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20.05.2011

17:05 Uhr

Reform-Rede

„Griechenland droht der Sturz in den Abgrund“

Mit einer wortgewaltigen Rede verteidigt Griechenlands Finanzminister Papakonstantinou die Sparmaßnahmen der Regierung. Ohne harte Reformen drohe ein Absturz. Unterstützung erhält er von Bundesbank-Präsident Weidmann.

Griechenlands Finanzminister Papakonstantinou warnt davor, vom Sparkurs abzuweichen. Quelle: dpa

Griechenlands Finanzminister Papakonstantinou warnt davor, vom Sparkurs abzuweichen.

Athen/FrankfurtSchuldensünder Griechenland läuft die Zeit davon. „Es muss alles jetzt gemacht werden“, sagte am Freitag der griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou im griechischen Parlament. Wenn alle nötigen Reformen nicht sofort in die Tat umgesetzt würden, drohe dem Land der Sturz in den Abgrund.

Wer glaube, dass das Land ohne schmerzhafte Maßnahmen gerettet werden kann, der irre sich. „Das Land kann sich nicht ewig Geld leihen“, fügte Papakonstantinou hinzu. Seine Rede wurde vom Fernsehen übertragen. 

Auch für Bundesbank-Präsident Jens Weidmann stehen die Griechen vor harten Reformen. Er warnt vor einer Verlängerung der Laufzeiten griechischer Staatsanleihen. laut Redetext in Hamburg. „Die Tragfähigkeit der Staatsfinanzen würde sich kaum ändern“, erklärte Weidmann. „Zudem würden die Gefahren einer Ansteckung anderer Länder deutlich steigen“, warnte er. Kritiker befürchten, dass eine „weiche“ Umschuldung Griechenlands ähnliche Begehren nach Hilfe bei anderen kriselnden Euro-Staaten wie Irland und Portugal wecken könnte.

Wie eine Umschuldung Griechenlands aussehen könnte

Haircut

Die griechische Regierung erklärt sich für zahlungsunfähig und handelt mit ihren Gläubigern einen Forderungsverzicht (Haircut) aus. Für die Geldgeber kann das sehr teuer werden: Bei den vom Internationalen Währungsfonds (IWF) untersuchten Staatspleiten zwischen 1998 und 2005 musste sie zwischen 13 Prozent (Uruguay) und 73 Prozent (Argentinien) ihres Investments abschreiben. Griechenland könnte seine Schuldenlast von mehr als 340 Milliarden Euro auf diese Weise zwar mit einem Schlag deutlich reduzieren, würde aber seine Kreditwürdigkeit am Finanzmarkt auf Jahre verspielen und sich den Zugang zu frischem Geld verbauen. Auch andere Sorgenkinder wie Irland und Portugal würden dann noch größere Probleme haben, sich neues Geld am Markt zu leihen. Ein weiteres Problem: Die Gläubiger sind vor allem Banken aus Griechenland und anderen Euro-Ländern, denen milliardenschwere Verluste drohten, was wiederum eine neue Finanzkrise auslösen könnte.

"Sanfte Umschuldung"

Eine mildere Form der Umschuldung wäre eine längere Laufzeit der vom IWF und der Europäischen Union gewährten Kredite von 110 Milliarden Euro - verbunden womöglich mit einer erneuten Senkung des Zinssatzes, den Griechenland für die Hilfen zahlen muss.Eurogruppen-Chef Juncker will auch die privaten Gläubiger mit ins Boot holen. Dem Krisenland soll so mehr Zeit eingeräumt werden, seine Schulden zurückzuzahlen und sein Sparprogramm umzusetzen. „Reprofiling“ nennt Jucker das. Ob private Gläubiger dazu gebracht werden sollen, Griechenland eine Atempause zu gewähren und dabei auf Geld zu verzichten, ist offen. Die Commerzbank rechnet nur dann mit einem Erfolg, wenn den Anlegern dafür Rückzahlungsgarantien ausgestellt werden. Das Problem: Die über Jahre angehäuften Staatsschulden müssten auf einen Schlag mit Garantien unterlegt werden - für die am Ende die Steuerzahler in anderen Ländern haften müssen.

Brady-Bonds

Diese Lösung hat in den achtziger Jahren Schule gemacht. Der damalige US-Finanzminister Nicholas Brady handelte einen nach ihm benannten Plan aus, der etliche lateinamerikanische Staaten vor der Pleite rettete. Übertragen auf Griechenland würde er wie folgt funktionieren: Banken und andere private Gläubiger tauschen die riskanten griechischen Staatsanleihen zum Marktpreis gegen Papiere ein, die von der Euro-Zone mit einer Garantie versehen werden. Die Gläubiger müssten damit auf einen Teil ihrer Ansprüche verzichten, denn am Markt werden die griechischen Bonds wegen des hohen Ausfallrisikos derzeit mit großen Abschlägen zum Ausgabepreis gehandelt - bei zehnjährigen Bonds sind es fast 40 Prozent. Der Vorteil: Die neuen Papiere sind gesichert, die Gläubiger haben damit Planungssicherheit. Griechenland würde auf diese Weise seine Schuldenlast drücken.

Längere Laufzeiten

Eine mildere Form der Umschuldung wäre eine längere Laufzeit der vom IWF und der Europäischen Union gewährten Kredite von 110 Milliarden Dollar - verbunden womöglich mit einer erneuten Absenkung des Zinssatzes, den Griechenland für die Hilfen zahlen muss. Nach einem Bericht des „Wall Street Journals“ hält der IWF die Schuldenlast für Griechenland intern für untragbar und soll daher eine Laufzeitverlängerung der Finanzhilfen auf bis zu 30 Jahre erwägen. Der IWF dementierte dies allerdings.

Pariser Club

Die Experten der Großbank UniCredit halten auf mittlere Sicht Verhandlungen zwischen Griechenland und dem Pariser Club für wahrscheinlich. Ihr Argument: Durch bilaterale Kredite und den Ankauf griechischer Anleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) wird der Anteil der öffentlichen Gläubiger an den Verbindlichkeiten Griechenlands auf mindestens 40 Prozent steigen. Im Pariser Club haben sich 1956 die wichtigsten Gläubigerstaaten zusammengeschlossen und seither 421 Umschuldungsabkommen mit 88 Staaten - von Afghanistan bis Vietnam - im Wert von 553 Milliarden Dollar getroffen. Von 1985 und 1993 stand dem Pariser Club ein Mann vor, der auch in der Schuldenkrise eine zentrale Rolle spielt: EZB-Präsident Jean-Claude Trichet.

Nach monatelangen Spekulationen über eine nahende Umschuldung wird seit kurzem erstmals offiziell über eine mögliche Umstrukturierung des gigantischen griechischen Schuldenberges gesprochen. Der Vorsitzende der Eurogruppe, Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker, hatte eine „sanfte“ Umschuldung nicht mehr ausgeschlossen. Dazu können laut Experten Laufzeitverlängerungen für Kredite oder die Ermäßigung von Zinsen gehören.

Am Donnerstag hatte der ehemalige Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Lucas Papademos, die Regierung in Athen informiert, das Klima in der EU-Metropole Brüssel und am EZB-Sitz Frankfurt habe sich geändert; die Geduld der anderen Europäer sei am Ende. Grund: Die Reformen in Griechenland werden nicht vorangetrieben. Papademos ist heute Berater des griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou.

Papandreou will kommende Woche die Eckpunkte eines neuen noch schärferen Sparprogramms bekanntgegeben. „Der Kampf mit der Krise ist voll entbrannt“, sagte Papandreou am Freitag. Mit diesem sollen 50 Milliarden Euro bis 2015 vom Verkauf staatlicher Immobilien und Privatisierung gefunden werden. Zudem sollen durch weitere Steuereinnahmen 26 Milliarden in die Staatskassen in den kommenden zwei Jahren fließen.

Weidmann sieht die Euro-Zone insgesamt am Scheideweg: „Die künftige Rolle der europäischen Währungsunion wird davon abhängen, wie mit dieser Situation umgegangen wird“, sagte er mit Blick auf Griechenland. Es bestehe aber „kein Zweifel, dass es zuerst und vor allem Aufgabe Griechenlands selbst“ sei, geeignete zusätzliche Schritte zu ergreifen, sollten die bereits eingeleiteten Reformen nicht ausreichen. Der von Athen eingeschlagene Sparkurs sei hart, aber unerlässlich, um Vertrauen wieder herzustellen.

Von

dpa

Kommentare (10)

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Rebell

20.05.2011, 17:53 Uhr

Das giechische und portugiesische Volk wird sich NIEMALS zum Prekariat und Billiglohnstandort der Brüsseler Eurokraten machen lassen - NIEMALS! Eher werden Griechen und Portugiesen EU-Rebellen, als sich diesem Sparzwang-Diktat zu unterwerfen. Das was hier gerade stattfindet, ist die Annektierung Griechenlands ohne Krieg, sondern durch (T)Euros und Zinsen.

Nepumuk

20.05.2011, 17:57 Uhr

Alles in Ordnung im Euroland...

Griechische ANleihen verbleiben bei 25% (2 Jährige)

Die Ratingagentur Fitch hat Griechenland einene weiteren Schritt herabgestuft und shcon mal klargestellt das auch eine weiche Umschuldung/ Reprofiling als Ausfall gewertet werden wird.

Französiche habe heute in der Spitze um 14.5% zugelegt.

Weiterhinn haben Italienische 1% und Spanische 4% zugelegt. Auch hier sind die 2 Jährigen gemeint

Der Euro hatte zwischenzeitlich 2 Cent verloren und das Gold, welches man ja bekanntlich nicht essen kann, um 25$ zugelegt.

Aber in Brüssel wird weiter um neue Wortkreationen gerungen.
Sonst müsste man sich ja mal nach einer wirklich Problemlösung wie 70-80% Haircut und austritt aus dem Euro umsehen.

Schönes Wochenende

Account gelöscht!

20.05.2011, 18:02 Uhr

Der Artikel ist kurz,.präzise und prägnant. Eine hervorragende Arbeit.

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