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21.01.2010

18:12 Uhr

Regulierung

Obama beschneidet Freiheit der Banken

VonRolf Benders, Astrid Dörner, Michael Maisch , Hans Nagl

US-Präsident Barack Obama will mit radikalen Schritten die Freiheiten der Großbanken beschränken. Neue Regeln sollen riskante Geschäfte der Banken künftig radikal einschränken. Wenn sich der US-Präsident im Kongress durchsetzt, darf künftig keine Geschäftsbank mehr Eigenhandel betreiben oder in Hedge-Fonds und Private Equity investieren.

NEW YOK/LONDON/FRANKFURT. Regulierungsbehörden sollen die Autorität bekommen, Größe und die Risiken von Finanzinstituten einzuschränken. So sollen Banken keinen Eigenhandel mehr betreiben dürfen. Auch will Obama Beteiligungen und Investitionen in Hedge-Fonds oder Private-Equity-Fonds verbieten. "Nie wieder soll der amerikanische Steuerzahler Geisel einer Bank werden, die zu groß ist, um sie pleitegehen zu lassen", sagte der Präsident. In der Vergangenheit hätten zu viele Finanzinstitute Steuerzahlergelder riskiert, um schnelle Gewinne zu machen.

Sollten Obamas Forderungen nach einer Trennung zwischen klassischem Bankgeschäft mit Kundeneinlagen und Investmentzweig die erforderliche Unterstützung im Kongress bekommen, könnte das die US-Finanzwelt signifikant verändern. Wenn große Broker-Häuser wie Goldman Sachs und JP Morgan Chase keinen Eigenhandel mehr betreiben dürften, "nähme das nicht nur Liquidität aus dem Markt, es würde die gesamte Struktur der Wall Street und des Handels verändern", sagte Ralph Fogel, Investmentstratege bei Fogel Neale Partners in New York. Die Aktienkurse großer Banken verloren nach Obamas Rede deutlich. Das Papier von Goldman Sachs etwa gab bis zum Nachmittag trotz guter Quartalszahlen mehr als fünf Prozent ab. Mehrere Regionalbanken legten dagegen zweistellig zu.

Christopher Dodd, der Vorsitzende des Bankenausschusses im Senat äußerte sich zurückhaltend zu Obamas Vorstoß. Er werde den Vorschlag im Zuge der Diskussionen über die Finanzreform genau prüfen, teilte er mit.

Seit Monaten diskutieren Regierungen in den USA und in Europa über Schritte, Institute künftig nicht mehr so groß werden zu lassen, dass sie die gesamte Volkswirtschaft gefährden können. "Wir begrüßen jeden Vorschlag von Präsident Obama als Bereicherung der Diskussion. Die Bundesregierung setzt bei allen Bankenregulierungsthemen darauf, international koordiniert vorzugehen", sagte ein Sprecher von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Konkrete eigene Vorschläge hat die Bundesregierung bisher nicht vorgelegt. Der britische Premierminister Gordon Brown hat dagegen klargemacht, dass er von einer Aufspaltung der Großbanken wenig hält. Die Briten setzen vielmehr auf Regeln, die sicherstellen sollen, dass die Banken die Spargelder ihrer Kunden nicht für riskante Geschäfte wie den Wertpapierhandel auf eigene Rechnung aufs Spiel setzen.

Banker reagierten ablehnend auf Obamas Vorschlag, der noch durch den Kongress muss. "Nach der verlorenen Wahl muss er jetzt die Keule schwingen, das ist einfach Populismus", kritisierte ein Banker. Auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann zeigte Unverständnis: "Vorschläge zur Aufspaltung oder Einschränkungen der Aktivität von Banken gehen in die falsche Richtung." Das Problem sei nicht die Größe einer Bank, sondern das Risiko, das sie eingehe.

Kommentare (14)

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Ein Deutscher in Spanien

21.01.2010, 19:26 Uhr

in anderen Worten : die Junkies dürfen nicht mehr selbst Drogen einnehmen und auch untereinander nicht mehr damit handeln bzw. die Drogen verlängern - verunreinen . Vielleicht nicht ganz falsch . Das wird ein Höllentrip für die banker ....siehe bankenkurse gestern und heute

aruba

21.01.2010, 20:07 Uhr

Guten Tag,.........Wenn mann den Dieben verbietet zu stehlen. Wenn also Unrecht angeprangert wird; macht sich der Anleger ( der betrogene ) in die Hosen und die boerse faellt. Eine Welt voller idioten. besten Dank

mono

21.01.2010, 21:31 Uhr

Ok, es hat ein Jahr gedauert bis er´s kapiert hat, aber wenn er es wirklich kapiert hat, dann ist 1 Jahr für einen Politiker OK. Wenn er ernst meint was er da sagt, dann ist das mittlerweile geflügelte Wort von " Government Sachs" in Amerika Geschichte und so etwas wie "Hoffnung auf eine bessere Zukunft" wieder eine Option und nicht nur eine Mausefalle für irgendwelche Trottel die nicht wissen was abgeht.

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