Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.11.2015

09:31 Uhr

Regulierung durch die Kommission

Der EU geht (k)ein Licht auf

VonKhang Nguyen

Kerzen sollen künftig neue Sicherheitsanforderungen erfüllen – sie reihen sich damit in Gurken- und Apfel-Vorschriften der EU-Kommission ein. Mit Regulierungsirrsinn aus Brüssel hat die Verordnung aber weniger zu tun.

Kerzen müssen künftig bestimmte Sicherheitsstandards erfüllen. dpa

Entspannung bei Kerzenschein

Kerzen müssen künftig bestimmte Sicherheitsstandards erfüllen.

BrüsselPassend zur Adventszeit rückt die beliebte Weihnachtsdekoration wieder in den Vordergrund. Dazu gehören auch Kerzen: Ob groß oder klein, dick oder dünn und in welcher Farbe ist Geschmackssache. Für die Adventszeit würde ein rotes Kerzenlicht am besten herhalten.

Die stimmungsvollen Kerzen könnten bald streng reguliert werden: Die Europäische Kommission plant neue Sicherheitsanforderungen für Kerzen, Kerzenhalter, Kerzenbehälter und Kerzenzubehör. Ein entsprechender Entwurf auf vier Seiten Länge schreibt vor, wie eine Kerze zu definieren ist: „Ein Produkt, das aus einem oder mehreren brennbaren Dochten besteht, die von einer bei Raumtemperatur (20 °C bis 27 °C) festen oder halbfesten Brennmasse gestützt werden.“ Auch über die primäre Funktion des Produktes wird aufgeklärt – nämlich jene, eine Licht erzeugende Flamme aufrechtzuerhalten.

Im Anhang wird ersichtlich, wie genau Kerzen innerhalb der EU künftig reguliert werden sollen: Frei stehende Kerzen sollen während des Abbrennens stabil bleiben. Die Flamme darf nur eine bestimmte Höhe erreichen. Auch die Verbrennungsgefahr durch Berühren der Kerze muss so gering wie möglich gehalten werden. Alle Mitgliedstaaten stimmten dem Entwurf zu, nur Großbritannien enthielt sich der Stimme.

Gerrit van Honthorst: Lebenslust im Kerzenschein

Gerrit van Honthorst

Lebenslust im Kerzenschein

Aufregende Perspektiven in ungewöhnlicher Beleuchtung sind seine Spezialität. Dafür wird der holländische Maler Gerrit von Honthorst schon zu Lebzeiten geschätzt. Auch zeitgenössische Sammler geben inzwischen hohe einstellige Millionensummen für seine Bilder aus.

Für Kritiker der EU-Regulierungswut ist das gefundenes Fressen. Denn es ist nicht das erste Mal, dass die Bevölkerung bei solch kuriosen Entwürfen die Köpfe schüttelt. Die Kommission beschloss etwa 2011, wie Äpfel auszusehen haben (Nr. 543/2011). Die Früchte sollen ungeachtet ihrer Klasse und Sorte ein Mindestgewicht von 90 Gramm und eine Mindestgröße von 60 Millimetern aufweisen.

Eine andere Verordnung (Nr. 1677/88) sah von 1988 bis 2009 gar die maximale Krümmung von Gurken vor – diese durfte nicht mehr als zehn Millimeter auf zehn Zentimetern Länge aufweisen. Im vergangenen Jahr verbat die EU sogar stromfressende Staubsauger: Maximal 1600 Watt Leistung dürfen neue Geräte seither aufweisen. Ab 2017 könnten es nur noch 900 Watt werden.

Die sechs großen Probleme der EU: Aus allen Ecken des Kontinents unter Beschuss

Die sechs großen Probleme der EU

Aus allen Ecken des Kontinents unter Beschuss

Im Jahr 2012 erhielt die EU noch den Friedensnobelpreis. Aber derzeit häufen sich die Warnungen, dass sie auseinanderbrechen könnte. Denn neben der Flüchtlingskrise müssen derzeit fünf große Probleme gelöst werden.

Komplett sinnlos sind die neuen Sicherheitsanforderungen allerdings nicht: Im jüngsten Fall reagiert die EU-Kommission damit auf gleich mehrere Unfälle mit Kerzen. Damit kommt sie der EU-Richtlinie zur Produktsicherheit aus dem Jahr 2001 nach. Im Falle fehlerhafter Produkte und Waren kann die EU neue Sicherheitsstandards definieren und somit mehr Sicherheit garantieren.

Und nicht immer kommen die Ideen zu neuen Regulierungen direkt aus Brüssel: In erster Linie sprachen sich Spediteure und Supermärkte für eine gleichmäßige Form von Gurken aus. Schließlich passen gerade Exemplare besser in Kisten und können so ökologischer transportiert werden.

Mit der Staubsaugerregulierung sollten EU-Bürger dagegen dazu gebracht werden, weniger Strom zu verbrauchen – und damit die Umwelt zu schonen. Neben den Sicherheitsvorkehrungen sind chemische Anforderungen und Emissionen weitere Schwerpunkte der neuen Regulierung: Laut Entwurf müssen Kerzen im Innenbereich dem Rußindex entsprechen und dürfen damit den Wert von 1,0 pro Stunde nicht überschreiten – eben so gering und ökologisch wie möglich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×