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03.09.2014

16:32 Uhr

Regierungstreffen in Estland

Obama will mehr Soldaten ins Baltikum entsenden

Dass es beim Nato-Gipfel Zusagen für dauernde Nato-Militärpräsenz im Osten gibt, ist unwahrscheinlich. Doch US-Präsident Obama weckt bei den baltischen Staaten wieder Hoffnung. Indes geht Russland auf Konfrontation.

Sie signalisieren Verbundenheit: US Präsident Barack Obama und der estnische Präsident Toomas Hendrik Ilves. dpa

Sie signalisieren Verbundenheit: US Präsident Barack Obama und der estnische Präsident Toomas Hendrik Ilves.

TallinUS-Präsident Barack Obama hat eine Entsendung weiterer Soldaten der Luftwaffe und Flugzeuge in das Baltikum angekündigt. Diese sollen zu Übungszwecken am estnischen Militärstützpunkt Ämari stationiert werden, sagte Obama nach einem Treffen mit Estlands Präsidenten Toomas Hendrik Ilves am Mittwoch in Tallinn. „Estland wird niemals alleine da stehen“, sagte er. Der Stützpunkt sei der ideale Standort für die zusätzlichen Kräfte, sagte Obama. Er lobte Estland: Die osteuropäische Nation sei ein Beispiel dafür, wie jedes Mitglied seinen fairen Beitrag für die gemeinsame Verteidigung aller 28 Mitglieder leisten müsse. Die USA und Estland sind zwei von vier Nato-Staaten, die ihre Zusagen einhalten, zwei Prozent ihres Bruttoinlandprodukts für Verteidigung auszugeben. Der estnische Präsident Toomas Hendrik Ilves sagte, Obamas Besuch sei äußerst wichtig, „besonders im gegenwärtigen Zusammenhang“. Dadurch werde den Esten geholfen zu verstehen, wie wichtig es sei, Teil des Militärbündnisses zu sein. Obama sprach sich auch für den Ausbau der schnellen Nato-Eingreiftruppe aus. Die Streitkräfte des Bündnisses müssten in Krisen noch rascher auf Bedrohungen gegen jeden Gegner reagieren können, sagte Obama in einer Rede am Mittwoch in Tallinn. Auch im Baltikum müsse deshalb die dafür notwendige Infrastruktur geschaffen werden.

Was ist „Neurussland“?

Neuer Streit um ein historisches Gebiet

In der Ostukraine haben prorussische Separatisten im Mai ihre „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk zu „Neurussland“ vereinigt. Auch Russlands Präsident Putin verwendete mehrfach diese Bezeichnung. Sie hat einen historischen Ursprung.

Feldzüge gegen Türken

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde ein Militärbezirk nördlich des Schwarzen Meeres so genannt. Neurussland reichte damals von Bessarabien (heute die Republik Moldau) bis zum Asowschen Meer. Zentrum war Krementschuk, etwa 300 Kilometer südöstlich von Kiew. Zur Zeit der Feldzüge gegen die Türken und das Krim-Khanat sollte die Ansiedlung russischer und ukrainischer Bauern sowie ausländischer Siedler das Grenzgebiet stabilisieren.

Auflösung nach Eroberung der Krim

1764 bildete Zarin Katharina die Große das „Neurussische Gouvernement“. Nach der Eroberung der Krim verlor Neurussland seine strategische Bedeutung und wurde rund 20 Jahre nach der Gründung wieder aufgelöst. Zar Paul I. bildete 1796 erneut ein kurzlebiges Verwaltungsgebiet Neurussland um den Hauptort Noworossisk, dem heutigen Dnjepropetrowsk.

Deutsche Siedler

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde ein russisches „Generalgouvernement Neurussland-Bessarabien“ geschaffen. Von 1818 bis etwa 1880 wurden wieder ausländische Siedler angeworben. Auch aus deutschsprachigen Gebieten kamen viele Menschen in die Steppen Neurusslands. Die Dörfer dieser „Schwarzmeerdeutschen“ existierten bis zu den Deportationen in der Stalin-Zeit.

Das nordatlantische Bündnis sei nicht gegen irgendein Land gerichtet. „Wir sind eine Allianz von Demokratien, die sich ihrer eigenen kollektiven Verteidigung verschrieben haben“, sagte Obama.

Konkrete Zahlen über zu entsendende Truppen nannte Obama nicht. Der Kongress in Washington muss dem Schritt allerdings noch zustimmen.

Ende April hatten die USA eine Entsendung von rund 600 Soldaten ins östliche Mitteleuropa angekündigt, die an Militärübungen in Polen, Litauen, Lettland und Estland teilnehmen sollen. 150 davon sind in Estland stationiert und sollen voraussichtlich bis Ende des Jahres bleiben. Im Juni hatte Obama in Warschau außerdem bis zu eine Milliarde Dollar (761 Millionen Euro) zur Stärkung der militärischen Sicherheit in Ostmitteleuropa zugesagt, auch dieses Geld muss der US-Kongress noch freigeben.

Kommentare (3)

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Herr Frank Cebulla

03.09.2014, 12:33 Uhr

Das Baltikum könnte das Serbien des 3.Weltkrieges werden.
Dort werden die russisch stämmigen Bürger, als Staatenlose behandelt ohne Pass und Bürgerechte.
Der Herr Obama und die EU sollten sich erstmal um die Demokratie in diesen Ländern kümmern, bevor sie Soldaten schicken.
Die Regierenden dort haben zu Recht Angst vor Problemen mit Russland, auf Grund ihrer Ausgrenzung der russisch stämmigen Bürger!
Das wird auch der Herr Putin so sehen!
Deshalb sollte sofort den dort Regierenden klar gemacht wie sich sich zu verhalten haben, aber bitte keine Soldaten schicken.

Herr Wolfgang Trantow

03.09.2014, 14:09 Uhr

Wo bleibt Deutschland? Senkung des Militäretats auf 1 Euro??

Herr Teito Klein

03.09.2014, 17:50 Uhr

Mehr Nato-Soldaten ins Baltikum
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Dass es beim Nato-Gipfel Zusagen für dauernde Nato-Militärpräsenz im Osten gibt, ist unwahrscheinlich. Doch US-Präsident Obama weckt bei den baltischen Staaten wieder Hoffnung. Indes geht Russland auf Konfrontation.

Es ist richtig, dass die Nato ihre Mitglieder schützt.
Viele Länder in Osteuropa und im Baltikum fühlen sich von Russland bedroht.
Putins Absicht ist es, die alte Sowjetunion wieder auferstehen zu lassen. Deshalb annektierte er auch die Krim und plant auch "Neurussland" zu annektieren.
Und dann folgen andere souveräne Staaten.

Obamas Ankündigungen stießen in russischen Militärkreisen auf scharfe Kritik. Das erneute Heranrücken von Nato-Einheiten an die russische Grenze sei ein aggressiver Akt, sagte der ehemalige Oberbefehlshaber der Luftstreitkräfte, Pjotr Dejneki, am Mittwoch der Agentur Interfax zufolge in Moskau.

Natürlich findet Moskau das für einen aggressiven Akt.
Aber die Annexion der Krim war natürlich ein humanitärer Akt. Auch die Unterstützung der Volkswehr von Neurussland mit Söldnern, Panzern und schweren Waffen passiert nur aus humanitären Gründen.

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