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18.09.2014

13:20 Uhr

Referendum

Lottomillionen für Schottlands Separatisten

VonMartin Pirkl

Die Unabhängigkeits-Gegner haben die Harry-Potter-Autorin, die schottischen Separatisten haben das Ehepaar Weir: Ihr Lotto-Millionen-Gewinn soll Schottland die Unabhängigkeit bringen. Doch reicht das?

Plötzlicher Reichtum: Das Ehepaar Colin und Christine Weir gewann 200 Millionen Euro im Lotto. Mit einem Teil des Geldes unterstützen sie die schottischen Separatisten. dpa

Plötzlicher Reichtum: Das Ehepaar Colin und Christine Weir gewann 200 Millionen Euro im Lotto. Mit einem Teil des Geldes unterstützen sie die schottischen Separatisten.

DüsseldorfDer ehemalige Kameramann Colin Weir und seine Frau Christine, pensionierte Krankenschwester, sind die größten finanziellen Unterstützer der Separatisten Schottlands. Sie spendeten mehr als eine Millionen Euro an die „Yes“-Kampagne. Damit stammen zwei Drittel aller Spenden für die Separatisten von ihnen.

Vor drei Jahren gewann das Ehepaar Weir 161 Millionen Pfund (heute umgerechnet etwa 200 Millionen Euro) im Lotto. Damit knackten sie den größten Jackpot in der Geschichte Europas. Seitdem gehen die beiden nicht mehr arbeiten.

Die Separatisten haben laut Wahlleitung mit 2,3 Millionen Euro ein kleineres Budget als die Gegner der Abspaltung Die Befürworter eines weiterhin geeinten Königreichs konnten 3,4 Millionen Euro an Spenden einsammeln. Ihre größte Unterstützerin ist Harry-Potter-Autorin J. K. Rowling, die ebenfalls mehr als eine Millionen Euro spendete.

Was, wenn die Schotten unabhängig werden?

Wäre ein unabhängiges Schottland Mitglied in der EU?

Dafür gibt es kein Musterbeispiel. Die Regierung in Edinburgh argumentiert, dass sie nach Artikel 48 des Vertrags über die Europäische Union aushandeln könnte, ab März 2016 übergangslos ein selbstständiges Mitglied zu sein. London hält dagegen: Schottland müsse sich neu bewerben, wie es Artikel 49 vorsieht. So sieht es wohl auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Im Februar sagte er, ein EU-Beitritt werde „sehr schwierig, wenn nicht unmöglich“ für Schottland, weil alle Mitglieder zustimmen müssen – auch die Briten.

Rest-Britannien bliebe also EU-Mitglied?

Erst mal schon, das Referendum ändert daran nichts. Aber es könnte trotzdem den Austritt der Briten aus der Union bewirken. Denn die Schotten sind im Vergleich zu den Engländern ziemlich EU-freundlich. Sollte es 2017 eine Volksabstimmung der Briten über ihre EU-Mitgliedschaft geben, wie David Cameron das in Aussicht stellt, dann würden den Pro-Europäern die schottischen Stimmen fehlen.

Gäbe es für Europa sonst noch Folgen?

Aus verschiedenen Ecken Europas schauen Bevölkerungsgruppen gespannt nach Edinburgh, die selbst gern unabhängig wären – etwa die Katalanen in Spanien oder die Korsen in Frankreich. Nationalbewegungen könnten ordentlich Auftrieb bekommen, wenn die Schotten „Yes“ sagen zur Unabhängigkeit. Auch die Republikaner in Nordirland könnten ein Referendum fordern über die Vereinigung mit Irland. Möglich wäre sogar, dass im Nordirland-Konflikt wieder Gewalt ausbricht.

Würden die Schotten mit dem Euro bezahlen?

Das müssten sie eigentlich früher oder später, wenn sie EU-Mitglied werden. Nur für Großbritannien und Dänemark gilt offiziell eine Ausnahme. Regierungschef Alex Salmond besteht aber darauf, dass Schottland ein Recht auf das britische Pfund hat und andernfalls auch keinen Anteil der britischen Staatsschulden übernehmen würde. Die drei großen Parteien in London – Konservative, Labour und Liberale – haben einmütig erklärt, ihr Pfund nicht mit den Nachbarn teilen zu wollen. Eigene Pfundnoten dürfen drei Banken in Schottland bereits jetzt drucken. Wie viele, bestimmt aber die englische Notenbank.

Was passiert mit den britischen Atomwaffen in Schottland?

Mit Atomraketen ausgestattete U-Boote liegen in der Mündung des Flusses Clyde, nordwestlich von Glasgow. Sie haben in Schottland nichts zu suchen, findet die Regierung in Edinburgh. Einige Experten halten die Suche nach einem neuen Standort in England oder Wales und einen extrem teuren Umzug zwar für möglich. Andere sehen aber das Ende von Großbritannien als Atommacht heraufziehen. Das britische Verteidigungsministerium hat offiziell keine Pläne in der Schublade. Schottland will gern Nato-Mitglied werden – aber ohne Atomwaffen.

Wem würde das britische Öl in der Nordsee gehören?

Zu rund 90 Prozent den Schotten. Sie wollen aus den Steuereinnahmen einen Öl-Fonds speisen, der kommenden Generationen zugutekommen soll. Wie lange die Öl- und Gasvorräte in der Nordsee noch vorhalten, ist umstritten. Die Energieriesen BP und Shell sähen es lieber, wenn Schottland mit Rest-Britannien vereint bliebe.

Und was ist mit der Queen?

Ihre Königin wollen die Schotten nicht loswerden. Das unabhängige Schottland soll eine konstitutionelle Monarchie mit Elizabeth II. als Staatsoberhaupt werden – so wie zum Beispiel Kanada.

Die Unterstützung der Separatisten durch das Ehepaar Weir kommt nicht von ungefähr. Colin Weir ist schottischer Nationalist, Mitglied der Schottischen Nationalpartei (SNP) und kennt den schottischen Ministerpräsidenten Alex Salmond durch seine Arbeit als Kameramann bei einem Fernsehsender. Als Salmond sich bei Weir per Brief meldete und um finanzielle Unterstützung bat, fiel Weir die Entscheidung nicht schwer.

Weir schreibt in einem Brief an die Zeitung „Scotsman“, er wurde nicht zu der Spende gedrängt. Er unterstütze die Separatisten, um eine Debatte über die Unabhängigkeit Schottlands zu ermöglichen.

Neben der „Yes“-Kampagne unterstützt das Ehepaar finanziell auch junge Sportler und Sportvereine. Außerdem spendeten sie mehr als eine Millionen Euro an Schottland. Ihren Kindern kauften sie eigene Häuser und neue Autos und sich selbst eine Villa in der Nähe Londons.

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Kommentare (2)

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Herr Ylander Ylander

18.09.2014, 13:58 Uhr

Und der Rest des Geldes wurde verfuttert.

Herr Paul Müller

18.09.2014, 14:08 Uhr

Harry Potter - wer schämt sich noch, dazu mal im Kino gewesen zu sein?

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