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19.10.2011

14:12 Uhr

Regulierung

EU will Wetten auf Staatspleiten stoppen

Nach dem Willen der Europäischen Union sollen ungedeckte Kreditausfallversicherungen künftig verboten werden. Diese Maßnahme soll Finanzwetten auf Staatspleiten eindämmen.

EU-Länder und Europaparlament wollen hochspekulative Finanzprodukte verbieten. dpa

EU-Länder und Europaparlament wollen hochspekulative Finanzprodukte verbieten.

BrüsselDie Europäische Union will Finanzwetten auf Staatspleiten stoppen. Sogenannte ungedeckte Kreditausfall-Versicherungen für Staatsanleihen sollen künftig faktisch verboten werden, wie EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier am Mittwoch in Brüssel mitteilte. Nach einer Einigung am Dienstagabend in den Verhandlungen zwischen EU-Ländern und dem Europaparlament sind solche Finanzprodukte künftig nur noch in Ausnahmen und unter strengen Auflagen möglich.

Dadurch können Spekulanten nicht länger Kreditausfall-Versicherungen für Staatschulden kaufen, ohne auch tatsächlich die entsprechenden Titel der betroffenen Länder zu besitzen. Ansonsten bekäme der Besitzer eines solchen Papiers im Falle der Pleite eines Staates - selbst wenn er keine Anleihen des Pleitelandes besitzt - eine Entschädigung. Durch die neue Regelung soll Finanzgeschäften ein Riegel vorgeschoben werden, die in Krisensituationen Unsicherheiten den Börsen und die Lage von Staaten verschlimmern können.

„Das ist ein hochspekulatives Produkt“, begründete der CSU-Finanzexperte im Europaparlament, Markus Ferber, am Mittwoch das Verbot der ungedeckten Kreditausfall-Versicherungen für Staatsanleihen. „Im Prinzip ist das das Gleiche, als wenn man eine Brandschutz-Versicherung für das Nachbarhaus abschließt in der Hoffnung, dass das Haus möglichst schnell abbrennt.“ Ferber äußerte sich zuversichtlich, dass die EU-Länder keinen Gebrauch von der Möglichkeit machen, unter bestimmten Auflagen diese Produkte wieder zuzulassen.

EU-Länder und Europaparlament müssen der erzielten Einigung noch offiziell zustimmen. Bisher gibt es unterschiedliche oder gar keine Regelungen für den Handel mit diesen hochspekulativen Finanzprodukten.

 

Von

afp

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

19.10.2011, 14:57 Uhr

Wenn man genauer über solche Wetten nachdenkt, könnte man auf die Idee kommen, dass sie sittenwidrig und damit nichtig sind.

Da die Wetten ungedeckt sind, dienen sie nicht der Absicherung, was noch einen sinnvollen Bezug zur Realität aufweisen würde. Es handelt sich schlichtweg um eine Spekulation auf die Zerstörung einer Währung, dazu noch gehebelt.

Bekanntlich ist es drastisch einfacher, Dinge zu zerstören als neue aufzubauen.

Daher gebietet es die Vernunft, solche Arten von Spekulation abzuschaffen. Man sollte aufpassen, dass man jegliche Möglichkeiten dazu ausmerzt.

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19.10.2011, 15:16 Uhr

Na das ist doch mal was sinnvolles. Wer auf Staatspleiten wetten will ohne in entsprechenden Bonds engagiert zu sein, soll OTC-Wetten im echten Wettbüros seiner Wahl abschließen. Die gibt es ja in LondonCity wohl mehr als genug. Die Realwirtschaft von solchen unseriösen Brandbeschleunigern zu verschonen ist ein Gewinn für alle, die ihr Geld durch Arbeit verdienen.

Allerdings muss man aufpassen, dass die Politik, die Luft die sie dadurch gewinnt, nicht dazu missbraucht mit ihren Schuldenorgien weiter zu machen. Reformen müssen immer im Gleichschritt geschehen und Ursache wie Katalysator angehen. Wenn dann die Ursache -Überschuldung der Stataten- beseitigt ist, kann man das Verbot übrigens auch wieder aufheben.

Account gelöscht!

19.10.2011, 15:41 Uhr

Ein Verbot sollte man nicht aufheben, egal wann und wie. Das Problem ist die Asymmetrie zwischen Aufbauen und Zerstören.

Es kostet ein paar Hunderttausend Euro, um Haus zu bauen, aber nur eine Flasche Benzin, um es zu zerstören.

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