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19.11.2014

14:15 Uhr

Rebellenchef fordert Duell

Wilder Westen in der Ukraine

Vorschlag aus einer anderen Zeit: Ein ostukrainischer Rebellenführer fordert den Präsidenten zu einem „ehrlichen Duell“ heraus. Wahl des Ortes und der Waffen überlasse er Petro Poroschenko. Kiew kontert schlagfertig.

Igor Plotnizki (rechts) und Alexander Sachartschenko sind Führungsfiguren bei den Separatisten in der Ostukraine. dpa

Igor Plotnizki (rechts) und Alexander Sachartschenko sind Führungsfiguren bei den Separatisten in der Ostukraine.

KiewEin Rebellenführer aus der Ostukraine hat Präsident Petro Poroschenko am Mittwoch zum tödlichen Duell aufgefordert. Mit einem „ehrlichen Duell“ könnten „auf Kosten eines Lebens“ die Leben von tausenden Menschen gerettet und Frieden hergestellt werden, schrieb der „Regierungschef“ der selbstproklamierten Volksrepublik Lugansk, Igor Plotnizki, in einem offenen Brief an Poroschenko.

„Jede Partei darf zehn Zeugen und zehn Medienvertreter mitbringen“ – auch eine Live-Übertragung im Fernsehen sei ihm recht, schrieb der bullige Separatist an den Staatschef. „Ich überlasse Ihnen die Wahl des Ortes und der Waffen.“ Wem nütze es, „Hass zu schüren, Menschen zu töten, die Wirtschaft und die Städte zu zerstören“, fragt der 50-Jährige in dem Brief. Es wäre besser, „dem durch ein ehrliches Duell ein Ende zu setzen“.

Die ukrainischen Parteien und ihre Köpfe

Petro-Poroschenko-Block

Die Parlamentswahl soll der krisengeschüttelten Ukraine an diesem Sonntag eine stabile Regierung bringen. Wegen der Gefechte im Osten werden aber vorerst nur 424 der 450 Sitze in der Obersten Rada in Kiew vergeben, es gilt die Fünfprozenthürde. Um 225 Sitze bewerben sich 29 Parteien mit mehr als 3000 Kandidaten, die restlichen 199 Mandate werden per Direktwahl bestimmt. Stimmberechtigt sind gut 36 Millionen Bürger. Die aussichtsreichsten Parteien im Überblick.

PETRO-POROSCHENKO-BLOCK: „Zeit für Einigkeit“ ist der Slogan der neu gebildeten Partei von Präsident und Namensgeber Petro Poroschenko. Sie liegt in Umfragen weit vorne. Spitzenkandidat ist der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko, der einen Wechsel vom Rathaus ins Parlament bisher kategorisch ausschließt. Vizeregierungschef Wladimir Groisman auf Listenplatz Vier gilt als Vertrauter von Poroschenko und wird als dessen Favorit für das Ministerpräsidentenamt gehandelt.

Oppositionsblock Silnaja Ukraina

Vertreter der bis zum Machtwechsel im Februar regierenden Partei der Regionen treten getrennt an. Ex-Vizeministerpräsident Juri Boiko muss mit dem Oppositionsblock um den Einzug bangen. Sicher im Parlament dürfte dagegen der ehemalige Sozialminister und Vizeregierungschef Sergej Tigipko mit seiner wiederbelebten Kraft Silnaja Ukraine (Starke Ukraine) sein.

 

Swoboda

Den Rechtsradikalen um Parteiführer Oleg Tjagnibok werden in Umfragen nur geringe Chancen für einen Wiedereinzug gegeben.

Vaterlandspartei

Die Partei von Ex-Ministerpräsidentin Julia Timoschenko hat sich nach dem Weggang „altgedienter Kader“ verjüngt. Listenplatz Eins trat Timoschenko demonstrativ an die Militärpilotin Nadeschda Sawtschenko ab, die in Russland wegen Mordverdachts im Gefängnis sitzt. Kiew wirft Moskau politische Motive in dem Fall vor.

Radikale Partei

Frontmann ist der Abgeordnete Oleg Ljaschko. Sein Markenzeichen ist eine Heugabel, mit der er Kiew „ausmisten“ will.

Narodny Front

Ganz auf Regierungschef Arseni Jazenjuk zugeschnitten ist der Wahlkampf der neugegründeten Volksfront. Auf ihrer Liste stehen viele Kabinettsmitglieder, etwa Innenminister Arsen Awakow. Auch Parlamentspräsident Alexander Turtschinow und der frühere Sicherheitsratschef Andrej Parubij sowie Journalisten und Frontkämpfer stehen Jazenjuk zur Seite. Viele Spitzenkandidaten arbeiteten früher in der Vaterlandspartei von Julia Timoschenko.


Die Reaktion Kiews ließ nicht lange auf sich warten. Der Rebellenführer sei „nur eines einzigen Duells würdig: dem mit der ukrainischen Justiz“, schrieb Außenamtssprecher Jewgen Perebjinis auf Twitter. Plotnizki ist beschuldigt, die ukrainische Luftwaffenpilotin entführt und nach Russland gebracht zu haben. Sawtschenko wird in Moskau vorgeworfen, an einem Einsatz beteiligt gewesen zu sein, bei dem zwei russische Journalisten getötet wurden.

In sozialen Netzwerken stieß Plotnizkis Duell-Forderung auf ein breites Echo. Zur Wahl der Waffen wurde unter anderem ein „Schachbrett“ vorgeschlagen oder ein Duell in „englischer Sprache“.

Von

afp

Kommentare (5)

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Herr C. Falk

19.11.2014, 14:46 Uhr

Das "Duell" zwischen Heerführern war immerhin, wenn auch eine altertümliche Art, in Vorzeiten Praxis, unnötiges Bluvergießen zu vermeiden.

Na ja, diese Zeiten sind lange vorbei, was ich zugestanderweise etwas bedauere LOL

Es waren die Zeiten des "ritterlichen" Kampfes wo der Gegner kein absoluter "Feind" war, den es bis auf den Grund zu vernichten galt, sondern dem Gegner wurde eine spirituelle Substanz zugesprochen, um "Gott" durch ein Gottesurteil sprechen zu lassen.

Herr walter danielis

19.11.2014, 14:49 Uhr

warum nicht? gute Idee!

Herr der Ringe

19.11.2014, 15:25 Uhr

>> Wilder Westen in der Ukraine >>

Wenn man sich die neugewählten Parlamentsabgeordneten mal anschaut, so hat tatsächlich der Wilde Westen, oder eher der Wilde Osten, Einzug in der Ukraine gehalten :

Video

https://www.youtube.com/watch?v=-Vz8_nwqGO8

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