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06.01.2005

07:04 Uhr

Regierung in Kairo verbessert gesetzliche Rahmenbedingungen für Investitionen

Ägypten lockt mit Aufbruchstimmung

VonAndrea Nüsse (Handelsblatt)

Am Nil herrscht nach Jahren der Flaute wirtschaftliche Aufbruchstimmung. Verbreitet wird sie von einer neuen Minister-Troika: Youssef Butros Ghali im Ressort Finanzen, Rashid Mohammed Rashid, Minister des zusammengelegten Industrie- und Außenhandelsministeriums und Mahmoud Mohieddi, Chef des neu geschaffenen Investitionsministeriums. Drei praxiserfahrene Technokraten, die im Zuge der Regierungsumbildung vom Juli 2004 ans Ruder kamen.

KAIRO. Mit ihnen wurde ein Generationswechsel eingeleitet: Investitionsminister Mohieddin ist mit 38 Jahren der jüngste Minister in der Geschichte Ägyptens. Das erklärte Ziel der Troika ist es, das Vertrauen der Wirtschaft zurückzugewinnen und Investitionen ins Land zu ziehen. Hinzu kommt ein leichter wirtschaftlicher Aufschwung im Finanzjahr 2003/04, bei dem erstmals seit fünf Jahren wieder reale Wachstumsraten des Bruttoinlandsproduktes zu verzeichnen sind: 3,7 Prozent nach Schätzungen der Weltbank, 4,4 Prozent nach Angaben der ägyptischen Regierung.

Der Devisennotstand, der den Abschwung 1999/2000 ausgelöst hatte, ist abgemildert: Tourismus, Erdölverkauf sowie der gerade angelaufene Erdgasexport entwickeln sich teilweise rasant. In der Erdgaswirtschaft und der Petrochemie rechnet die Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai) mit Wachstumsraten von 30 bis 50 Prozent in den kommenden Jahren. Der Tourismus, der führende Devisenbringer des Landes, soll von den schätzungsweise acht Millionen Reisenden in 2004 auf zwölf Millionen im Jahr 2010 gesteigert werden. Wachstumsraten von 10 bis 20 Prozent sieht die bfai hier.

Die Regierung hat damit begonnen, die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Investitionen zu verbessern. Zölle wurden teilweise drastisch reduziert, wovon nach Angaben Rashids 80 Prozent aller Industrieunternehmen profitieren sollen. Einher ging eine Vereinfachung der Zollbestimmungen, die für 6500 Produkte gilt. Die Körperschaftsteuer wurde von 40 auf 20 Prozent gesenkt. Eine Reform des Bankensektors soll Mitte 2005 in Kraft treten. Einen neuen Anlauf, die Ansiedlung von Unternehmen zu erleichtern, soll mit der Einrichtung eines „one-stop-shop“ unternommen werden. Innerhalb von zehn Tagen sollen Investoren zukünftig alle Formalitäten für die Niederlassung in Ägypten erledigen können.

Deutsche Unternehmer und Experten in Kairo sind dennoch nur zurückhaltend optimistisch. „Ägypten wird sicher interessanter als Markt, zumindest sektoral gesehen, aber andere Märkte in der Region werden es auch“, meint Peter Göpfrich, der langjährige Vorsitzende der Deutsch-Arabischen Industrie- und Handelskammer. In Dubai brauche ein ausländischer Investor beispielsweise nur neun Stunden im „one-stop-shop“. Man habe in Ägypten nicht begriffen, dass sich andere schneller bewegen.

Dennoch teilt Göpfrich einen vorsichtigen Optimismus. Seiner Ansicht nach wird der Aufbau einer arabischen Freihandelszone ernst genommen, was neue Möglichkeiten für intra-regionalen Handel verspricht. Er schätzt den lokalen Markt des 70-Millionen-Landes auf etwa 15 Millionen Menschen, welche die Mittel-und Oberschicht ausmachen. „Das ist dann immer noch der größte Markt in der arabischen Welt und daher auch für mittelständische ausländische Unternehmen interessant“, meint Göpfrich. Für die bfai sind die Perspektiven für konkrete Geschäfte für deutsche Außenhändler „so gut wie seit 1999 nicht mehr“.

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