Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.01.2005

08:11 Uhr

Regierungen starten Wiederaufbauprogramme

Zahl der Opfer steigt weiter

VonS. Kersting (O.Müller, Handelsblatt)

Vier Wochen nach der verheerenden Flutkatastrophe in Südostasien ist noch immer unklar, wie viele Menschen das Seebeben in den Tod gerissen hat – klar ist nur, dass die Zahlen weiter steigen. Allein in der indonesischen Provinz Aceh werden täglich Tausende neue Leichen geborgen.

HB BERLIN/BANGKOK. Das Land hat inzwischen 167 000 Tote gemeldet. Damit schwillt die Gesamtzahl der Flutopfer auf etwa 226 000 an. „Die genaue Zahl werden wir nie kennen“, sagte gestern Dino Djalal, Pressesprecher des indonesischen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono.

Viele Distrikte haben noch gar keine Opferzahlen an die Behörden weitergegeben. Obwohl die Hilfsaktion inzwischen deutlich besser läuft als am Anfang und die Vereinten Nationen keine Hungersnöte mehr fürchten, haben dem Roten Kreuz zufolge Helfer einige Orte in Nordsumatra immer noch nicht erreicht.

Das Ausmaß der Zerstörung macht das aufwendigste und teuerste Wiederaufbauprogramm seit dem Zweiten Weltkrieg nötig. Indonesien hat den Schaden gerade auf vorläufig 4,5 Mrd. Dollar beziffert. Wie viel Geld für den Wiederaufbau nötig ist, will das Land in drei Monaten festgestellt haben. Ursprünglich waren etwa drei Mrd. Dollar veranschlagt. Die Kosten sollen zur Hälfte vom Staat finanziert werden, der Rest soll von ausländischen Gebern kommen. Sri Lankas Regierung will umgehend mit einem Wiederaufbauprogramm in Höhe von 3,5 Mrd. Dollar starten. Indien, das wie Thailand auf ausländische Hilfe verzichtet, gab gestern eine 628 Mill. Dollar teure erste Phase eines Aufbauprogramms für das Festland bekannt. Dort schätzt die Regierung den Schaden auf 1,6 Mrd. Dollar. Dazu kommen 600 Mill. Dollar auf den Andamanen.

Die internationale Gemeinschaft leitete gestern im japanischen Kobe erste Schritte zur Schaffung eines Tsunami-Frühwarnsystems für den Indischen Ozean ein. Die Delegierten der Weltkonferenz zur Katastrophenvorsorge einigten sich darauf, dass die Uno die Planung koordinieren soll. Das Schutzsystem soll in den Grundzügen bis Mitte 2006 bereitstehen. Neben Japan, den USA und Australien hatte auch Deutschland ein Modell für ein Tsunami- Warnsystem angeboten.

Hilfsorganisationen rufen zu weiteren Spenden auf. Auch wenn „viel Geld da“ ist, wie Ingo Radtke, Bereichsleiter Ausland beim Malteser Hilfsdienst bestätigt, „aber es wird auch viel Geld benötigt.“ Wie viel genau, sei bislang noch nicht überschaubar. Die Deutsche Welthungerhilfe meinte, jede genannte Zahl würde „eine Gewissheit vortäuschen, die es nicht gibt“.

Jetzt kommt es darauf an, die Spendengelder sach- und fachgerecht unterzubringen. Noch immer ist unklar, welche Rolle Einzelstaaten, Weltbank, Vereinte Nationen, Europäische Union, Nichtregierungsorganisationen und Privatunternehmen spielen. In Indonesien, dem am stärksten betroffenen Land und daher wohl größten Hilfsempfänger, werden Probleme bei der Kanalisierung der Gelder deutlich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×