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21.06.2011

15:26 Uhr

Reformprogramm

Wie Lettland die Schuldenkrise abschüttelte

VonHelmut Steuer

Die Letten sind den Griechen drei Jahre voraus: Die Balten waren bereits 2008 in die Staatskrise gerutscht. Den Ausweg fanden sie auf einer eher unkonventionellen Route - Riga überwand den Staatsbankrott mit Kreativität.

Lettlands Präsident Valdis Zatlers in Riga. Quelle: dpa

Lettlands Präsident Valdis Zatlers in Riga.

Lohnsenkungen von 30 Prozent, Rentenkürzungen, Schul- und Krankenhausschließungen, Abbau von Tausenden Arbeitsplätzen im öffentlichen Dienst – selten hat ein Land in der EU einen solch drastischen Sparkurs einschlagen müssen wie Lettland. Die globale Finanzkrise forderte 2008 ihr erstes Opfer in Europa, und nur das schnelle Eingreifen des IWF und der EU sowie einiger nordeuropäischer Staaten verhinderten den völligen Kollaps des 2,3-Millionen-Einwohner-Landes.

Leerstehende Geschäfte in der Hauptstadt Riga, versiegelte Neubauten und eine Arbeitslosigkeit von fast 15 Prozent zeugen noch immer von den Folgen des Beinahe-Staatsbankrotts. Und die Leidensfähigkeit der Letten scheint keine Grenzen zu haben. Anders als in Griechenland hat es kaum Proteste gegen den drastischen Sparkurs der lettischen Regierung gegeben. Zwar kam es im Januar 2009 zu einer kleinen Demonstration in Riga, bei der auch Fensterscheiben zu Bruch gingen, doch darüber hinaus blieb es in Lettland ruhig. Keine Demos, keine Proteste, kein Aufbegehren.

Nur mit dem Stimmzettel wurde eine Regierung abgewählt. Die neue unter Premier Valdis Dombrovskis setzte den harten Sparkurs aber unvermindert fort. Er hatte auch keine andere Wahl, ansonsten wären die dringend benötigten Hilfskredite eingefroren worden. Die Mehrheit der Letten unterstützte seinen Sparkurs – und das, obwohl sie selbst am stärksten unter den Kürzungen zu leiden hatten.

Ein Grund dafür war die Offenheit des Premiers: In den schwierigsten Zeiten der Krise trat er nahezu täglich vor die Fernsehkameras und versuchte, den Bürgern die Gründe für die Sparmaßnahmen zu erklären. Das war etwas Neues in der weiterhin von Korruption und Oligarchentum gebeutelten jungen Demokratie und schaffte Vertrauen.

Kommentare (3)

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Nachwuchs

22.06.2011, 11:05 Uhr

Lohnsenkungen von 30% für den normalen Bürger. Und die Politiker? Erhöhungen, massiv für sie?? Arbeitsplatzvernichtung? Bildungsabbau? Dies sind Wundermittel? Mit anderen krassen Worten: Vernichtung der Bürger, da die Politiker vorsätzlich, mit voller Absicht, versagt haben!

hans

22.06.2011, 15:59 Uhr

Balten und Griechen lassen sich nicht vergleichen ! Weder die Situation noch die Charaktere.

Account gelöscht!

23.06.2011, 12:53 Uhr

Es wundert ja nicht, dass die Menschen aus all diesen Ländern lieber in Deutschalnd schwarz arbeiten. Oder auch legal für Dumpinglöhne, das ist immer noch mehr als in ihren eigenen Ländern
Die Völkerwanderung wurde von Rot-Grün eingeleitet.
Hat Schröder gewußt, dass der Euro Scheiße ist?

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