Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.01.2013

16:14 Uhr

Regierung unter Druck

Chinas Mittelklasse begehrt auf

Zum ersten Mal seit zehn Jahren veröffentlich Peking Daten über die Einkommensverteilung - und danach soll die Ungleichheit zurückgehen. Doch das glaubt niemand, die Unzufriedenheit bricht sich Bahn.

Der Multimillionär Chen Guangbiao (r.) verteilt Dosen mit mit Frischluft an Passanten im Smog-verseuchten Peking. Reuters

Der Multimillionär Chen Guangbiao (r.) verteilt Dosen mit mit Frischluft an Passanten im Smog-verseuchten Peking.

PekingChinas neuen Führern steht Ärger ins Haus. Die enormen Einkommensunterschiede verschärfen soziale Spannungen. Wasserverschmutzung und Mega-Smog bringt die Bürger auf die Barrikaden. Ausgerechnet Chinas Mittelklasse, die bisher still die Früchte des Booms genossen hat, nimmt den Machtapparat plötzlich in die Pflicht, fordert mehr Offenheit und Reformen.

Im Internet formiert sich in den Mikroblogs erstmals in der Geschichte Chinas so etwas wie eine öffentliche Meinung, die den Funktionären auf die Finger schaut. Selbst in den Staatsmedien rumort es. Journalisten lehnen sich gegen die Zensur auf und fordern mehr Pressefreiheit.

Ein Dilemma für die neue Führungsgeneration um Parteichef Xi Jinping und den designierten Ministerpräsidenten Li Keqiang: Denn mehr Transparenz oder gar Mitsprache würde das Machtmonopol der Kommunistischen Partei erschüttern. Doch bei so viel Gegenwind noch vor ihrem Amtsantritt im März wollen Chinas neue Führer nicht in die Defensive geraten, sondern die Initiative behalten - besonders bei der Bewältigung der Kluft zwischen Arm und Reich.

Erstmals seit zehn Jahren veröffentlichte das Statistikamt wieder den Gini-Koeffizienten, der auf den italienischen Statistiker Corrado Gini (1884 bis1965) zurückgeht. Es ist ein Maß für Ungleichheit in der Gesellschaft, ein Frühwarninstrument für soziale Unruhen.

Bei einem Wert von 0 sind Einkommen oder Vermögen gleichmäßig auf die Bürger eines Staates verteilt. Je mehr der Wert sich der 1 nähert, desto größer ist beispielsweise die Ungleichheit bei der Einkommensverteilung.

Von 2003 bis 2008 sei der Wert auf 0,49 gestiegen, dann bis 2012 aber wieder auf 0,47 gefallen, wollen die Statistiker glauben machen. Es gibt nur zwei Probleme: Erstens, die Ungleichheit wäre damit weiter „hoch“, da Sozialwissenschaftler bei mehr als 0,4 vor Unruhen warnen. Und zweitens: Niemand glaubt den Zahlen.

Chinesische Experten hatten den „Lamborghini-Koeffizienten“, wie er mit Blick auf Chinas Superreiche genannt wird, schon längst mit alarmierenden 0,6 angegeben. „Ich persönlich glaube auch nicht, dass die Daten korrekt sind“, sagt der Kommentator Zhang Lifan. Er findet die Veröffentlichung dennoch positiv. „Es zeigt einen Unterschied zwischen der alten und neuen Regierung: Für die eine stand bisher die Wirtschaftsleistung im Vordergrund, für die andere jetzt die Gleichheit in der Gesellschaft.“

China gegen Japan: „Mao macht uns stark!“

China gegen Japan

„Mao macht uns stark!“

Die nationalistische Stimmung kocht hoch, China steuert auf eine handfeste Konfrontation mit Japan zu. Doch die Demonstranten in Peking sind überzeugt, das Richtige zu tun – und sie haben die Staatsmacht hinter sich.

Es könne der Start für die lange diskutierte Reform der Einkommen sein. „Die Konflikte sind enorm“, sagt Zhang Lifan. „Die Unzufriedenheit über die ungerechte Einkommensverteilung ist sehr groß.“ Deswegen wurde auf dem 18. Parteitag im Oktober schon angekündigt, die Einkommen bis 2020 verdoppeln zu wollen - eine wichtige Aufgabe für die neue Regierung, die im März gebildet wird.

Aber auch der Mega-Smog in Peking und anderen Städten lässt die Stimmung gegen die Herrschenden kippen. Viele alte Leute und Kinder kamen mit Atemwegleiden sowie Herz- und Kreislaufproblemen ins Krankenhaus. Die hastigen, unzureichenden Maßnahmen der Behörden ernteten Hohn. Zur Schadenskontrolle sichern die neuen Führer eine zeitnahe Veröffentlichung von Schadstoffwerten zu, damit sich die Menschen selbst schützen können. Auch versprechen sie schärfere Maßnahmen gegen Luftverschmutzung, mahnen aber zur Geduld.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Realistin

30.01.2013, 17:53 Uhr

Ach hört doch bloß auf immer vom kommunistischen China zu reden!! Die DDR ware genauso wenig sozialistisch wie China kommunistisch ist. Das wird nur als Ideologie zur Verschleierung und Ausbeutung benutzt!!!

China ist eine Diktatur, genauso wie die USA und die BRD keine Demokratien sind!!

Und das eine Mitte sich mal wegen Ungerechtigkeit wehrt, ist vorprgrammiert!! Also nichts Neues aus dem WEsten...

tuete33

30.01.2013, 20:58 Uhr

super gesagt, nur das die BRD eine GmbH ist fehlt!

PSwiatek

30.01.2013, 23:11 Uhr

Mehr Transpareny.

HA das ich nicht lache.

Dies wuerde bedeuten, das Buero 610, sowie die unfassbaren Verbrechen gegen die menschlichkeit offen zu legen.Diese Tatsachen ueber den Genozid den die KPCh an der eigenen Bevoelkerung ausuebt usw. usw.

Keinen Tag lang wuerde die Regierung das ueberleben, wenn die Menschen Chinas wuessten welche leute oben sitzen !!!!!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×