Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.06.2012

12:20 Uhr

Reformprozess

Birma befreit seine Presse

Die Erklärung ist lapidar, dabei handelt es sich um einen wichtigen Schritt von Myanmars Öffnung. Der obere Medienkontrolleur will seine wichtigste Funktion und damit zugleich die Zensur abschaffen.

Zeitungen in Myanmar: Die Zensur soll aufgehoben werden. AFP

Zeitungen in Myanmar: Die Zensur soll aufgehoben werden.

RangunBirmas oberster Medienaufseher Tint Swe will die Zensur in dem südostasiatischen Land in wenigen Wochen abschaffen. „Es wird ab Ende Juni keine Überwachung der Presse und keine Kontrolle von Zeitungen oder Zeitschriften mehr geben“, sagte er in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP. Seine Behörde werde zwar weiter bestehen, jedoch lediglich zur Registrierung neuer Titel und zu Archivierungszwecken. „Wenn das Parlament und die Regierung demokratisch arbeiten, wie könnte es dann weiterhin eine Zensur geben?“, fragte Tint Swe.

Der frühere Militärangehörige leitet die birmanische Zensurbehörde in Rangun seit rund sieben Jahren. „Er hatte eine der schlimmsten Aufgaben in Birma“, sagte ein Vertreter einer in der Metropole erscheinenden Wochenzeitung. „Minister, Beamte und Geschäftsleute drängten ihn zur Unterdrückung der Medien, und die Journalisten wirkten entgegengesetzt auf ihn ein“, fügte er hinzu.

Nachdem Birma jahrzehntelang von einer Militärjunta regiert worden war, ist seit rund einem Jahr eine formal zivile Regierung unter Präsident Thein Sein im Amt. Im Zuge der Öffnung des Landes wurde auch Oppositionschefin Aung San Suu Kyi aus jahrelangem Hausarrest freigelassen. Bei Nachwahlen zog sie mit ihrer Partei Nationale Liga für Demokratie erstmals ins birmanische Parlament ein.

„Der politische Kontext und die Menschen sind nun freier, und wir bei der Zensur hatten alle Mühe, uns anzupassen“, gab Tint Swe zu. Die Zeit seit dem Beginn der Öffnung Birmas bezeichnete er als „sensibel“. Im März hatte es ein Gericht abgelehnt, eine Zeitung nach einem Bericht über Korruption in der Regierung zur Nennung von Informanten zu verpflichten.

Seit Monaten wird in Birma an einem neuen Mediengesetz gearbeitet, das die Pressefreiheit sichern soll. Es könnte im Juli verabschiedet werden und sieht auch einen sogenannten Medienrat vor. Zu Gerüchten, dieses Gremium könne eine neue Zensurstelle sein, sagte Tint Swe: „Das ist falsch.“ Der Rat solle vielmehr als Vermittler zwischen der Medienbranche und der Regierung fungieren.

Von

afp

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×