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25.01.2010

16:11 Uhr

Reformen nötig

Ukraine muss sich vor möglicher Pleite retten

VonThomas Wiede

Wer auch immer die Stichwahl in der Ukraine gewinnen wird, eines ist schon jetzt klar: Der oder die Neue hat eine wirtschaftliche Herkules-Aufgabe zu bewältigen, denn die Ukraine bleibt nach Ansicht von Experten weiterhin das Sorgenkind in Osteuropa. Das Land muss sich vor einem möglichen Staatsbankrott retten.

Verkaufsstand in Kiew: Wie es mit dem Land weitergeht, wird sich nach der Stichwahl im Februar zeigen. ap

Verkaufsstand in Kiew: Wie es mit dem Land weitergeht, wird sich nach der Stichwahl im Februar zeigen.

MOSKAU. "Die Schöne und das Biest" - so bezeichnen ukrainische Fernsehsender derzeit scherzhaft den Zweikampf um das Präsidentenamt in Europas zweitgrößtem Flächenstaat. Am 7. Februar wird in einer Stichwahl zwischen der charismatischen Ministerpräsidentin Julia Timoschenko und dem Oppositionsführer Viktor Janukowitsch entschieden, wer in den Präsidentensitz in Kiew einziehen kann. Klar ist jetzt schon: Die Ukraine bleibt das Sorgenkind in Osteuropa - davon sind Experten überzeugt.

Die Regierungsperspektive sei nicht klar, sowohl in Bezug auf die generelle Wirtschaftspolitik als auch den Bankensektor, meint zum Beispiel EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny. Dennoch: "Sobald wir eine verlässliche Strategie vom öffentlichen Sektor haben, besteht die Möglichkeit gut mit dem Internationalen Währungsfonds und anderen Instituten zu kooperieren", so der EZB-Manager. Nur bisher hat sich die ukrainische Politelite vor allem durch unbezahlbare Wahlkampfparolen hervorgetan.

Wie sie das Land vor einem möglichen Staatsbankrott retten und reformieren wollen, haben die Präsidentenanwärter nicht erklärt. Mehr als eine Ankündigung, er werde "die Krise bekämpfen und Wachstum zurückholen", war von Janukowitsch, dem Gewinner des ersten Wahlgangs noch nicht zu hören.

In den vergangenen vier Jahren hatten sich die ukrainischen Politiker dank des weltweiten Appetits auf Rohstoffe und Metall kaum Gedanken um Reformen machen müssen, die Wirtschaft lief wie von selbst. Die Krise hat das Land dafür besonders hart erwischt. Abziehendes Kapital ist nur ein Problem. Das Kreditgeschäft liegt danieder. Der Mittelstand, der rund ein Drittel zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt, leidet. Selbst wenn die Wirtschaft sich in diesem Jahr leicht erholt, was Analysten glauben, werden die Folgen noch lange spürbar bleiben.

In der noblen Volodymyrska-Straße im Herzen Kiews, wo ausländische Banken ihre Büros haben, ist die Stimmung gedrückt. Mehr als ein Drittel der Kredite, die in den Bilanzen der ukrainischen Banken schlummern, ist nach Schätzungen toxisch. In Ungarn etwa liegt der Wert bei 6,5 Prozent. "Nur die Banken mit ausländischer Beteiligung haben eine Chance, dieses Jahr zu überleben", sagt ein hochrangiger Banker. Viele Investoren haben genug.

Die Ukraine hat seit Monaten keinen Finanzminister. Der Chef der Zentralbank lebt noch in der Planwirtschaft. So glaubt er, dass mittelständische Unternehmen die Wirtschaft destabilisierten. Die großen ausländischen Investoren missachtet er. Weil die Kassen leer sind, erstattet der Staat den Firmen die Mehrwertsteuer nicht zurück und will zudem Vorkasse. "Viele Unternehmen werden so gezwungen, das Land zu verlassen", klagt der Bankmanager.

Kommentare (3)

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aruba

25.01.2010, 18:48 Uhr

Guten Tag,..... Erfahrung mit Pleiten haben die Luchse ja schon. Das blondchen mit den Zoepfen ist in alles verstrickt was der Liebe Gott und der Teufel gemeinsam verboten haben. Jedoch das Volk krepiert an Armut. Es waere besser gewesen Stalin waere im fernen Moskau als diese Nutte vor der Haustuer. besten Dank

CrisisMaven

26.01.2010, 05:04 Uhr

bestimmt gibt es noch ein paar Geheimdienstexperten aus Sowjetzeiten, die koennten doch Dollar faelschen. Damit waere der Ukraine kostenguenstig geholfen, das Vertrauen weltweit gestaerkt und bei zwei billiarden (Tendenz steigend) faellt es keinem auf ...

Alexander Kaufmann

26.01.2010, 11:39 Uhr

Es ist bedauernswert, dass dieses Land, welches großes Potential hätte wirtschaftlich nach vorne zu kommen, von korrupten und ungebildeten Parteifunktionären an den Abgrund manövriert wurde. Geht es so weiter, machen sie einen Schritt weiter und stürzen völlig ab. Das Land bräuchte einen starken Mann wie Putin der es mit harter Hand führt und den Willkürlichkeiten seiner Represäntanten Einhalt gebietet. Gäbe es mehr Verlässlichkeit, stiege das Vertrauen von investoren und banken und es könnte einen Aufschwung geben. Allein mir fehlt der Glaube.

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