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05.11.2016

12:39 Uhr

Regeln des IS – vom Bart bis zur Sklavin

Die Bürokratie des Terrors

Almosen, Bartlänge, Haltung von Sklavinnen: Das Regelwerk der IS-Anhänger ist so vielseitig wie grausam. Zurückgelassene Unterlagen offenbaren den Schrecken, den die Terroristen über die besetzten Gebiete gebracht haben.

Rund um Mossul haben sich die irakischen Soldaten vorgekämpft. Doch der IS hat in ihren Dörfern Spuren hinterlassen. dpa

Irakische Soldaten

Rund um Mossul haben sich die irakischen Soldaten vorgekämpft. Doch der IS hat in ihren Dörfern Spuren hinterlassen.

Dorf für Dorf haben sich die irakischen Soldaten und Milizionäre in den vergangenen Wochen rund um die irakische Großstadt Mossul vorgekämpft. Immer weiter ziehen sich Anhänger der Extremistenmiliz Islamischer Staat zurück. Dabei hinterlassen sie in eroberten Dörfern Unterlagen und Plakate, die einen Einblick in ihr strenges und umfassendes Regelwerk erlauben. Von der richtigen Bartlänge, über die Gabe von Almosen bis zur Behandlung von Sklavinnen: Die radikalen Islamisten haben viele Lebensbereiche bis ins Detail geregelt.

Die Dokumente fanden Reuters-Reporter in Büros vor, die bis vor wenigen Tagen von IS-Anhängern genutzt wurden. Zwar konnte die Echtheit nicht bestätigt werden, doch Mitglieder der irakischen Streitkräfte erklärten, diese seien authentisch. Wer unter der IS-Herrschaft gegen die Regeln verstieß, wurde Dorfbewohnern zufolge bestraft: Dies reichte vom öffentlichen Auspeitschen bis zur Hinrichtung in Mossul, wo der IS vor gut zwei Jahren sein Kalifat ausgerufen hatte.

Die vielen Namen der Extremistenmiliz IS

Isil

Die Abkürzung steht für „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ und ist vor allem im Englischen noch häufig zu hören. Sie kommt der Übersetzung des arabischen Namens recht nahe. Dort ist vom Islamischen Staat im Irak und „al-Scham“ die Rede, also Großsyrien unter den Omajaden und später den Abbasiden.

Isis

Die Kurzform von „Islamischer Staat im Irak und Syrien“.

Isig

Diese Abkürzung benutzt die Bundesanwaltschaft in ihren Pressemitteilungen. Sie steht für den „Islamischen Staat im Irak und Großsyrien“.

IS

So nennt sich die Organisation selbst seit der Ausrufung ihres Kalifats 2014. Die Abkürzung steht für „Islamischer Staat“. Kritiker lehnen diese Bezeichnung ab, weil sie den Anspruch der Miliz untermauere, einen echten Staat – und noch dazu einen islamischen – geschaffen zu haben. Manche sprechen deshalb vom „sogenannten Islamischen Staat“.

Daesch oder Daisch

Als Alternative ist in den vergangenen Monaten vermehrt die Bezeichnung Daesch oder Daisch in Mode gekommen. Dies ist die arabische Abkürzung für die Bezeichnung „Islamischer Staat im Irak und al-Scham“ (Al Daula al-Islamija fi al-Irak wa al-Scham). In den Ohren von Muttersprachlern klingt sie despektierlich, der IS selbst lehnt sie ab. Das ist ein Grund mehr für Gegner der Extremisten, sie zu verwenden.

Die Extremisten ordneten etwa auf einer Karte in der Größe eines Portemonnaies an, wie die Bewohner richtig zu beten haben und wie die Füße dafür gewaschen werden sollen. Almosen – die im Islam vorgeschrieben sind – werden in einem fünfseitigen Heft erklärt, auf dem Goldarmbänder, Diamantringe und Getreide abgebildet sind. Wer sind sich nicht daran hält, muss mit Strafen rechnen.

Im Dorf Schura, wo kürzlich sieben Selbstmordattentäter beim Sturm auf die Armee erschossen wurden, führten die Extremisten penibel genau auf, wer wie viele Almosen abgeliefert hat. In den Einträgen wurde auch vermerkt, ob ein Bewohner Gold, Immobilien oder Autos besitzt. Zudem wurden die Monatsgehälter notiert.

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