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07.01.2014

07:22 Uhr

Regierung will Babyboom

Irans Führung macht Schluss mit Gratis-Kondomen

Einst fürchtete der Iran eine Bevölkerungsexplosion. Jetzt droht dem Land eine Überalterung – Babys sind gefragt. Aber wie es aussieht, haben die jungen Paare im Land mittlerweile andere Vorstellungen von ihrem Leben.

Eine Kinderklinik in Teheran: Hier sollen künftig mehr Kinder geboren werden – so will es jedenfalls die iranische Regierung. ap

Eine Kinderklinik in Teheran: Hier sollen künftig mehr Kinder geboren werden – so will es jedenfalls die iranische Regierung.

TeheranDie Zeiten kostenloser Kondome im Iran sind vorbei, auch von der Regierung geförderte Sterilisationen für Männer gibt es nicht mehr. Stattdessen wird gepredigt, wie schön es sei, eine größere Familie zu haben. Und es wird sogar darüber diskutiert, die Ankunft von Nachwuchs mit einer Goldmünze zu belohnen. Nach zwei Jahrzehnten der Bemühungen, die Geburtenrate zu verringern, will die iranische Führung nun einen Babyboom im Land. Jetzt gilt es, eine drohende Überalterung der Bevölkerung zu verhindern.

Aber Paare davon zu überzeugen, dass mehr Kinder ein Segen sind, ist sehr schwierig, wenn die Wirtschaft wegen schlechten Managements und westlicher Sanktionen am Boden ist und die Inflation bei 36 Prozent liegt. „Eine Goldmünze würde nichts an den Überlegungen von Paaren ändern“, sagt Mohammad Dschalal Abbasi, Leiter des Demografischen Instituts der Universität Teheran. „Viele jungen Iraner ziehen es vor, ein Studium zu absolvieren, nicht zu heiraten. Andere verschieben eine Heirat oder wollen keine große Familie, weil sie nicht genug Geld haben, ein Haus zu kaufen oder auch nur ihre Rechnungen zu bezahlen.“

Die Geburtenrate hatte nach der islamischen Revolution von 1979 mit 3,6 Kindern pro Paar einen Höhepunkt erreicht - damals war das weltweit eine der höchsten Quoten. Wenn das so bliebe, schätzten dann Experten, könnte der Iran allein bis 1990 rund 140 Millionen Menschen beheimaten. Um eine derartige Bevölkerungsexplosion zu verhindern, leiteten der oberste Führer Ajatollah Ali Chamenei und der damalige Präsident Akbar Haschemi Rafsandschani eine Kampagne für Geburtenkontrolle ein.

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Die Iraner wurden mit Kondomen aus Massenproduktion eingedeckt, die Geburtenrate sank rapide. Sie liegt nun angeblich bei 1,8 Kindern pro Paar bei einer Gesamtbevölkerung von etwa 77 Millionen Menschen. Experten sagen jetzt, dass die Kampagne vielleicht zu erfolgreich war, das Bevölkerungswachstum in den nächsten 20 Jahren auf Null sinken könnte, wenn es nicht gelingt, den Trend umzukehren.

Und so hat der Staat eine komplette Kehrtwende gemacht. Chamenei, der in allen wichtigen Angelegenheiten das letzte Wort hat, steuert jetzt als Ziel ein Volk von 150 Millionen Menschen oder sogar noch darüber an. „Wenn wir weitermachen wie bisher, werden wir in nicht allzu ferner Zukunft ein Land der älteren Menschen sein“, sagte der Ajatollah unlängst. „Warum ziehen manche Paare vor, ein oder zwei Kinder zu haben? Warum vermeiden es Paare, überhaupt Kinder zu haben? Die Gründe sollten untersucht werden.“ Einen möglichen führte er dann selbst an: Entwicklungen im westlichen Leben, die man sozusagen geerbt, imitiert habe.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

07.01.2014, 09:04 Uhr

Der Artikel ist ein gutes Kontrastprogramm zu der normalen US-Propaganda. Es ist hier von Problemen die Rede die es auch in jedem westlichen Land gibt, eine hohe Scheidungsrate etwa. Die US Propaganda lehrt uns dagegen das es im Iran keine Scheidungen gibt sondern nur Steinigungen wenn eine Frau Abtrünnig wird. Wenn einmal in 10 Jahren in irgendeinem archaischen Bauerndorf eine Steinigung durchgeführt wird dies stets als Beleg genommen, wie es im ganzen Land abläuft.

Staatliche Geburtenkontrolle und Gratiskondome im angeblich so islamistischen Iran wo die Leute von Morgens bis Abends nur beten und jede Frau vollverschleiert hinterm Herd steht und 10 Kinder groß zieht - so die sonstige Lesart US-manipulierter Mainstreammedien.

Der Iran ist eine genauso große "Bedrohung" für den Westen wie es der Irak war - nämlich überhaupt keine! Die Menschen wollen dort nur in Frieden leben wie überall auf der Welt und hoffen, das die US-Nazis das Land nicht in das gleiche Unglück stürzen wie den Irak. Ein normal denkender Mensch würde sogar verstehen können wenn dieses Land tatsächlich nach A-Waffen strebt - zur Abschreckung, zum Schutz. Kein Land ist so dreist und abgebrüht menschenverachtend A-Waffen einzusetzen, außer die USA. Wir sind alle Menschen auf diesem Planeten. Die USA unterschätzen die Intellektuellen und menschlichen Fähigkeiten anderer Nationen um ein vielfaches und überschätzen sich selbst als Moralapostel maßlos. Die Demokratie in den USA ist eine Farce mit ihrem undemokratischen 2-Parteien System und vorsinnflutlichen Wahlsystem. Ich kann nicht erkennen wo dieses System demokratischer sein sollte als dieses im Iran.

Schicksal

07.01.2014, 09:29 Uhr

Das muss man sich geben. Die Weltbevölkerung steigt rasant, obwohl viele Völker den demographischen Tod sterben. In Zukunft, vielleicht schon in 100 Jahren, werden nur diese Völker überlebt haben, die jetzt Kinder machen. Und wenn der Prozess abgeschlossen ist, und alle kleinen von den großen rücksichtlos assimiliert wurden, gibt es eine Konsolidierung von Sprachen, Kulturen und Religion. Es kann nur Einen geben.

Das passiert, wenn die Frauen mit "Emanzipation" und "Frauenquote" verwirrt werden. Es werden keine Kinder geboren. Das Volk stirbt aus.

JSC

07.01.2014, 09:48 Uhr

Ja, so ist das wenn Zweitwagen, mindestens zweimal Urlaub, der zweifache Smartphonevertrag und Kredittilgungen etc. .. dann reicht es bestenfalls für ein Kind mit Mitte 30. Falsche Prioritäten.

Das der Staat mit absurd hohen Einkommenssteuern massgeblich dazu beiträgt sollte klar sein. Wer will Kinder, wenn diese nur durch Kindergeld oder sonstige Subventionen finanzierbar sind. Eltern als Almosenempfänger!

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