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17.12.2013

16:41 Uhr

Real und Barcelona

EU ermittelt gegen spanische Fußballklubs

Einigen spanischen Fußball-Klubs droht juristischer Ärger: Wegen möglicher Steuervorteile und undurchsichtiger Grundstücksgeschäften will die EU-Kommission ein Verfahren eröffnen. Auch Deutschland könnte betroffen sein.

Barcelonas Messi gegen Madrids Pepe: Gibt es bald Ärger mit der EU-Justiz? ap

Barcelonas Messi gegen Madrids Pepe: Gibt es bald Ärger mit der EU-Justiz?

BrüsselDie Europäische Union nimmt den spanischen Fußball unter die Lupe. Spitzenvereine wie Real Madrid oder der FC Barcelona waren von der Konkurrenz in anderen Ländern schon seit langem um die horrenden Ablösesummen und Gehälter beneidet worden, die sie für Stars wie Cristiano Ronaldo, Gareth Bale oder Neymar zahlen können. Die EU-Kommission will nun herausfinden, ob Vereine im Land des Welt- und Europameisters indirekt staatliche Hilfen erhielten, die ihnen einen Wettbewerbsvorteil einbrachten. Unter Berufung auf die Tagesordnung der nächsten Kommission-Sitzung meldete die „Süddeutsche Zeitung“, es sollten förmliche Beihilfeverfahren gegen Spanien eröffnet werden.

Wenn Brüssel den Verdacht bestätigt sieht, könnte die EU verlangen, dass die Klubs illegale Hilfen zurückzahlen müssen. Niemand könne abschätzen, um welche Beträge es geht. „Die Rechnung dürfte sich auf Millionen belaufen“, argwöhnte die spanische „El País“ am Dienstag. „Brüssel sagt der spanischen Liga Schach an.“

Bei dem Verfahren geht es dem Bericht zufolge um mögliche steuerliche Vorteile für die Klubs, undurchsichtige Grundstücksgeschäfte mit der Verwaltung sowie im Falle des FC Valencia um Kredite, für die die Regionalregierung von Valencia bürgt. Die Zuständigkeit Brüssels ergibt sich demnach aus der grenzüberschreitenden Tätigkeit der Vereine etwa bei Spielertransfers oder dem Verkauf von Merchandising-Produkten.

Anlass für den verschärften Kurs der EU-Kommission ist offenbar ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes aus dem Jahr 2012. Demnach fällt die Finanzierung von Infrastruktur, die anschließend kommerziell genutzt wird, unter die europäische Beihilfekontrolle.

Wettbewerbsrechtler halten das Vorgehen Brüssels für eine Normalisierung der Anwendung des europäischen Rechts im Sportbereich. „Profisport ist eine wirtschaftliche Tätigkeit und unterliegt damit dem Wettbewerbsrecht. Dies wird nun angewandt wie in allen anderen Wirtschaftszweigen auch“, hieß es aus Rechtskreisen. Verfolge Brüssel den Kurs konsequent weiter, sei auch in Deutschland damit zu rechnen, dass Vorgänge zwischen öffentlicher Hand und Vereinen überprüft würden. Andere Sportbereiche wie Handball oder Basketball könnten ebenfalls betroffen sein.

Innerhalb der EU-Kommission war Wettbewerbs-Kommissar Joaquín Almunia in jüngster Zeit zunehmend unter Druck geraten, endlich gegen die spanischen Vereine vorzugehen, um nicht den Eindruck der Befangenheit entstehen zu lassen. Almunia ist Spanier und war lange selbst als Minister in der dortigen Politik tätig – zu dieser Zeit soll die Regierung jene Steuerregeln für die Fußballvereine auf den Weg gebracht haben, die inzwischen in der Kritik stehen. Verdächtigungen gegen die Clubs gibt es seit Jahren, die Voruntersuchungen der Beihilfewächter ziehen sich inzwischen aber so lange hin, dass sich Interessenvertreter bei der Ombudsfrau der EU über die Verzögerungen beschwert hatten. Die Irin Emily O’Reilly forderte die Wettbewerbshüter daraufhin auf, die Untersuchungen endlich zu einem Abschluss zu bringen – die Beschwerde eines Unbekannten, die den Ermittlungen zugrunde liegt, stammt aus dem Jahr 2009. Es dürfe nicht der Eindruck eines Interessenskonflikts entstehen.

„Die Kommission hat diese Beschwerde vier Jahre lang nicht bearbeitet“, erklärte O'Reilly: „Das ist nicht nur schlechte Verwaltung, für die europäische Öffentlichkeit kann es angesichts der starken Verbindungen des Kommissars zu einem der Fußballklubs auch nach einem Interessenkonflikt aussehen. Ich vertraue darauf, dass die Kommission darüber entscheiden wird, ob sie eine Untersuchung einleitet, um die Fakten klarzustellen und Verdächtigungen zu zerstreuen.“

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