Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.05.2012

21:17 Uhr

Rechtsprotektionismus

Russland will eigene Unternehmen schützen

VonHeike Anger

Im Rahmen des Legal Forum verlangte Russlands oberster Handelsrichter, man müsse russische Unternehmen vor angeblich ungerechter ausländischer Rechtssprechung schützen. Premier Medwedew prüft die Vorschläge nun.

Dmitrij Medwedjew, ehemals Präsident, nun Premier spricht bei einer Kundgebung seiner Partei. action press

Dmitrij Medwedjew, ehemals Präsident, nun Premier spricht bei einer Kundgebung seiner Partei.

BerlinDie Kulisse der Eremitage, schwere Limousinen und die Konferenzunterlagen auf einem geschenkten iPad - Russland gab sich beim diesjährigen International Legal Forum in St. Petersburg alle Mühe, ein Davos der Rechtselite zu erschaffen. Die rund 2 000 Teilnehmer aus 50 Ländern - darunter 13 Justizminister - staunten indes nicht schlecht über die Botschaft, die sie dort zu hören bekamen.

Er müsse nun etwas "Ungemütliches" sagen, eröffnete Anton Iwanow, der Vorsitzende des höchsten Handelsgerichts Russlands seine Rede. Russland müsse seine Unternehmen und Bürger vor dem unfairen Wettbewerb durch ausländische Rechtssysteme schützen. Russischen Gerichten müsse es darum erlaubt sein, ausländische Urteile und Schiedssprüche anzufechten. Die für den unfairen Wettbewerb Verantwortlichen, also Richter, Anwälte und die Parteien des Verfahrens, könnten mit einem Einreiseverbot nach Russland belegt, ihre russischen Konten eingefroren und ihre Vermögenswerte beschlagnahmt werden, sagte Iwanow.

"Ob diese Vorschläge mit der Gerichtspraxis oder internationalen Vereinbarungen kompatibel sind, ist mehr als zweifelhaft", sagte Michael Hartleben, Rechtsanwalt bei der internationalen Kanzlei Egorov, Puginsky, Afanasiev & Partners in Russland, der am Forum teilnahm. Ein solches Vorgehen hätte gravierende Auswirkungen auf ausländische und damit deutsche Investoren. Ihnen würde faktisch die Möglichkeit verwehrt, Verträge nach ausländischem Recht oder mit ausländischem Gerichts- oder Schiedsgerichtsstand zu strukturieren. Verfahren seien dann nicht mehr mit gewohnter Rechtssicherheit im Ausland durchzuführen und Urteile in Russland zu vollstrecken.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

bisnixmehrzaehlt

29.05.2012, 22:10 Uhr

ach das nutzt doch auch nicht mehr oder weniger ,
selbst zB in Portugal werden deutsche Firmen/Kunden genötigt, schikaniert, belogen und geschädigt - auf solch selbstverständliche Raubritterweise - dagegen sind wir Waisenknaben !

FJSedelmayer

30.05.2012, 15:32 Uhr

Schon interessant, bedenkt man, dass das Handelsblat daselbst vor nicht allzu langer Zeit Investitionsseminare für Russland abhielt, natürlich gesponsort von der Kanzlei, die Russland mit absolut betrügerischen Methoden seit Jahren gegen mich vertritt. Es überrascht mich gar nicht, dass so Mancher endlich selbst erkennt für was Russland wirklich steht, und, soviel zur Ehrenrettung des Handelsblatts, auch darüber schreibt. Mein Vorschlag für Ihren nächsten Artikel: Bye, Bye deutsche Investitionsschutzverträge. Teuer, nutzlos und nicht duchsetzbar! Geschädigte von der Bundesregierung ignoriert.

Franz J. Sedelmayer

NeverGiveUp

31.05.2012, 19:29 Uhr

Kompliment, Sie sind ein Kämpfer - von Ihnen kann man viel lernen

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×