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17.06.2013

21:50 Uhr

Rebellenbewaffnung

Assad warnt den Westen

Nach einem mutmaßlichen Giftgaseinsatz des Regimes wollen die USA die syrischen Rebellen mit Waffen unterstützen. Syriens Präsident Assad bestreitet die Vorwürfe im FAZ-Interview und warnt vor afghanischen Verhältnissen.

Syriens Präsident bestreitet Giftgas eingesetzt zu haben. dpa

Syriens Präsident bestreitet Giftgas eingesetzt zu haben.

Damaskus/IstanbulDer syrische Präsident Baschar al-Assad hat westliche Staaten davor gewarnt, Waffen an die Rebellen in Syrien zu liefern. In einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Dienstag) sagte er, diese Waffen würden in die Hände islamistischer Terroristen gelangen, die dann später kampferfahren und ideologisch aufgerüstet ihre Heimatländer und Europa heimsuchen würden. Zugleich wies Assad den Vorwurf der USA, Großbritanniens und Frankreichs zurück, die syrische Armee habe Giftgas eingesetzt. „Hätten Paris, London und Washington nur ein einziges Beweismittel für ihre Behauptungen, hätten sie dieses der Weltöffentlichkeit vorgelegt“, sagte Assad.

Die US-Regierung hatte in der vergangenen Woche erklärt, sie sei inzwischen überzeugt, dass Assads Truppen im Kampf gegen die Rebellen Giftgas eingesetzt hätten. Damit sei eine „rote Linie“ überschritten worden. Washington prüfe nun die Möglichkeit von Waffenlieferungen an die Rebellen.

Das Internationale Rote Kreuz (IKRK) hat nach eigenen Angaben „keine glaubhaften Belege“ für den Einsatz von chemischen Waffen in Syrien. Das sagte eine IKRK-Sprecherin in Moskau der Nachrichtenagentur dpa. Die Organisation habe Zugang zu allen Regionen in dem Bürgerkriegsland, erklärte der Leiter der IKRK-Hilfsoperationen im Nahen und Mittleren Osten, Robert Mardini.

Unmittelbar vor Beginn des G8-Gipfels kritisierte Russland die Pläne des Westens für Waffenlieferungen an die Rebellen in Syrien scharf. Das Vorhaben führe zu einer Eskalation der Spannungen in Syrien und in der Region, warnte Außenamtssprecher Alexander Lukaschewitsch. Es werde dadurch zudem deutlich schwieriger, einen Termin für eine neue Friedenskonferenz in Genf zu finden, sagte er der Agentur Interfax zufolge. Die UN-Vetomacht Russland ist ein enger Partner und der wichtigste Waffenlieferant des syrischen Machthabers.

Der Sprecher betonte, Russland werde die Einrichtung einer Flugverbotszone über Syrien nicht zulassen. Ein solcher Schritt sei kontraproduktiv. Eine Flugverbotszone, wie sie die Nato 2011 in Libyen durchgesetzt hatte, wäre einigen syrischen Oppositionellen noch lieber als die Lieferung von Waffen an die Rebellen.

Kommentare (4)

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18.06.2013, 00:09 Uhr

„Wir beteiligen uns auf keinen Fall an Waffenlieferungen“

- Diese Haltung finde ich persönlich gut, da wir uns hier nicht den USA, GB und F untergeben und endlich eigene Entscheidungen treffen, auch wenn sie von den anderen NATO-Staaten differiert.

„Deutschland steht nicht abseits.“

- Hier frage ich mich immer wieder warum sich Deutschland so intensiv um die Belange anderer Länder kümmern muss. Kein Staat hat sich in die Krise Syriens einzumischen, egal welche Rechte verletzt worden sind. Das ist allein eine Syrische Angelegenheit mit der das eigene Volk selber zurecht kommen muss.

Deutschland hat sich leider vertraglich dazu verpflichtet überall zu intervenieren, sobald es zu kritisch wird. Dieses Abkommen sollte meines Erachtens aufgelöst werden.

Durch das präventive Eingreifen der Westmächte glaubt man einen überregionalen Frieden erreichen zu können. Doch dem ist nicht so. Es findet nur eine Verlagerung der Krise statt.

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18.06.2013, 09:22 Uhr

Man muss schon Östereich oder Schweizer Nachrichten sehen um über Deutschland politisch informiert zu werden. So gibt es
eine geheime Tschetschenische Terroreinheit in Syrien,die
gegen Assad kämpft und nicht gefilmt werden will. Östereich TV hat es trotzdem geschafft. Also kann Russland kein Interesse haben das diese Leute mit Waffen ausgerüstet werden.

Erich_Mustermann

18.06.2013, 09:56 Uhr

Ganz ehrlich: was erwarten wir (= der Westen) eigentlich?

Wir mischen uns auf der ganzen Welt ein, wollen bestimmen, welche Regierungen an der Macht bleiben dürfen, weil sie "unsere Freunde" sind und welche gestürzt werden sollen.

Und dann wundern wir uns, dass diese unsere Handlungen zu entsprechenden Reaktionen der jeweiligen Gegenseite führen. Der Westen will, nachdem man die Rebellen seit fast zwei Jahren über den Umweg Saudi-Arabien unterstützen lässt, nun auch direkt Waffen und Munition an Assads Gegner liefern.

Wie scheinheilig und verlogen sind unsere Politiker eigentlich, dass sie es auch noch als Drohung darstellen, wenn Assad sie vor den Folgen ihres törichten Handelns warnt? Hat man denn überhaupt nichts aus den Kriegen in Afghanistan gelernt? Auch dort man Rebellen mit Waffen und Munition versorgt, damit diese die "bösen Sowjets" bekämpften. Das haben die auch brav getan. Und danach richteten sie diese Waffen gegen die ehemaligen Waffenlieferanten.

Das droht uns nun wieder, da hat Assad vollkommen recht. Der Mann mag ein Despot sein, aber dumm ist er nicht.

PS: Das mit dem Giftgas und den angeblichen Beweisen dafür ist vermutlich ebenso ein Fake wie Saddams angebliche Massenvernichtungswaffen oder die rührselige Geschichte mit den Babys, die irakische Soldaten in Kuwait angelich aus den Inkubatoren rissen - nachgewiesene Propagandalügen.

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