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12.05.2016

13:41 Uhr

Regierungskrise in Österreich

Bahn-Chef Kern wird der neue Bundeskanzler

Christian Kern wird neuer österreichischer Bundeskanzler. Der Bahn-Chef übernimmt nach dem Rücktritt von Werner Faymann auch das Amt des SPÖ-Vorsitzenden. Morgen soll die Berufung offiziell werden.

Nach dem Rücktritt von Werner Faymann in Österreich soll Christian Kern Bundeskanzler und SPÖ-Chef werden. Reuters

Österreich unter neuer Führung

Nach dem Rücktritt von Werner Faymann in Österreich soll Christian Kern Bundeskanzler und SPÖ-Chef werden.

WienDie Entscheidung in der Kanzlerfrage in Österreich scheint gefallen. Auch die Wiener SPÖ als mächtigster Landesverband sei für den 50-jährigen Bahnchef Christian Kern, schreiben mehrere Medien am Donnerstag.

Laut der Tageszeitung „Kurier“ hatte Kern eine positive Unterredung mit SPÖ-Interims-Parteichef Michael Häupl. Auch nach Informationen von „Spiegel Online“ wird Kern neuer Regierungschef und SPÖ-Vorsitzender. Eine Bestätigung aus dem Büro Häupls gab es zunächst nicht. „Es gibt keine Tendenz, die wir kommunizieren können“, sagte ein Sprecher am Mittag.

Der bisherige Regierungschef Werner Faymann war am Montag überraschend zurückgetreten. Der 56-Jährige zog damit die Konsequenz aus innerparteilicher Kritik. In seiner fast achtjährigen Amtszeit hatten die Sozialdemokraten bei 19 von 21 Wahlen Stimmen verloren.

Acht der neun SPÖ-Landesverbände haben sich inzwischen für Kern als Faymanns Nachfolger ausgesprochen, teils aber keine formalen Beschlüsse gefasst. „Es hat (...) eine einhellige Zustimmung gegeben. Wir stehen hier geschlossen hinter Christian Kern“, sagte der SPÖ-Chef des Burgenlands, Hans Niessl, nach einer Sitzung des Landesparteivorstands.

Nach den Plänen der Wiener SPÖ sollte der Name des neuen Partei- und Regierungschefs am Freitag bekanntgegeben werden. Der frühere ORF-Intendant Gerhard Zeiler (60), der ebenfalls im Rennen war, gab nach eigenen Angaben seine Ambitionen auf.

Kern galt seit längerem als möglicher Nachfolger des glücklosen Faymann. Der ehemalige Wirtschaftsjournalist war in den 1990er Jahren in verschiedenen Funktion in der damaligen Bundesregierung und der SPÖ-Fraktion tätig, bevor er in die Wirtschaft wechselte.

Wer als SPÖ-Chef gehandelt wird

Christian Kern

Der Chef der Österreichischen Bundesbahnen ÖBB, Christian Kern, gilt schon lange als möglicher Kandidat für einen Neuanfang an der Spitze der SPÖ. Der 50-jährige sei pragmatisch und sehr modern, heißt es. Der gebürtige Wiener wurde in der SPÖ groß, hat aber auch Erfahrung in der Wirtschaft nachzuweisen. Manche Beobachter fragen jedoch, ob der smarte Manager, dessen Anzug immer perfekt sitzt, nicht etwas zu abgehoben für eine Arbeiterpartei sein könnte. Nach einem Kommunikationswissenschaften- und Managementstudium startete Kern seine Karriere als Wirtschaftsjournalist. Rasch wechselte er zunächst als Assistent und später als Büroleiter und Pressesprecher in die SPÖ. 1997 ging es für Kern zu einem mehrheitlich staatlichen Stromkonzern, bevor der vierfache Vater seinen Posten bei der ÖBB antrat.

(Quelle: dpa)

Gerhard Zeiler

Der 60-jährige TV-Manager Gerhard Zeiler ist bestens im Polit- und Mediendschungel vernetzt – und zwar international. Der Sozialdemokrat war einst mit Unterstützung der Partei zum ORF-Generalintendanten aufgestiegen, wechselte dann nach Deutschland und kam bis in die Führungsebene von RTL. Seit 2012 ist er bei der „Turner Broadcasting System International“ und lenkt von London aus über 160 TV-Kanäle und rund 3800 Mitarbeiter mit einem Umsatz von zwei Milliarden Dollar. Schon während seines Studiums kam Zeiler zur Sozialistischen Jugend. 1997 wurde er Mitglied im Kabinett des damaligen Unterrichtsministers und späteren Bundeskanzlers Fred Sinowatz. Er blieb Sinowatz’ Pressesprecher bis zu dessen Rückzug und wechselte wenig später in die Medienbranche.

Brigitte Ederer

Heimische Medien bezeichnen die 60-jährige Brigitte Ederer gerne als „Österreichs Angela Merkel“. Als ehemalige Europa-Staatssekretärin der SPÖ war sie maßgeblich an den EU-Beitrittsverhandlungen der Alpenrepublik beteiligt. Nach ihrer Zeit in der Partei machte sie steile Karriere in der Privatwirtschaft. Sie war jahrelang im Vorstand von Siemens. Schon lange gilt die 60-Jährige als mögliche Kompromisskandidatin der Partei. Die eher spröde wirkende Ederer schloss bisher eine Rückkehr in die Politik aber immer aus. Seit ihrem Abgang bei Siemens sitzt die Frau des ehemaligen Fraktionschefs der Sozialisten und Demokraten (S&D) im EU-Parlament, Hannes Swoboda, in einigen Aufsichtsräten.

Seit 2010 leitet Kern die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) – mit 40.000 Mitarbeitern eines der größten Unternehmen der Alpenrepublik. Unklar ist bisher, welche Haltung der Manager in Fragen der Asylpolitik und der Haltung der Sozialdemokraten zur rechten FPÖ hat.

Der Koalitionspartner ÖVP hatte bereits mehrere Bedingungen zur Fortsetzung der rot-schwarzen Koalition gestellt. Dazu gehört die Beibehaltung der restriktiven Asyl- und Flüchtlingspolitik. Neuwahlen strebt die ÖVP nach eigenem Bekunden bisher nicht an, will dies aber von der künftigen Zusammenarbeit abhängig machen.

Von

dpa

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