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11.08.2012

13:57 Uhr

Rebellen in Syrien

Geeint nur im Hass auf Assad

Für die Rebellen in Syrien kämpfen längst nicht mehr nur Syrer. Sunnitische Islamisten aus den Nachbarländern bringen viel Erfahrung im Guerilla-Krieg gegen Armeen mit – gesammelt haben sie diese im Irak und Afghanistan.

An der Seite der Rebellen kämpfen inzwischen auch viele Muslime aus anderen Ländern. dapd

An der Seite der Rebellen kämpfen inzwischen auch viele Muslime aus anderen Ländern.

AleppoAbu Bakr, einer der Kommandanten der Aufständischen in Syrien, ist ein bekennender Islamist. Er ist entschlossen, Staatschef Baschar al-Assad zu stürzen. Aber die Radikalen, die sich den Rebellen mittlerweile angeschlossen haben, versetzen selbst ihn in Alarmstimmung. "Ich bin Islamist, meine Kämpfer sind Islamisten", bekennt er. Doch Islamisten seien nicht immer gleich Islamisten. "Diese Männer haben im Irak gekämpft, sie sind zu extrem, sie wollen alle Symbole unseres Landes zertrümmern, auch die Schulen."

Seit 17 Monaten tobt der Kampf zwischen den Rebellen und der Staatsmacht. Den Aufständischen ist jede Unterstützung willkommen, auch von Kämpfern aus dem Ausland. Sie bringen Waffen, Expertise und Geld und sind zum Kampf entschlossen. Doch mittlerweile steigt bei den einheimischen Kämpfern das Unbehagen, wenn sie an die Zeit nach Assad denken. Welche Ziele verfolgen die Ausländer, die aus den Golfstaaten, Libyen, mitunter aus Osteuropa und dem afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet kommen?

Regionale Player im Syrien-Konflikt

Israel

Ein Einsatz syrischer Massenvernichtungswaffen ist ein Alptraum für Israel, das dem Konflikt bisher eher als Beobachter beiwohnte. Jetzt warnt Jerusalem laut davor, dass Assads Chemie- und Flugabwehrwaffen in die Hände der Hisbollah oder Al-Kaidas fallen könnten. Positiv wäre für Israel, dass sein Erzfeind Iran mit Assad seinen wichtigsten Stützpfeiler in der Region verlieren würde. Mit Assad könnte Israel allerdings auch einen Nachbarn verlieren, der für weitgehende Ruhe an der gemeinsamen Grenze gesorgt hat.

Saudi Arabien und Katar

Die sunnitischen Herrscher vom Golf unterstützen in Syrien - wie schon zuvor in Libyen - die islamisch-konservativen Kräfte. Und versuchen, einen Verbündeten ihres Erzfeindes Iran zu schwächen. Daheim können sie sich so als Unterstützer der Revolution präsentieren, ohne Protesten Vorschub zu leisten. Damaskus will in Saudi-Arabien und Katar die Urheber des „Komplotts“ gegen sich identifiziert haben.

Türkei

Das Nato-Mitglied ist seit langem einer der schärfsten Kritiker des syrischen Regimes. Weiter verschärft wurde das Verhältnis Ende Juni durch den Abschuss eines türkischen Kampfflugzeuges vor der syrischen Küste. Regierungschef Recep Tayyip Erdogan sagte dem syrischen Volk daraufhin Unterstützung bis zur Befreiung von „Diktator“ Assad zu, bei weiteren Zwischenfällen werde sein Land mit Gewalt zurückschlagen. Ein Teil des Nachschubs der syrischen Rebellen wird durch die Türkei geschleust, die allerdings offiziell keine Waffen liefert.

Libanon

Das westliche Nachbarland Syriens ist zerrissen - eine gefährliche Lage. Die Sunniten im Libanon stehen mehrheitlich auf der Seite der syrischen Opposition, die zum Großteil ebenfalls aus Sunniten besteht. Über die Grenze werden auch Waffen geliefert. Die schiitische Hisbollah-Miliz hingegen, die in Beirut in der Regierung sitzt, ist mit dem Assad-Regime verbündet. Die Waffen, mit denen sie ihre Herrschaft sichert, kommen aus Damaskus. Seit einigen Wochen gibt es im Libanon Auseinandersetzungen zwischen pro- und anti-syrischen Gruppierungen, dabei gab es auch Tote.

Iran

Aus iranischer Sicht darf das syrische Regime keinesfalls fallen. Im Frühjahr erklärte Präsident Mahmud Ahmadinedschad, er kenne keine Grenzen bei seiner Unterstützung für Präsident Assad. Angeblich schickte Teheran Militärberater und Kämpfer. Ohne Assads Regime würde es für den Iran schwerer, die eigene anti-israelische Ideologie zu verbreiten. Auch die pro-iranischen Milizen, besonders die Hisbollah in Libanon, würden geschwächt. Zuletzt bestätigte der Iran Gespräche mit Regimegegnern in Syrien und brachte sich als Vermittler ins Gespräch.

Al-Kaida

Das Terrornetzwerk Al-Kaida versucht einmal mehr, auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Die Terroristen wollen sich als Speerspitze der Revolution präsentieren und das anschließende Tohuwabohu für ihre Zwecke nutzen.

"Unser Ziel ist, eine Zukunft aufzubauen, und nicht alles zu zerstören", sagt Abu Bakr. "So blutig es derzeit auch ist, diese Phase ist im Prinzip übersichtlich. Wir verfolgen mit dem Sturz des Regimes alle dasselbe Ziel. Wenn Baschar weg ist, könnten wir uns aber in einem neuen Krieg gegen unsere früheren Verbündeten wiederfinden." Abu Bakr und seine Kämpfer wollen in Syrien eine Art konservative Türkei aufbauen, eine islamisch geprägte Demokratie, und keine autokratische Theokratie. Vehement lehnen sie daher Aktionen wie die Entführung von Journalisten oder die Zerstörung der Infrastruktur im Land ab.

Auch der Westen beobachtet die zunehmende Präsenz sunnitisch geprägter Islamisten aus dem Ausland mit Skepsis. Die Erfahrungen aus dem Irak lassen das Schlimmste befürchten. Im Nachbarland haben sunnitische Islamisten mit Unterstützung von Al-Kaida-Kämpfern auch zu Zeiten der US-Besatzung unzählige Anschläge verübt mit Tausenden Toten.

Nach Syrien kommen nun Kämpfer, die einen "Heiligen Krieg" im Sinne des Dschihad unterstützen und nach einem Sieg in ihre Heimat zurückkehren wollen. Andere aber haben Verbindungen zu Al-Kaida und verfolgen das Ziel, in Syrien eine neue Sektion der Extremistengruppe aufzubauen.

Kommentare (7)

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beobachter

11.08.2012, 14:07 Uhr

Im Sidekick machen die Kurden auch noch ihre Rechnungen auf und und und.
Fein.
Da trifft es sich doch, dass Frau Clinton auch noch mal den Kochlöffeln in die Hand nimmt.
So werden Süppchen angerührt, die niemand mehr auslöffen möchte.
Das Süppchen wirds nicht interessieren, die Köche auch nicht und niemand wird für das Desaster verantwortlich sein.
Das ist fein.
Das ist von politischer Weitsicht geprägt.
Damit wird man noch bis Ende des Jahrhunderts, wenn nicht darüberhinaus, zu tun haben.
Welch glückliche Hand unsere Führer doch haben: eines jedenfalls können sie: das vollkommene Chaos zu- und anrichten.

nonBellizist

11.08.2012, 14:12 Uhr

Ganz abgesehen davon, wer von dauerhaften Krisenherde profitieren wird...
Syrien?
Ein Investment in die Zukunft: mit sicheren Absatzmärkten für die Rüstungsindustrien der Welt in die Region.

ulrich1947

11.08.2012, 14:38 Uhr

es ist schon irre , da kaempfen sogenannte freiheitskaempfer gegen assad und wissen nicht welcher orginasitiation sie angehoeren.wird ihnen dann von fall zu fall gesagt auf wehn sie schiessen sollen?.und jetzt kuendigt israel auch noch an vor den us wahlen den iran anzugreifen. wie wird das dann bei uns genannt? persischer fruehling ?

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