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21.01.2009

17:18 Uhr

Reaktionen

Welt blickt skeptisch-hoffend auf Obama

Überall auf der Welt wurde die Amtseinführung von Barack Obama als neuer US-Präsident mit Spannung verfolgt. Doch von Asien über Europa bis hin nach Südamerika fielen die Reaktionen der Staats- und Regierungschefs, aber auch der Menschen sehr unterschiedlich aus.

In aller Welt wurde die Vereidigung von Barack Obama als US-Präsident mit Spannung verfolgt. Foto: Reuters Reuters

In aller Welt wurde die Vereidigung von Barack Obama als US-Präsident mit Spannung verfolgt. Foto: Reuters

ali/and/bac/gbr/hn/keh/mth/tom DÜSSELDORF. Zensur, Schweigen, Selbstbewusstsein, Sorge, Begeisterung – unterschiedlicher hätten die Reaktionen auf Barack Obamas Vereidigung als 44. Präsident der Vereinigten Staaten nicht ausfallen können.

Selbstbewusstsein in Frankreich

Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy hofft, an Obamas Seite international weiterhin eine Führungsrolle einnehmen zu können. Während der letzten Amtstage von George W. Bushs hatte Sarkozy mit Initiativen wie im Nahost-Konflikt versucht, die politische Leere zu füllen, die die USA ließen. Keine Frage für Sarkozy, nach Obamas Amtsantritt wieder in das zweite Glied zu treten. Denn die aktuellen Herausforderungen seien „groß genug, um von mehreren geschultert zu werden“, findet Sarkozy.

Und die USA seien „heute nicht mehr der einzige Machtblock“ in der Welt. Inhaltlich hofft Frankreich auf Bewegung der USA in der Klimapolitik. Skeptischer zeigt sich Paris mit Blick auf die anstehenden Reformen des Weltfinanzsystems. Auch Obama wird konsequent US-Interessen und die der Wall Street verteidigen. Erste Divergenzen in der Außenpolitik zeichnen sich bereits ab: Vorsorglich erklärte Frankreichs Verteidigungsminister Hervé Morin, dass es „außer Frage“ stehe, das französische Truppenkontingent in Afghanistan zu verstärken.

Paris argwöhnt, dass Obama von den Europäern militärische Entlastung beim Krisenmanagement einfordern wird. Ein ersten handfesten Krach hat Frankreich bereits mit der neuen US-Regierung: Nach der Einfuhr von Strafzöllen auf Roquefort-Käse hat Frankreich die USA vor der WTO verklagt.

Sorge in Großbritannien

In Großbritannien wird Obamas Amtsantritt von Spekulationen um die „special relationship“ überschattet. Schon bereitet Downing Street die Briten darauf vor, dass nicht Brown der erste europäsische Regierungschef sein wird, der ins Weiße Haus eingeladen wird. Obama komme ja am 2. April zum G20 Gipfel nach London heißt es mit gespielter Gelassenheit. Dann, wird impliziert, werden der neue Präsident und Weltenretter Gordon Brown im Schulterschluss die neue Finanzarchitektur aus der Taufe heben. Auch im Klimaschutz will Brown eng mit Obama zusammenarbeiten.

Aber hinter der Fassade herrscht Unsicherheit. Man weiß, dass Obama nun direkt auf die Europäer zugehen wird, vor allem wenn es um die neue Strategie für Afghanistan geht. Den Forderungen Obamas nach Truppenverstärkungen für Afghanistan sieht man mit Schrecken entgegen. „Wir werden die Forderungen sorgfältig prüfen“, so Verteidigungsminister John Hutton – obwohl es noch gar keine Forderungen gibt.

Tatsache ist, dass die britischen Streitkräfte am Ende ihrer Kräfte sind. Labour hat die Allianz mit den USA aus politischen Gründen forciert, aber nicht genügend Mittel für Mann und Gerät dahintergestellt. Dafür werden die Briten von Amerikanern inzwischen ganz offen kritisiert. Soweit die „special relationship“ in den letzten Jahren auf die Militärallianz gebaut war, geht ihr nun die Luft aus. Das macht britische Politiker nervös.

Schweigen in Moskau

Wie schon am Tag nach seiner Wahl schwieg das offizielle Moskau auch nach der Amtsübernahme von Barack Obama. Keine Reaktion, weder vom Kreml noch von der Regierung. Hinter dieser vordergründigen Ignoranz verbergen sich tatsächlich aber hohe Erwartungen: So hatte Außenminister Sergej Lawrow seine Hoffnung zum Ausdruck gebracht, Obama werde pragmatischer und weniger „ideologisch“ an die russisch-amerikanischen Beziehungen herangehen.

Die russische Führung setzt vor allem darauf, dass die neue US-Administration als einen erster Schritt die Pläne für den Raketenschild in Europa überprüft, den Russland als eine Bedrohung empfindet – Obama hatte bereits angekündigt, das Projekt unter die Lupe nehmen zu wollen. Russland hofft vor allem auf eines: auf Augenhöhe von den USA akzeptiert zu werden. Ein Gefallen, den die Bush-Regierung nur dann erwiesen hat, wenn sie die Unterstützung Moskaus dringend brauchte.

In der Bevölkerung war Obama Umfragen zu Folge während des Wahlkampfes zwar klar der beliebtere Kandidat. Dem spannenden Ringen um das Weiße Haus hat sie aber kaum Beachtung geschenkt. Immerhin jeder dritte Russe glaubt Umfragen zu Folge, dass sich unter dem neuen Präsidenten die Beziehungen zwischen den Ländern verbessern werden.

Begeisterung in Kanada

Die Begeisterung, mit der die Kanadier am Dienstag die Amtseinführung Barack Obamas verfolgten, unterstreicht die Popularität des US-Präsidenten beim nördlichen Nachbarn. Umfragen zeigen, dass die Zustimmung zu Obama ist seit seinem Wahlsieg im November in Kanada noch gestiegen ist. 81 Prozent der Kanadier haben eine positive Meinung von ihm. Die Begeisterung für Obama kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch Sorgen über mögliche negative Auswirkungen seiner Politik für Kanada geben könnte.

Angesichts kritischer Äußerungen Obamas zur nordamerikanischen Freihandelszone Nafta befürchten viele, dass eine stärker protektionistische Politik der USA, betrieben vor allem durch den demokratisch dominierten Kongress, dem exportabhängigen Kanada schaden könnte. Auch wird größerer Druck der USA erwartet, dass Kanada seine Mission in Afghanistan über 2011 hinaus verlängert.

Kanada hat in den Beziehungen zu den USA einen Trumpf in der Hand: Das öl- und gasreiche Land ist der größte Energielieferant der USA. Allerdings gibt es aus dem Kreis Obamas Vorbehalte gegen das „schmutzige“, mit hohen Umweltbelastungen gewonnene Öl aus Ölsand. Kanadas Premierminister Stephen Harper, dessen Regierung sich bisher beim Klimaschutz durch Blockadepolitik auszeichnete, hat den USA bereits einen Klimapakt vorgeschlagen, um die Politik beiderseits der Grenze zu koordinieren. Ein Problem hat Harper, der ideologisch George W. Bush nahestand, nicht mehr: Die Kanadier beobachteten stets misstrauisch, wenn ihre Regierung zu enge Beziehungen zu Washington suchte. Ein gutes Verhältnis zu Barack Obama dürfte Harper nun nicht schaden.

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