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11.03.2004

19:05 Uhr

Regierung rief drei nationale Trauertage aus

Anschlagsserie in Madrid fordert mindestens 190 Tote

Bei den Bombenanschlägen in Madrid sind am Donnerstag mindestens 190 Menschen getötet und über 1400 verletzt worden. Die Bomben waren am Morgen fast zeitgleich in drei Zügen explodiert. Die spanische Regierung machte die baskische Untergrundorganisation ETA dafür verantwortlich.

Die Anschläge haben Spanien ins Mark getroffen. Foto: dpa

Die Anschläge haben Spanien ins Mark getroffen. Foto: dpa

HB MADRID. Die Bomben bestanden aus dem üblicherweise von der ETA benutzten Sprengstoff, wie Innenminister Angel Acebes sagte. Das Terrornetzwerk El Kaida oder andere islamistische Gruppen schloss er trotz der Zweifel einiger Experten als Täter zunächst aus. Viele der Opfer sind Schüler und Studenten.

Insgesamt waren im morgendlichen Berufsverkehr zehn Bomben fast zeitgleich in vier Pendlerzügen explodiert. Drei weitere, in Reisetaschen versteckte Bomben waren Sprengfallen, die laut Acebes zeitverzögert explodieren und Polizisten und Retter treffen sollten. Sie wurden kontrolliert gesprengt. Insgesamt wurden für die Bomben fast 200 Kilogramm Sprengstoff benutzt. Eine vorherige Warnung gab es nicht. Viele Schwerverletzte schwebten am Abend noch in Lebensgefahr. Deshalb wurde ein weiterer Anstieg der Zahl der Toten befürchtet.

Die spanische Regierung ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Ministerpräsident José María Aznar sagte nach einer Sitzung des Krisenkabinetts, der Staat werde sich von Terroristen nicht in die Knie zwingen lassen. „Wir werden nicht vergessen. ... wir werden die Terroristen voll und ganz besiegen.“ Verhandlungen schloss er aus. Zugleich rief Aznar die Spanier auf, an diesem Freitag im ganzen Land gegen den Terror auf die Straße zu gehen. Bereits am Donnerstag demonstrierten landesweit Zehntausende von Menschen spontan gegen die ETA. Der Wahlkampf wurde ausgesetzt. Am Abend wollte sich König Juan Carlos als Staatsoberhaupt in einer Fernsehansprache ans Volk wenden.

Der Chef der verbotenen ETA-nahen Baskenpartei Batasuna (Einheit), Arnaldo Otegi, wies die Verantwortung der ETA für den Anschlag zurück und sprach von einer „Operation des arabischen Widerstands“. Vermutlich stünden islamistische Terroristen hinter den Attentaten. Dafür spreche auch, dass es keine telefonische Vorab-Warnung gegeben habe, wie es sonst bei ETA-Anschlägen immer der Fall gewesen sei.

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