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12.09.2014

19:14 Uhr

Rechenfehler

Steuerchaos wirkt sich auf Griechenlands Haushalt aus

Fehler bei der Verrechnung von Immobiliensteuern machen sich nun auch in Griechenlands Staatshaushalt bemerkbar. Das Krisenland musste den Primärüberschuss nach unten korrigieren. Dennoch hat Athen Grund zur Freude.

Ein Mann sitzt auf einer Bank mit Blick auf Athen: Griechenlands Finanzverwaltung hat zugegeben, Fehler bei der Neuberechnung von Immobilienwerten gemacht zu haben. dpa

Ein Mann sitzt auf einer Bank mit Blick auf Athen: Griechenlands Finanzverwaltung hat zugegeben, Fehler bei der Neuberechnung von Immobilienwerten gemacht zu haben.

Athen Das Steuerchaos bei den Immobilien in Griechenland macht sich nun auch im Staatshaushalt des Euro-Krisenlandes bemerkbar. Das Athener Finanzministerium wies am Freitag für den Zeitraum von Januar bis August einen Primärüberschuss von 1,951 Milliarden Euro aus. Diese Größe blendet allerdings die hohen Zinslasten aus. Anfang September hatte das Ministerium für die ersten sieben Monate noch einen Überschuss von 3,2 Milliarden Euro verkündet. Hintergrund sind Fehler der Finanzverwaltung bei der Neuberechnung von Immobilienwerten, die sich nun auswirkten. Für das Gesamtjahr wird weiter ein Überschuss erwartet.

Ein ausgeglichener Haushalt unter Berücksichtigung des Schuldendienstes ist aber noch in weiter Ferne. Der Primärüberschuss ist dennoch wichtig, weil er anzeigt, wie gut Athen bei seinen Sparbemühungen vorankommt. Die Eurogruppe hatte Griechenland bei einem Primärüberschuss Erleichterungen bei den Konditionen der gewährten Kredite in Aussicht gestellt. Beratungen dazu werden im Herbst erwartet.

Im Kampf gegen die hohe Verbindlichkeiten hat Athen mit einer Tauschaktion von Wertpapieren insgesamt 1,62 Milliarden Euro an Schulden gestreckt. Dabei wurden Papiere mit einer nur drei bis sechsmonatigen Laufzeit gegen neue Staatsanleihen mit einer längeren Laufzeit von drei bis fünf Jahren getauscht, wie das Finanzministerium am Freitag weiter mitteilte. Mit der Aktion wollte Athen von den deutlich gesunkenen Zinsen für langfristige Anleihen profitieren und Vertrauen an den Märkten zurückgewinnen.

Jugendarbeitslosigkeit in Krisenländern Europas

Frankreich

Die Perspektivlosigkeit von jungen Menschen ohne Job gilt in Frankreich als eine der größten Gefahren für den sozialen Zusammenhalt. Die Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen lag zuletzt (Juni) bei 22,4 Prozent. Die Regierung von Präsident François Hollande finanziert mit Milliardenbeträgen Eingliederungsprogramme sowie sogenannte „Zukunftsarbeitsplätze“ für gering qualifizierte Jugendliche. Zudem wurde das System sogenannter „Generationenverträge“ geschaffen. Es bietet kleinen Unternehmen finanzielle Anreize, die sich gleichzeitig für den Nachwuchs und für alte Arbeitnehmer einsetzen.

Griechenland

Nach Angaben vom Mai sind in Griechenland 53,1 Prozent der unter 25-Jährigen ohne Job. Im Vorjahr waren es 59,6 Prozent. Die leichte Verbesserung liegt nach Angaben der Gewerkschaft des privaten Bereichs am boomenden Tourismus. In Griechenland sollen nach den Worten von Regierungschef Antonis Samaras in den kommenden Monaten 145.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Sie sollen mit Hilfe von EU-Mitteln und dem für 2014 erwarteten zaghaften Wirtschaftswachstum entstehen. In den nächsten Monaten sollen 600 Millionen Euro EU-Subventionen für neue Jobs – vornehmlich Ausbildungsplätze – nach Griechenland fließen.

Italien

43,7 Prozent der jungen Italiener sind arbeitslos, Schüler und Studierende nicht eingerechnet. Das nationale Statistikamt Italiens (Istat) sieht die Jugendlichen als „am stärksten von der Krise betroffen“. Der sozialdemokratische Regierungschef Matteo Renzi bemüht sich – bisher erfolglos – um eine Entspannung der Lage. Zeitarbeitsverträge sollen leichter verlängert, der Kündigungsschutz in den ersten drei Jahren ausgesetzt werden. So – und mit Steuererleichterungen – möchte er die Arbeitgeber entlasten. Durch EU-Gelder, 1,5 Milliarden in den kommenden zwei Jahren, erhofft sich Renzi eine bessere Grundlage zur Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit.

Spanien

Die Arbeitslosenquote beträgt in Spanien bei den unter 25-Jährigen 53,5 Prozent. Schon seit Jahren bezeichnen spanische Politiker aller Parteien die hohe Jugendarbeitslosigkeit als eines der größten Probleme. Dennoch geschah relativ wenig, um das Problem zu lösen. Die Regierung beschloss im Juli Hilfen für Unternehmer, die junge Leute einstellen. Politiker aus Deutschland warben in Spanien für eine Übernahme des deutschen Systems der dualen Berufsausbildung. Die Traditionen des spanischen Bildungssystem verhinderten jedoch, dass diese Idee sich in größerem Umfang durchsetzen konnte.

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hob unterdessen die Kreditwürdigkeit des Landes dank verbesserter Wachstumsaussichten um eine Stufe an. Die Bonitätsnote verbessere sich von „B-“ auf „B“, teilte S&P am Freitag in London mit. Nach sieben Jahren mit einer schrumpfenden Wirtschaft, dürfte das Bruttoinlandsprodukt im kommenden Jahr wieder zulegen. Dies erleichtere auch die Sanierung des Staatshaushalts.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Delete User Delete User

12.09.2014, 20:07 Uhr

Vielleicht sollten die Griechen sich mal Unterstützung von Seehofer holen.

Der hatte ja bekanntlich Umschuldung mit vollständiger Tilgung der Schulden aus dem Erblastentilgungsfonds absichtlich verwechselt. Vor laufender Kamera im ZDF konnte er dann nicht mal seine eigene Aussage erläutern. Statt dessen hat er uns Steuerzahler als "Deppen" hingestellt und meinte wir würden davon nichts verstehen. Das war wohl eher umgekehrt so.


Griechenland wäre nach Seehofers Methoden längst schuldenfrei. Und da Lampedusa ein Vorort Bayerns sein soll (Scheuer), ist Griechenland in Bayern längst eingemeindet. Fragt sich bloß, ob Bayerns Politiker jemals rechnen konnten oder das viele Weissbier sämtlich Hirnzellen in der bayrischen Staatskanzlei vernichtet hat. Intelligenz sucht man dort vergeblich. Wo hin man in der CSU auch schaut.. Dampfplauderer und Populisten!

Herr Arno Nym

12.09.2014, 20:21 Uhr

Ich krieg´echt Primärüberdruss wenn ich über die Griechischen Rechenkünste lesen muss. Deshalb lass ich es lieber, sonst droht mir noch ein Herzinfarkt. Und dabei wollte ich doch noch unbedingt so alt werden, um das Scheitern dieser EU zu erleben.

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