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11.09.2014

07:16 Uhr

Rede zum Kampf gegen IS

Obama schlägt los

VonAxel Postinett

Al-Kaida war gestern – heute ist der IS für die USA die größte Terror-Bedrohung. Am Vorabend des 9/11-Jahrestages verkündete US-Präsident Barack Obama, wie er die Miliz bekämpfen will. Es wird eine schwierige Mission.

WashingtonAmerika in der Luft, die Verbündeten auf dem Boden. So wird der Krieg gegen die Terrororganisation IS nach dem Willen von Barack Obama aussehen. 475 zusätzliche Amerikaner sollen zur Unterstützung entsandt werden, jedoch nicht um zu kämpfen, betonte der US-Präsident bei einer Ansprache am Mittwochabend in Washington. Er habe mit dem Kongress gesprochen und mit den Oberhäuptern befreundeter Staaten.

Auch sollen „gemäßigte“ Rebellen in Syrien mit Waffen und Ausbildung unterstützt werden. Eine Kooperation mit der syrischen Regierung schloss Obama kategorisch aus. Die Zustimmung des US-Kongresses braucht der Präsident eigentlich nicht. Aber er will eine breite politische Unterstützung sichern, nicht zuletzt, weil die Einsätze sich nicht auf wenige Wochen beschränken werden. In ersten Reaktionen zeigten sich Kongressmitglieder beider Parteien, der Demokraten und Republikaner, grundsätzlich einverstanden mit dem härteren Vorgehen.

Was Barack Obama zu sagen hat...

zur Lage

„Wir stehen weiterhin einer terroristischen Bedrohung gegenüber.“

zu den Machtverhältnissen

„Wir können nicht jede Spur des Bösen von der Welt tilgen, und kleine Gruppen von Killern haben die Möglichkeit, großen Schaden anzurichten.“

zu den Terroristen

„Wenn sie ungebremst bleiben, könnten diese Terroristen eine wachsende Bedrohung über diese Region hinaus darstellen – inklusive der Vereinigten Staaten. Obwohl wir noch keine spezielle Verschwörung gegen unser Heimatland entdeckt haben, haben IS-Anführer Amerika und unsere Verbündeten bedroht.“

zu Luftangriffen

„Diese Treffer haben amerikanisches Personal und Einrichtungen geschützt, IS-Kämpfer getötet, Waffen zerstört und den irakischen und kurdischen Kräften Raum gegeben, um Schlüsselgebiete zurückzugewinnen.“

zur Strategie

„Unser Ziel ist klar: Wir werden IS durch eine umfassende und anhaltende Strategie zur Terrorismusbekämpfung zersetzen und letztlich zerstören.“

zu Syrien

„Ich habe klargemacht, dass wir Terroristen, die unser Land bedrohen, jagen werden, wo auch immer sie sind. Das heißt, dass ich nicht zögern werde, in Syrien sowie im Irak gegen IS vorzugehen.“

zum Irak

„Wir werden uns nicht in einen weiteren Bodenkrieg im Irak ziehen lassen.“

zu Assad

„Im Kampf gegen IS können wir uns nicht auf ein Assad-Regime verlassen, das sein Volk terrorisiert; ein Regime, das seine verlorene Rechtmäßigkeit niemals wiedererlangen wird.“

zu den Partnern

„In Zusammenarbeit mit unseren Partnern werden wir unsere Bemühungen verdoppeln, ihre Finanzierung abzuschneiden, unsere Geheimdienstinformationen zu verbessern, unsere Abwehr zu verstärken, ihre verzerrte Ideologie zu kontern und den Fluss ausländischer Kämpfer in und aus dem Nahen Osten einzudämmen.“

zu amerikanischer Führung

„Das ist amerikanische Führung in ihrer besten Form: Wir halten zu den Menschen, die für ihre eigene Freiheit kämpfen“

Am Ende will der US-Präsident aber nicht nur die Niederschlagung des Terror-Netzwerks. Alle politischen Kräfte sind zur Zusammenarbeit aufgerufen. Der Aufstieg von IS könnte letztlich der bislang fehlende Katalysator für eine Neuordnung des Mittleren Ostens werden. Die Zerstörung der alten Ordnung begann mit dem Einmarsch der Amerikaner im Irak und ging über den arabischen Frühling bis heute. Jetzt scheint sich alles auf einen Kulminationspunkt zuzubewegen.

Um aber den „Krebs“, wie Obama die Terrororganisation IS nannte, herauszuoperieren, werde man eine lange Zeit brauchen. Und es wird viel Geld kosten. Amerika werde eine breite Koalition anführen, um die Terrorbedrohung zurückzudrängen, so Obama. „Wir stehen für Friede, Würde und Freiheit.“ Außenminister John Kerry werde nach Bagdad fliegen, um mit der neuen Regierung Iraks zu sprechen und in den kommenden Tagen weitere Staaten im Mittleren Osten besuchen, teilte das US-Außenministerium mit.

Nicht nur Obama fühlt sich bedroht von IS. Irgendwo in einem Versteck in Afghanistan oder Pakistan wird auch Al-Kaida-Anführer Aiman al-Sawahiri am Mittwochabend vor einem Computer-Bildschirm gesessen und die Ansprache des US-Präsidenten verfolgt haben. Die massiven Schritte zur Eindämmung der Macht und, wie Obama betonte, letztendlichen Vernichtung von IS kommen dem Terrorführer nur gelegen. Er wird zwar nicht der Koalition der IS-Bekämpfer angehören. Aber profitieren könnte er trotzdem.

Kommentare (28)

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mick tobor

11.09.2014, 07:31 Uhr

„Wir stehen für Friede, Würde und Freiheit“
der brüller des jahres

Herr Nehal Devanowitch

11.09.2014, 07:49 Uhr

Es ist doch immer nur die Frage des kleineren Übels. Die USA sind das kleinere Übel. Lieber die als eine Horde fanatischer geistesgestörter oder einen Diktator im Rücken. Wenn man sich im Moment ansieht was in der Welt abgeht stehen wir mehr denn je vor einem Abgrund. Wir sitzen hier und fressen und die Bäuche dick,können uns nicht vorstellen loszuziehen und andere abzuschlachten. Während dessen klopfen diese aber schon an unsere Tür da sie im Vorgarten sitzen. Die meisten hier sind undankbares gesindel und meinen es sei ihr recht so zu leben wie sie leben und können sich keinen krieg vorstellen. Dabei ist es nur so wie es ist weil Krieg war, ist und sein wird. Wenn man einem IS gegenüber steht und ihm Frieden anbietet wird er einem die Hand oder Kopf abschlagen. Also ist es zeit, höchste Zeit, das sich was ändert. Die Tugenden sind nicht nur für gute Zeiten vorteilhaft

Herr Marcus T.

11.09.2014, 08:07 Uhr

Heute bilden die USA Mitglieder der "gemäßigten" Freien Syrischen Armee aus und bewaffnen diese - morgen laufen diese mitsamt Bewaffnung zur IS über oder bilden ihre eigene Terrorgruppe oder Befreiungsbewegung. Die USA mitsamt ihren Geheimdiensten, Think-Tanks usw. sind scheinbar ähnlich lernunfähig wie unsere eigene Politik, begehen am laufenden Band die gleichen Fehler.
"Vers l'Orient complique je partais avec des idees simples" (In den komplizierten Orient reiste ich mit einfachen Vorstellungen) wie de Gaulle seinerzeit schon in den 20er Jahren als junger Offizier während seiner Zeit in den damaligen Völkerbundsmandaten so treffend bemerkte. Leider hat sich seitdem nicht viel geändert.

Einzige Lösungsmöglichkeiten m.E. wäre
a) die begrenzte Unterstützung von etablierten Gruppen - besonders regionalen Minderheiten (Kurden, Drusen, Schiiten, Alawiten) und deren Führern die sich aufgrund ihrer Minderheit bisher gegenüber anderen Religionen/Völkerschaften schon aufgrund ihrer Minderheit relativ tolerant bis säkular zeigten/zeigen mussten bzw. in ihren Weltanschauungen eher weltliche Dinge (Verteidigung des bisherigen Siedlungsgebietes) anstrebten. Zu nennen wäre hier dann eben das im Westen verhasste Assad-Regime sowie Kurdische Peschmerga.
b) sollte man sich keine Illusionen über ein Irakisches Staatsgebilde hingeben: dieses ist längst Makulatur, eine Neuordnung Mesopotamiens mit Splitterstaaten die im wesentlichen den früheren Provinzen der Hohen Pforte entsprechen längst Realität.
c) sollte sich der Westen und allen Voran die USA ansonsten aus den Angelegenheiten heraushalten und hier mit Waffenlieferungen und der Unterstützung von sogenannten Demokraten vorsichtig sein.

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