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17.10.2013

18:32 Uhr

Reformcheck Krisenländer (Teil 3)

Wachstumsstar – für ein Quartal

VonAnne Grüttner

Drei Jahre steckte Portugals Wirtschaft tief in der Rezession. Doch nun zeichnen sich erste Erfolge der Reformpolitik ab. Das Fazit fällt positiv aus – auch wenn das Land noch einige Hausaufgaben nicht erledigt hat.

Hat Portugal, das in den vergangenen Jahren als eines der größten Sorgenkinder der Eurozone galt, die Rezession schon überwunden? dpa

Hat Portugal, das in den vergangenen Jahren als eines der größten Sorgenkinder der Eurozone galt, die Rezession schon überwunden?

Portugal ist der Wachstumsstar in der Euro-Zone – zumindest im zweiten Quartal 2013. Das kleine iberische Land stellte mit einer Wachstumsrate von 1,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal selbst Deutschland (+ 0,7 Prozent) in den Schatten. Verantwortlich dafür waren vor allem robuste Exportzahlen.

„Portugals Exporte weisen eine positive Tendenz auf“, schreibt ein Team um den Analysten David Owen von Jefferies International. Vor allem die Ausfuhren in Nicht-EU-Länder seien gewachsen. Hinzu kommen ein geringerer Rückgang der Investitionen und saisonbedingte Faktoren. In diesem Jahr fiel zum Beispiel das für die Tourismusbranche entscheidende Osterfest ins zweite Quartal. All das trug zum starken Wachstum bei.

Hat Portugal, das noch im Sommer mit einer schweren politischen Krise in die Schlagzeilen geraten war, und über die vergangenen Jahre als eines der größten Sorgenkinder der Euro-Zone galt, die Rezession also schon überwunden?

Die weltweit besten Industriestandorte

Platz 1

Die USA behaupten sich im IQ-Index auf dem ersten Rang. Dort waren die Vereinigten Staaten bereits 1995 zu finden.

Platz 2

Im Vergleich von 45 Industrienationen belegt Schweden den zweiten Rang. Seit 1995 hat sich Schweden damit um zwei Plätze verbessert.

Platz 3

Dänemark macht zwei Plätze gut und springt auf Rang 3. Skandinavien macht derzeit wirtschaftlich eine gute Figur.

Platz 4

Auch Deutschlands Nachbar Schweiz schafft es auf einen der vorderen Plätze – 1995 stand die Alpenrepublik noch auf Rang 7.

Platz 5

Deutschland macht den größten Sprung bei den Top-Industrienationen. 1995 sah das IW-Institut die Bundesrepublik noch auf Platz 14.

Platz 6

Knapp hinter Deutschland folgt Australien auf Platz 6 – sogar mit dem gleichen Indexwert aus den 58 einzelnen Kategorien.

Platz 7

Platz 7 geht an die Niederlande – damit verschlechtert sich unser Nachbar deutlich. Die Holländer lagen 1995 noch an zweiter Stelle des IW-Rankings.

Platz 8

Auch Kanada muss einen Rückschlag hinnehmen. Der nordische Nachbar der USA stürzt um satte fünf Plätze ab.

Selbst der portugiesische Minister für Präsidentschafts- und Parlamentsangelegenheiten, Luís Marques Guedes, will die positiven Wachstumszahlen des zweiten Quartals nicht überbewerten. Sie seien „mit Vorsicht zu betrachten”, sagt er. „Wir müssen weiter hart arbeiten, damit diese Ergebnisse sich konsolidieren und damit 2014 das Jahr der wirtschaftlichen Stabilisierung wird“, so Marques Guedes.

Der Aufschwung „wird langsam sein“, warnen auch Experten wie die Analystin Teresa Gil Pinheiro von der portugiesischen Bank BPI. Bisher hat vor allem der Privatsektor einen beeindruckenden Anpassungsprozess vollzogen – hin zu einer mehr exportorientierten, weniger verschuldeten Volkswirtschaft. „Der Unternehmenssektor ist nicht länger in einem großen Defizit“, meinen die Analysten von Jefferies. Allerdings sei das staatliche Defizit nach wie vor relativ groß.

Immerhin, im letzten Quartalsbericht der Troika aus EU-Kommission, IWF und EZB war eine Trendwende zu beobachten: Hatte die Troika über die vergangenen zwei Jahre praktisch Quartal für Quartal ihre bisherigen Konjunkturprognosen nach unten korrigieren müssen, so wurden im jüngsten Bericht von Anfang Oktober erstmals die Wachstumserwartungen deutlich nach oben aktualisiert: „Wir erwarten jetzt, dass die Wirtschaft 2013 um 1,8 Prozent schrumpft, eine Korrektion um 0,5 Prozentpunkte nach oben, bevor sie dann 2014 um 0,8 Prozent wächst“, heißt es vom IWF.

Kommentare (4)

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quiek

17.10.2013, 19:02 Uhr

Ja klar.
Europa hat von China gelernt, seine Bilanzen zu frisieren.
Fragt mal die unteren Etagen, wie's in den oberen aussieht. Dilettantismus überschattet das Stümpertum.
Die Presse glaubt wirklich alles.

Wachstumsstar

17.10.2013, 21:43 Uhr

Ich frage mich warum ich mir die Lektüre des Handelsblatts überhaupt noch antue.

Seit nunmehr mehreren Jahren hat sich der Eindruck verfestigt, dass die hier propagierten "Jubelmeldungen" unter strenger redaktioneller Aufsicht ausgewählt, platziert und forciert werden.

Ganz wie von oben gewünscht und im Stile einer aktuellen Kamera oder der tönenden Wochenschau.

Wer's glaubt wird seelig. Nur nimmt Euch diese Form der "Berichterstattung" niemand mehr ab.

Traumschau

17.10.2013, 22:38 Uhr

Da auch von "Hausaufgaben" die Rede ist:
Wie wäre es denn, wenn Redakteure erst ihre Hausaufgaben machen, bevor sie einen solchen Unsinn in die Welt setzen. Es ist nicht zu glauben, wie gründlich die neoliberale Gehirnwäsche wirkt! Die einfachsten volkswirtschaftlichen Zusammenhänge UND die empirischen Befunde werden einfach mal so nebenbei beerdigt! Aber okay, macht was ihr meint machen und schreiben zu müssen. Das Resultat wird ein Zerbrechen der Eurozone sein, und das unkontrolliert - ohne jeden Zweifel!

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