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29.03.2016

14:55 Uhr

Recep Tayyip Erdogan

Der dünnhäutige Präsident

VonGerd Höhler

Wer sich über Recep Tayyip Erdogan lustig macht oder ihn kritisiert, wandelt auf einem schmalen Grat: Denn aus der Anzeige wegen Beleidigung des türkische Staatschef kann schnell eine Anklage wegen Terrorismus werden.

Humor gehört nicht zu den Stärken des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Reuters

Der dünnhäutige Präsident

Humor gehört nicht zu den Stärken des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan.

AthenHumor gehört nicht zu den Stärken des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Und Witze über ihn selbst findet er erst recht nicht komisch. Das erfuhr kürzlich der deutsche Botschafter in Ankara, Martin Erdmann. Am Dienstag vor Ostern wurde der Diplomat ins türkische Außenministerium einbestellt. Er sollte sich für eine Satire aus der ARD-Sendung „extra 3“ rechtfertigen, Erdogan forderte sogar, die Veröffentlichung der NDR-Fernsehsatire zu stoppen.

Ein knapp zwei Minuten langer musikalischer Beitrag der Sendung, die am 17. März ausgestrahlt wurde, galt Erdogan. Der Refrain des Liedes lautete: „Erdowie, Erdowo, Erdogan“ (allerdings hört sich das im Song an wie Erdowahn). Bilder des Prunk-Palastes, den sich Erdogan in einem Naturschutzgebiet in Ankara errichten ließ, wurden mit dem Text unterlegt: „Er lebt auf großem Fuß, der Boss vom Bosporus.“ Auch das Thema Meinungsfreiheit wird in dem Spottlied thematisiert: „Ein Journalist, der irgendwas verfasst, was Erdogan nicht passt, ist morgen schon im Knast.“

Zumindest diese Zeile des satirische Songs hat einen durchaus aktuellen und gar nicht komischen Bezug: Seit dem vergangenen Freitag verhandelt die 14. Strafkammer in Istanbul gegen zwei Redakteure der regierungskritischen Zeitung „Cumhuriyet“. Die Zeitung hatte im vergangenen Jahr Dokumente publiziert, die angebliche Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes MIT an islamistische Extremisten in Syrien belegen sollten. Jetzt droht dem Chefredakteur und dem Hauptstadtkorrespondenten des Blattes wegen „Spionage“ und „Umsturzversuch“ lebenslange Haft.

Erdogan persönlich hatte die Journalisten angezeigt und ist Nebenkläger in dem Verfahren. Um ein Zeichen für die Pressefreiheit zu setzen, war Botschafter Erdmann mit einem halben Dutzend anderen ausländischen Diplomaten zum Prozessauftakt im Gerichtssaal erschienen – und brachte damit Erdogan in Rage: „Wer seid Ihr, was habt Ihr da zu suchen?“ ging der Präsident die Diplomaten an. „Dies ist nicht Euer Land, dies ist die Türkei“, schnaubte Erdogan.

Kommentare (34)

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Account gelöscht!

29.03.2016, 13:01 Uhr

 
Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Old Harold

29.03.2016, 13:01 Uhr


So sind Diktatoren nun mal.

Herr Fritz Yoski

29.03.2016, 13:04 Uhr

Jetzt noch die Türkei und Ukraine in die EU aufnehmen und das Gruselkabinett ist komplett. Hoffentlich verlassen die Briten die EU, dann werden weitere "normale" Laender wie Daenemark, Niederlande und Finland folgen.
Wie durchgeknallt Merkel ist kann man schon zum Beispiel daran erkennen das sie sich ueberhaupt mit einem wie Erdogan an einen Verhandlungstisch gesetzt hat. Jeder wusste das Erdogan ein Fall fuer die Klappse ist, aehnlich wie der Dicke aus Nord Korea, aber Merkel wusste wie immer alles besser. Alternativlos selbstverstaendlich.
Ich bin mir allerdings immer noch nicht im Klaren od Merkel wirklich so dumm und naiv ist oder ob sie versucht Deutschland absichtlich zu schaden. Vielleicht wird sie wegen ihrer STASI Vergangenheit erpresst.

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