Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.03.2014

15:57 Uhr

Referendum auf Krim

Gehen die Uhren auf der Krim bald anders?

VonPatrick Schwarz

Nicht nur eine Landesgrenze verläuft zwischen Russland und der Ukraine – auch die Grenze der Zeitzone. Sollten sich die Krimbewohner Russland anschließen wollen, könnte Moskau mit der Uhrumstellung ein Zeichen setzten.

Die Ukraine und Russland liegen in verschiedenen Zeitzonen. Prorussische Aktivisten auf der Krim wollen, dass die Uhren auf der Halbinsel nach Moskauer Zeit gehen sollen. dpa

Die Ukraine und Russland liegen in verschiedenen Zeitzonen. Prorussische Aktivisten auf der Krim wollen, dass die Uhren auf der Halbinsel nach Moskauer Zeit gehen sollen.

An einer Tatsache kann auch der mächtige Wladimir Putin nicht rütteln: Die Krim liegt ziemlich genau doppelt so weit von Moskau entfernt als von Kiew. Viele Bewohner der Halbinsel fühlen sich Russland aber näher und wollen sich beim Referendum für die Wiedervereinigung der Krim mit dem ukrainischen Nachbarland aussprechen. Wie also könnte Wladimir Putin bei einem Abstimmungserfolg die Neurussen näher an die Hauptstadt holen? Mit einer Ausdehnung der Moskauer Zeitzone.

Wenn man momentan auf die Krim reist, muss man die Armbanduhr eine Stunde vor stellen (zum Beispiel von 9 auf 10 Uhr). Fliegt man hingegen nach Moskau, springt die Zeitangabe auf dem Handy um drei Stunden nach vorn (etwa von 9 auf 12 Uhr). Für die prorussischen Aktivisten auf der Halbinsel im Schwarzen Meer ist das ein Ärgernis. Sie wollen gleich nach dem Volksentscheid der nachbarländischen Zeitzone beitreten.

Der zeitliche Abstand zwischen der Krim und der russischen Hauptstadt verkürzt sich ab April zwar um eine Stunde, weil die Ukrainer auf Sommerzeit umstellen und Ministerpräsidenten Dmitri Medwedew diese Praxis vor drei Jahren abgeschafft hat. Aber ein Zeichen an die Krimbewohner wäre es trotzdem, wenn ihre Uhren nach dem Referendum wortwörtlich nach Moskauer Zeit gingen. Nicht von ungefähr bezeichnete der ehemalige Präsident die neun verschiedenen Zeitzonen im größten Land der Welt als bedeutsames Hindernis der Modernisierung.

Die Halbinsel Krim

Lage und Verwaltung

Die Halbinsel am Schwarzen Meer umfasst eine Fläche von 26.000 Quadratkilometer. Sie ist unterteilt in die Autonome Republik Krim und den Stadtbezirk Sewastopol, der direkt der ukrainischen Zentralregierung untersteht. 1991 hatten die Bewohner der Krim mehrheitlich für die Autonomie innerhalb der Ukraine gestimmt.

Bevölkerung

Knapp zwei Millionen Menschen leben auf der Halbinsel. Mit fast 60 Prozent stellen russische Staatsbürger den größten Bevölkerungsanteil. 24 Prozent der Einwohner sind Ukrainer, zwölf Prozent Krimtataren. Zu den weiteren Bevölkerungsgruppen gehören unter anderem Krimdeutsche, Weißrussen und Polen. Die Amtssprache ist Ukrainisch. Russisch und Krimtatarisch sind anerkannte Sprachen. In einer Volkszählung gaben 2001 fast 80 Prozent der Bevölkerung Russisch als Muttersprache an.

Strategische Bedeutung

Strategisch ist die Krim von besonderer Bedeutung, weil in Sewastopol die russische Schwarzmeerflotte stationiert ist. 1997 handelten Russland und die Ukraine einen Freundschaftsvertrag aus, der die Stationierung der russischen Flotte bis 2017 festschrieb. Der Pachtvertrag wurde im Jahr 2010 bis 2042 verlängert.

Wirtschaft

Wichtige Wirtschaftszweige sind die Landwirtschaft, chemische und petrochemische Industrie, Schwerindustrie und der Tourismus.

Doch kann man einfach einen Schalter umstellen und die Zeiger machen einen Satz nach vorn? „Nein“, sagt Ekkehard Peik von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig, „da gibt es etliche Schwierigkeiten.“ In jedem Land gibt es ein Zeitlabor, das die aktuelle Zeit an alle Funkuhren ausstrahlt. Auf der Krim müsste folglich vom ukrainischen auf das russische Institut umgestellt werden. Das allein würde aber nicht reichen: Weil viele IT-Netzwerke keine Zeitzonenregelung haben, würden sie sich weiter nach Kiewer Zeitrechnung richten.

Wie schnell die Bahnhöfe und Flughäfen auf der Krim ihre Pläne umstellen könnten, ist ebenfalls unklar. Die internationalen Gesandten auf der Halbinsel jedenfalls waren erstaunt, als sie auf die Uhren vieler Bewaffneten blickten: Die gingen nämlich nach Moskauer Zeit.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×