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10.10.2013

15:27 Uhr

Regierungskreise

Libyens Ministerpräsident wieder frei

Nach der Entführung durch eine bewaffnete Miliz ist der libysche Regierungschef Ali Seidan wieder frei. Eine frühere Rebellengruppe wollte sich für die Duldung des Einsatzes von US-Spezialkräften in Libyen rächen.

Geiselnahme in Tripolis

Libyscher Premierminister: Rebellen bekennen sich zu Entführung

Geiselnahme in Tripolis: Libyscher Premierminister: Rebellen bekennen sich zu Entführung

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TripolisAls Vergeltung für die Festnahme eines führenden Al-Kaida-Mitglieds in Libyen hat eine Miliz den Ministerpräsidenten Ali Seidan am Donnerstag für mehrere Stunden in ihre Gewalt gebracht. Gegen Mittag ließen sie ihn wieder frei. Bei einer im Fernsehen übertragenen Kabinettssitzung rief Seidan seine Landsleute auf, mit Weisheit und nicht mit einer Eskalation auf die Entführung zu reagieren. Er dankte einigen Milizionären, die sich für seine Freilassung eingesetzt hätten, und forderte sie auf, in die regulären Streitkräfte einzutreten.

Nach Bekanntwerden der Entführung hatten sich Demonstranten vor dem Gebäude des Innenministeriums versammelt, in dem der Politiker festgehalten wurde. Sie forderten seine Freilassung und gaben Schüsse auf das Haus ab.

Die Milizionäre, die den Regierungschef am Morgen entführt hatten, sollten im Auftrag des Innenministeriums für Sicherheit in der Hauptstadt sorgen. Die früheren Rebellen begründeten ihre Tat damit, dass die Regierung die Festnahme des Al-Kaida-Anführers Abu Anas al-Libi durch ein US-Sonderkommando gebilligt habe. Der Libyer soll 1998 an den Anschlägen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania beteiligt gewesen sein.

Bei der Entführung des Ministerpräsidenten im Hotel Corinthia, in dem hohe Regierungsvertreter und viele Diplomaten wohnen, fielen Wachleuten zufolge keine Schüsse. Es habe auch keinen Kampf gegeben. Der arabische TV-Sender Al-Arabija zeigte Bilder, auf denen Seidan finster dreinschaut und von einer Gruppe Männer in Zivilkleidung umringt wird.

Seidan steht seit einem Jahr an der Spitze der Regierung. Seine Entführung wirft ein Schlaglicht auf die schlechte Sicherheitslage des Landes, das zwei Jahre nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar Gaddafi noch immer tief gespalten ist. Viele Regionen gelten als unsicher. Die Regierung versucht, den Einfluss rivalisierender Stammesmilizen und radikaler Islamisten einzudämmen, die unter anderem um die Kontrolle über das lukrative Erdöl kämpfen.

Die Miliz, die Seidan entführte, nennt sich Operationszentrale der libyschen Revolutionäre. Als Teil eines Wiedereingliederungsprogramms für frühere Rebellen sollte sie im Auftrag des Innenministeriums für Sicherheit in Tripolis sorgen. Die Gruppe erklärte, sie habe sich zu der Entführung entschlossen, nachdem US-Außenminister John Kerry erklärt habe, dass die libysche Regierung von dem US-Einsatz gegen Al-Libi gewusst habe. Sie warf der Regierung Korruption und Gefährdung der nationalen Sicherheit vor. Das US-Außenministerium erklärte, es stehe in engem Kontakt mit der libyschen Regierung. US-Elitetruppen hatten Nasih al-Ragie, der den Kampfnamen Al-Libi trägt, am Samstag festgenommen. Er wird auf einem Kriegsschiff im Mittelmeer festgehalten. (bearbeitet von Sabine Siebold, Christian Götz und Andreas Kenner, redigiert von Boris Berner)

Von

rtr

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