millionen Nordkoreaner von Hunger bedroht.

Atomwaffen

Trotz der hungernden Bevölkerung haben Ausgaben für das Militär Vorrang. Internationale Besorgnis löste Nordkoreas Atomprogramm aus, das zusammen mit dem Raketenprogramm des Landes als Bedrohung in der Region gilt. Nordkoreas Propaganda berichtet von Fortschritten bei der Produktion von schwach angereichertem Uran. Die US-Regierung befürchtet, dass das Uran-Programm letztlich dem Bau von Atomwaffen dient. Für die Herstellung von Atomsprengköpfen muss hochangereichertes Uran vorliegen.

Die Märkte reagierten auf den Tod Kim Jong Ils mit Verunsicherung: In Tokio ging der 225 Werte umfassende Nikkei-Index  mit einem Minus von rund 1,3 Prozent aus dem Handel. Der breiter gefasste Topix-Index gab rund ein Prozent auf 716 Punkte nach. In Seoul ging der südkoreanische Aktienindex Kospi mit einem Minus von 3,4 Prozent aus dem Handel. Abschläge verzeichneten auch die Börsen in Singapur, Hongkong, Shanghai und Taiwan. „Die Angst, dass der Tod von Kim Jong Il eine Provokation von Nordkorea nach sich ziehen könnte, treibt die Anleger um und führt zu Verkäufen“, sagte Chefanalyst Hiroyuki Fukunaga von Investrust in Tokio. Analysten zeigten sich besorgt, dass es in dem kommunistisch geführten Land zu einem Machtvakuum kommen könnte, was wiederum zu mehr Instabilität in der Region führen dürfte.

Ungeachtet des Todes des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il erwartet auch das Nachbarland Russland eine Fortsetzung der zuletzt begonnenen Politik der Annäherung beider koreanischer Staaten. „Dieser für Nordkorea schmerzliche Verlust wird die weitere Entwicklung unserer freundschaftlichen Beziehungen nicht bremsen“, sagte Außenminister Sergej Lawrow am Montag nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau. Anders als Südkorea versetzte Russland seine Streitkräfte in der Grenzregion zu Nordkorea nicht in erhöhte Alarmbereitschaft.  

Auch der langjährige Kreml-Bevollmächtigte für die fernöstliche Region, Konstantin Pulikowski, sagte, Russland erwarte „keine politischen Turbulenzen“. Kim habe früh begonnen, sein politisches Erbe zu regeln, sagte Pulikowski. Russland hatte das umstrittene Atomprogramm Nordkoreas mehrfach kritisiert. Gleichzeitig wollte Moskau aber etwa in Fragen der Energiepolitik mit Pjöngjang ins Gespräch kommen. Kim hatte im August mit einem Besuch in Russland einen Neustart in den bilateralen Beziehungen vorangetrieben.

Kommentare (4)

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Peer

19.12.2011, 11:45 Uhr

Auweiha,

Nur ein Schelm denkt Böses, wenn ein geliebter Staatschef so plötzlich aus dem Leben scheidet. Offensichlich haben die USA doch dazu gelernt. Störer, so wie Saddam einfach so aufzuhängen, hinterläßt immer einen üblen Beigeschmack.

Es geht doch auch eleganter.

Und ich dachte immer, die Amis sind beratungsresistent.

fate

19.12.2011, 12:09 Uhr

Fidel Castro hat 638 Attentate überlebt, den Großteil von der CIA geplant.
Den Herrscher auszuschalten ist leider nix neues, aber vom toten Sadam allein hätten se halt kein Öl bekommen.

fate

19.12.2011, 12:09 Uhr

Fidel Castro hat 638 Attentate überlebt, den Großteil von der CIA geplant.
Den Herrscher auszuschalten ist leider nix neues, aber vom toten Sadam allein hätten se halt kein Öl bekommen.

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