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04.01.2010

10:16 Uhr

Regierungsberater

„Fehler der USA haben El Kaida stark gemacht“

VonDietmar Neuerer

ExklusivNach Einschätzung des Terrorexperten Guido Steinberg geht von den Terrorgruppen im Jemen keine „wichtige“ Bedrohung für den Westen aus. Die größere Gefahr stelle El Kaida in Pakistan dar, sagt er. Im Interview erklärt er, warum die Terrororganisation von Osama bin Laden immer noch stark ist und wie sich Europa und Deutschland dagegen schützen kann.

Guido Steinberg: "Es ist seit mehreren Jahren bekannt, dass der Jemen große Probleme mit der Bekämpfung von El Kaida hat." Pressebild

Guido Steinberg: "Es ist seit mehreren Jahren bekannt, dass der Jemen große Probleme mit der Bekämpfung von El Kaida hat."

Handelsblatt Online: Die USA sehen den Jemen und inzwischen auch Somalia als neue Front im Kampf gegen den Terror. Wie gefährlich sind die Länder für den Westen?

Guido Steinberg: Der Jemen und Somalia sind in den letzten Jahren zwei der wichtigsten Kampfgebiete für die jihadistische Bewegung geworden. Im Jemen ist die örtliche El Kaida seit 2006 deutlich erstarkt und hat enge Beziehungen zur El-Kaida-Führung in Pakistan; in Somalia hingegen ist es eine lokale Organisation, die Shabab, die den Kampf anführt, die aber nur über schwache Bindungen an El Kaida verfügt. Beide Organisationen bedrohen zunächst die Staaten, in denen sie agieren und darüber hinaus die regionale Sicherheit. Zwar können sie auch vereinzelt Anschläge im Westen organisieren, wie vor allem der Fall des gescheiterten Attentats von Umar Farouk am ersten Weihnachtstag zeigte. Eine wichtige Bedrohung sind diese Gruppen jedoch nicht; die größere Gefahr geht von El Kaida in Pakistan aus.

Die USA und Großbritannien wollen eine Spezialeinheit zur Terrorabwehr im Jemen finanziell unterstützen. Kommt die Hilfe nicht etwas spät, hätte man dem Jemen nicht wesentlich früher intensiver im Kampf gegen El Kaida helfen müssen?

Es ist seit mehreren Jahren bekannt, dass der Jemen große Probleme mit der Bekämpfung von El Kaida hat. Insofern ist es auch unverständlich, dass die USA ihre Hilfe gerade jetzt intensivieren. Hier zeigt sich ein wichtiges Problem westlicher Politik. Sie reagiert nur dann, wenn Anschläge oder Planungen eine weitere Öffentlichkeit auf Probleme aufmerksam machen. Dann geraten Regierungen unter Handlungsdruck, während die Warnungen der Fachleute in und außerhalb der Regierung vorher jahrelang ignoriert werden.

Reicht die Fokussierung auf eine verbesserte und stärkere Terrorabwehr im Jemen oder sollte dem Land noch auf anderem Wege unter die Arme gegriffen werden?

Es ist nicht zu erwarten, dass die amerikanische Politik im Jemen jetzt plötzlich erfolgreicher sein wird als nach 2001. Die jemenitische Regierung sieht El Kaida nicht als wichtige Bedrohung und hat die Jihadisten folgerichtig auch nicht entschlossen bekämpft. Tatsächlich hat der jemenitische Staat große Schwierigkeiten mit einem Bürgerkrieg mit zaiditischen Rebellen im Norden und Separatisten im Süden. Der jemenitische Staat benötigt Reformen an Haupt und Gliedern. An erster Stelle steht die Zentralregierung selbst, die korrupt, unfähig und in sich zerstritten und somit Teil des Problems und nicht der Lösung ist.

Kommentare (11)

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Widerstand10

04.01.2010, 11:52 Uhr

Heutzutage hat jeder Radio und Fernsehsender einen eigenen Terrorismusexperten. Ahnung haben weder diese Leute noch die Experten der Regierung. Jetzt
werden die bürger auch noch langsam auf einen Einsatz im Jemen vorbereitet. Wenn das so weiter geht haben wir bald einen Terror-Weltkrieg gegen Nordkorea,iran,Afghanistan,Somalia,Pakistan und den Jemen.Alles wegen 300 Hundert Al Kaida Kämpfer.
Meine Meinung als Laie ist, dass Amerika und Europa
diesen boom erst ausgelöst haben und den brand nicht mehr löschen können oder wollen. Es gibt keine
guten oder bösen Staaten es gibt nur gute oder böse bürger eines Landes siehe iran. Das dann auch noch China vom Westen in eine westliche Demokratie gezwungen werden soll, ist der Höhepunkt. China muss
1 Milliarde Menschen kontrollieren um den Frieden in der ganzen Region zu sichern. Wir in Deutschland
die Nr.1 in der Welt was die Kontrolle ihrer bürger betrifft sollte da ganz ruhig sein. Kein bürger in China möchte diesen Kontrollapperat im Land haben.

W. Fischer

04.01.2010, 12:27 Uhr

Widerstand10, sie haben nach meiner Meinung den Nagel auf den Kopf getroffen, es ist nichts mehr zu sagen.
Danke

Widerstand10

04.01.2010, 14:39 Uhr

Nach den Waffenstillstandsbedingungen 1945 befinden wir uns faktisch wieder im Krieg.Durch den Angriff auf Serbien wurde der Waffenstillstand gebrochen nachdem Serbien zum zweiten Mal von Deutschland überfallen wurde. Rechtlich gesehen wurde durch ROT Grün der Hitlerkrieg fortgesetzt. Das Deutsche Soldaten in Afghanistan ebenfalls Krieg führen
halte ich ohne Friedensvertrag für einen unglaublichen Fall.Hier sind einmal mehr die Staatsrechtler gefragt und ich bin da ganz gespannt
auf das Ergebnis. Auch wenn hier immer von Terroristen die Rede ist.´Polen wurde auch unter diesen Vorwand angegriffen.

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