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15.04.2016

16:53 Uhr

Recep Tayyip Erdogan

Der Marionettenspieler

VonGerd Höhler

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan gilt als jähzornig und seine cholerischen Wutanfälle sind gefürchtet. Zunehmend reagiert er gereizt auf Kritik – das zeigt auch der Fall Böhmermann. Doch warum nur?

Warum lässt der mächtige Erdogan Kritik nicht einfach an sich abtropfen, nach dem Motto, was kümmert es den Mond, wenn der Hund ihn anbellt?

Der türkische Präsident

Warum lässt der mächtige Erdogan Kritik nicht einfach an sich abtropfen, nach dem Motto, was kümmert es den Mond, wenn der Hund ihn anbellt?

AthenEigentlich könnte sich Recep Tayyip Erdogan in seinem riesigen Amtszimmer im Ak Saray, dem Weißen Palast am Stadtrand von Ankara, gelassen in seinen Sessel zurücklehnen. Er hat nicht nur das höchste Staatsamt der Türkei erreicht. Er macht aus der Präsidentschaft auch mehr als seine Vorgänger. Laut der türkischen Verfassung ist das Staatsoberhaupt eigentlich nur auf die Rolle des obersten Repräsentanten festgelegt. Aber Erdogan nimmt sich seit seiner Wahl zum Staatspräsidenten immer mehr Befugnisse heraus.

Niemand wagt ihm reinzureden. Er zieht aus seinem Prunkpalast die Fäden. Der biedere Regierungschef Ahmet Davutoglu gilt als seine Marionette. Wenn Erdogan mit dem Finger schnippt, überschlagen sich die Minister. Seit dem legendären Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk hatte niemand in der Türkei so unumschränkten Einfluss wie Erdogan. Aber für einen Mann, der so viel Macht hat, reagiert der türkische Präsident erstaunlich empfindlich auf Kritik.

Böhmermann versus Erdogan – Was bisher geschah

17. März

Im NDR macht sich die Satire-Sendung „extra 3“ in einem Lied über Erdogan lustig.

22. März

Die Türkei bestellt den deutschen Botschafter Martin Erdmann ein, um sich über den zweiminütigen Film zu beschweren.

29. März

Die Bundesregierung weist den Protest in einem Telefonat mit der türkischen Seite zurück: Die Presse- und Meinungsfreiheit sei nicht verhandelbar.

31. März

Satiriker Jan Böhmermann liest in der ZDF-Sendung „Neo Magazin Royale“ ein Gedicht über Erdogan vor, das unter die Gürtellinie geht. Böhmermann will damit nach eigener Aussage die Unterschiede zwischen erlaubter und verbotener Satire aufzeigen.

1. April

Das ZDF gibt bekannt, dass der Beitrag aus der Mediathek gelöscht und nicht wie vorgesehen wiederholt wird.

3. April

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisiert Böhmermanns Gedicht in einem Telefonat mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu als „bewusst verletzend“. Gleichzeitig bekräftigt sie den hohen Wert der Presse- und Meinungsfreiheit.

6. April

Die Staatsanwaltschaft Mainz teilt mit, dass sie wegen des Verdachts der Beleidigung von Organen oder Vertretern ausländischer Staaten ermittelt. Zuvor seien rund 20 Strafanzeigen eingegangen.

10. April

Aus Berliner Regierungskreisen wird bekannt, dass die Türkei in einer Verbalnote an das Auswärtige Amt eine Bestrafung von Böhmermann verlangt.

11. April

Die Bundesregierung kündigt an, die Forderung zu prüfen. Regierungssprecher Steffen Seibert betont, die Freiheit der Kunst und die Pressefreiheit seien für Kanzlerin Merkel nicht verhandelbar. Die Staatsanwaltschaft Mainz bestätigt einen Strafantrag Erdogans gegen Böhmermann wegen Beleidigung.

Das bekommt jetzt nicht nur der Satiriker Jan Böhmermann zu spüren. Am Mittwoch verhaftete die türkische Polizei im südostanatolischen Sanliurfa sechs Personen wegen des Verdachts der „Präsidentenbeleidigung“. Sie sollen sich in sozialen Netzwerken abfällig über Erdogan geäußert haben. In den ersten 18 Monaten von Erdogans Amtszeit hat die türkische Justiz nach Angaben von Justizminister Bekir Bozdag bereits 1845 Verfahren wegen „Präsidentenbeleidigung“ eingeleitet – mehr als in den 14 Amtsjahren seiner Vorgänger Ahmet Necdet Sezer und Abdullah Gül zusammen. Kein Kavaliersdelikt: Artikel 299 des türkischen Strafgesetzbuches bedroht die Beleidigung des Staatsoberhaupts mit bis zu fünf Jahren und vier Monaten Haft.

Nicht nur Karikaturisten, Kolumnisten und Schriftsteller bekommen den Zorn des Präsidenten zu spüren, sondern sogar Schulkinder. Im Februar 2015 ließ die Staatsanwaltschaft in der Stadt Ayvalik einen 13-Jährigen im Klassenzimmer von der Polizei festnehmen – wegen angeblich beleidigender Äußerungen zu Erdogan bei Facebook. Im vergangenen Oktober leiteten die Ankläger in der Kurdenmetropole Diyarbakir Ermittlungen gegen zwei Minderjährige wegen „Beleidigung“ des Präsidenten ein – die zwölf und 13 Jahre alten Jungen sollen ein Erdogan-Plakat abgerissen haben.

Warum lässt der mächtige Erdogan Kritik nicht einfach an sich abtropfen, nach dem Motto, was kümmert es den Mond, wenn der Hund ihn anbellt? Weil Gelassenheit offenbar nicht zu seinen Charakterzügen gehört. Ein früherer politischer Weggenosse berichtet, Erdogan fahre schnell aus der Haut. Seine cholerischen Wutausbrüche und sein Jähzorn seien gefürchtet, erzählt der ehemalige Mitarbeiter, der sich nur im Schutz der Anonymität äußern will.

Kommentare (10)

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Herr Hans Mayer

15.04.2016, 17:04 Uhr

Anstatt den Sultan in den Arsch zu treten für sdeine Unterstützung der Terroristen ist die Pfarrerstochter ihm lieber in den Arsch gekrochen, wieso macht der das nur?, weil er es kann.

Account gelöscht!

15.04.2016, 17:25 Uhr

Der Marionettenspieler aus der Türkei. Dabei sind auch noch Millionen hier in Deutschland, die wir z.T. seit Jahren durchfüttern. Statt Dankbarkeit leben sie in ihrer eigenen Welt und trampeln vielen auf den Kopf herum oder stürzen andere ins Unglück, sowie die Tötung einer 19-jährigen Studentin durch zwei türkische Autorraser in Köln wegen der Tötung einer 19-jährigen Studentin nur eine lächerliche Bewährungsstrafe vom Richter erhalten haben.

Von diesen Marionetten gibt es in Deutschland zwischenzeitlich viel zu viele. Leider wird das nicht überall so gesehen, obwohl dies deutlich und sichtbar überall zu sehen und auxh zwischenzeitlich zu spüren ist.

Es soll Menschen geben, die halt eine Brille brsuchen oder auch stärkere Gläser.

Insbesondere die allermeisten Politiker/-innen und auch die Justiz. Die meisten Polizisten und Kriminalbeamte dürften es auch wissen, vermutlich ehrer nicht sagen oder sagen wollen.

Die deutsche Geschichte ist die fatale Zukunft im Lande!




Herr Fritz Yoski

15.04.2016, 17:32 Uhr

Das Duo Merkel und Erdogan erinnert an Chamberlain und Hitler. Das ist damals nicht gut gegangen und wird heute nicht anders enden. Mit Terroristen und Voelkermoerdern sollte man keine Geschaefte machen.

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