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03.12.2015

16:32 Uhr

Regionalwahlen in Frankreich

Rückenwind für Hollande gegen starke Rechtsextreme

Nach den Terrorattacken von Paris schnellt Frankreichs Präsident auf Umfragehöhen. Bei den bevorstehenden Regionalwahlen können Hollandes Sozialisten einen Schub gut brauchen. Auch die Rechtsextreme hofft auf Erfolge.

Gewöhnlich sind die Umfragewerte des französischen Präsidenten desaströs. Doch nach den Anschlägen von Paris konnte Francois Hollande offenbar aufholen. AFP

Umfragehoch

Gewöhnlich sind die Umfragewerte des französischen Präsidenten desaströs. Doch nach den Anschlägen von Paris konnte Francois Hollande offenbar aufholen.

ParisFreude im Élysée: Präsident François Hollande kann nach den Terrorattacken von Paris auf neue Unterstützung der Franzosen setzen. Bereits nach den Angriffen auf „Charlie Hebdo“ im Januar frischte ein auf Einheit der Nation setzender Hollande seine sonst desaströsen Werte zeitweilig auf.

Mit dem aktuell von Trauer um die Opfer und gleichzeitig hartem Kampf gegen den Terror des Islamischen Staates (IS) geprägten Handeln Hollandes sind jetzt 50 Prozent der Befragten zufrieden – ein Plus von 22 Punkten im Vergleich zum Vormonat. Wegen schlechter Wirtschaftslage und Dauerarbeitslosigkeit steckte der Präsident seit Jahren im Umfragetief.

Den Schub können Hollande und seine zuletzt schwer gebeutelten Sozialisten bestens gebrauchen: Am Sonntag steht die ersten Runde der Regionalwahlen an. Bisher sah vieles nach einer neuen Schlappe für die Linken aus. Nun scheint das Rennen wieder spannender zu werden.

Die Gegner des Islamischen Staates

USA

Die mächtigste Militärmacht der Welt führt den Kampf gegen den IS an. Seit mehr als einem Jahr bombardiert die US-Luftwaffe die Extremisten in Syrien und im Irak. An ihrer Seite sind auch Jets aus Frankreich und anderen westlichen Staaten sowie aus arabischen Ländern im Einsatz. Washington hat zudem US-Militärberater in den Irak entsandt, die Bagdad im Kampf am Boden unterstützen.

Russland

Moskaus Luftwaffe fliegt seit Ende September Luftangriffe in Syrien. Sie sollen nach Angaben des Kremls den IS bekämpfen. Der Westen und syrische Aktivsten werfen Russland jedoch vor, die meisten Luftangriffe richteten sich gegen andere Rebellen, um so das Regime von Präsident Baschar al-Assad zu unterstützen.

Deutschland

Deutschland liefert seit mehr als einem Jahr Waffen an die Kurden im Norden des Iraks, darunter die Sturmgewehre G3 und G36 und die Panzerabwehrwaffe Milan. Die Bundeswehr bildet zudem kurdische Peschmerga-Kämpfer für den Kampf am Boden aus.

Arabische Staaten

Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Katar und Jordanien unterstützen die USA bei den Luftangriffen. Vor allem Saudi-Arabien und Jordanien sehen den IS als Gefahr, weil die Extremisten bis an ihre Grenzen herangerückt sind.

Kurden

Sowohl im Norden Syriens als auch im Nordirak gehören die Kurden zu den erbittertsten Gegnern des IS. Die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) im Syrien und die Peschmerga im Irak konnten den Extremisten empfindliche Niederlagen beibringen. Unterstützt werden sie von mehreren westlichen Staaten.

Irakische Armee

Das irakische Militär geht in mehreren Regionen des Landes gegen den IS vor. Allerdings kann sie nur wenige Erfolge vorweisen. Seit Monaten versucht die Armee erfolglos, die westirakische Provinz Al-Anbar zu befreien. Unterstützt wird sie von schiitischen Milizen, die eng mit dem Iran verbunden sind.

Syrische Rebellen

Sie bekämpfen das Regime und den IS. Das gilt auch für die Nusra-Front, syrischer Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Sie teilt die Ideologie des IS, ist aber mit ihm verfeindet.

Syrisches Regime

Auch das syrische Militär geht gegen den IS vor. Kritiker werfen dem Regime jedoch vor, es greife vor allem andere Rebellen an und lassen die Extremisten gewähren. Auffällig ist, dass sich die meisten syrischen Luftangriffe nicht gegen den IS, sondern gegen Regionen unter Kontrolle anderer Gruppen richten.

Bis zu vier Regionen könnten nach Umfragen an die Front National (FN) fallen, denn auch die Rechtsextremen haben nach den Terroranschlägen bei Befragungen zugelegt. Parteichefin Marine Le Pen tritt in der nördlichen Region Nord-Pas-de-Calais-Picardie an. Die Vorkämpferin der Partei lag dort zuletzt bis zu zwölf Punkte vorn.

Aber der Widerstand gegen die erbitterte Gegnerin von Europa, offenen Grenzen und Ausländern wächst. Kurz vor der Wahl stellte sich die Regionalzeitung „La Voix du Nord“ offen gegen Le Pen. Per Doppelseite wurden wirtschaftliche, soziale und kulturelle Pläne der FN kritisiert. „Die Positionen der Partei sind konträr zu den Werten der Zeitung“, begründete Blattchef Jacques Hardoin in „Le Monde“. Er verwies dabei auch auf den Ursprung seiner Zeitung in der Résistance – also im Widerstand gegen die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg.

In der südöstlichen Region Provence-Alpes-Côte d'Azur kann sich mit Marion Maréchal-Le Pen ein anderes Mitglied des Familienclans gute Chancen ausrechnen. Parteigründer Jean-Marie Le Pen hatte seine Enkelin noch vor seinem Rauswurf aus der FN wegen wiederholter antisemitischer Äußerungen als Spitzenkandidatin lanciert.

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