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28.01.2011

10:54 Uhr

Reform

Spanier künftig später in Rente

VonAnne Grüttner

In Spanien wird man bald erst mit 67 in den Ruhestand gehen. Pünktlich zum angekündigten Zeitpunkt bekommt Zapatero seine umstrittene Reform über die Ziellinie und setzt den nächsten Meilenstein im Wirken gegen die Schuldenkrise.

Spaniens Ministerpräsident Zapareto legt pünktlich Gesetzentwurf vor. Quelle: Reuters

Spaniens Ministerpräsident Zapareto legt pünktlich Gesetzentwurf vor.

MADRID. Die Sozialpartner in Spanien haben sich über die Rentenreform geeinigt. Das gab das Arbeitsministerium gestern bekannt. Somit wird Premier José Luis Rodríguez Zapatero wie vor einigen Wochen versprochen pünktlich ein Gesetzesprojekt vorlegen können. Die Rentenreform ist neben der Reform des Arbeitsmarktes, die schon größtenteils abgeschlossen ist, ein wichtiger Bestandteil von Zapateros Agenda gegen die Schuldenkrise. Der Regierungschef will so Investoren davon überzeugen, dass es das Land mit dem Sparen ernst meint.

Zwar wurde der Inhalt des Rentenkompromisses noch nicht offiziell vorgestellt. Den Informationen zufolge, die schon an die spanische Presse durchsickerten, wird das Pensionsalter von derzeit 65 Jahren auf 67 Jahre erhöht. Die Höhe der Rente wird in Zukunft auf Basis der letzten 25 Berufsjahre berechnet. Bisher lagen den Kalkulationen die letzten 15 Arbeitsjahre zugrunde.

Premier muss Investoren überzeugen

Von der Rente mit 67 gibt es allerdings einige Ausnahmen. So können solche Arbeiter, die mindestens 38,5 Jahre lang in die Rentenkasse eingezahlt haben, weiterhin mit 65 Jahren in Rente gehen und trotzdem den vollen Rentensatz erhalten. Die Spanier, die jetzt in Rente gehen, haben in der Regel sehr früh angefangen zu arbeiten. Zwei Drittel von ihnen haben 35 Jahre oder mehr in die Rentenkassen eingezahlt. Schwerer wird die Reform den heute Jungen fallen: In Spanien sind derzeit 40 Prozent der unter 25-Jährigen arbeitslos gemeldet, viele haben nur eine schlechte oder gar keine Ausbildung und entsprechend schlechte Berufsaussichten.

Die Regierung hatte ursprünglich gefordert, dass die Verrentung mit 65 erst nach 41 Jahren Beitragszahlung möglich sein solle, musste aber nachgeben, um die Zustimmung der Gewerkschaften zu bekommen. Derzeit müssen Rentner 35 Jahre lang eingezahlt haben, um in den Genuss der kompletten Rente zu kommen. Um überhaupt einen Rentenanspruch zu bekommen, müssen sie mindestens 15 Jahre lang gezahlt haben, daran wird sich durch das Gesetz nichts ändern. Eine Frühverrentung ist künftig ab 63 statt ab 61 Jahren möglich.

Die größte Oppositionspartei PP hatte bereits signalisiert, die Reform unterstützen zu wollen.

Zwar wird die Reform erst ab 2015 die Staatskassen entlasten. Doch mittelfristig ist eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit in Spanien sehr wichtig, um die Finanzen auf stabilere Beine zu stellen. Zwar hat die hohe Zuwanderung während des spanischen Immobilienbooms in der letzten Dekade dafür gesorgt, dass der Anteil der Erwerbstätigen in Spanien mit knapp 70 Prozent höher ist als etwa in Deutschland oder anderen Industriestaaten. Doch ab jetzt schrumpft der Anteil der Erwerbstägigen und wird bis 2050 wohl auf etwa 53 Prozent sinken – niedriger als die entsprechende Schätzung für Deutschland.

Kommentare (1)

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Peter Scholz

28.01.2011, 17:39 Uhr

Toll, die Spanier haben 20% Arbeitslosigkeit und erhöhen die nun durch ein späteres Renteneinstiegsalter. Das können wir uns nicht gefallen lassen. Wir erhöhen auf 70! Wir können auch 80 oder gar 100. 100? Da lohnt sich die Rentenkasse nicht mehr und wird abgeschafft. Keine Rentenbeiträge mehr; was für ein Fortschritt. Und wenn dann doch noch einer älter wird? Dann kommt er ins Museum oder wird Ausstellungsstück beim Wanderzirkus.
Ob das ein Rezept ist? Nein, es ist Satire.
Rente mit 60 ist viel realitätsnäher. Auch wenn es keiner glaubt.

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