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28.01.2012

12:10 Uhr

Reiche im Fadenkreuz

Die Steuerparty in Griechenland ist vorbei

VonGerd Höhler

Die Euro-Krisenländer leiden unter der miesen Steuermoral ihrer Reichen. Ausufernde Steuerhinterziehung gilt als eine der Hauptursachen für die Schuldenkrise. Jetzt schlagen Griechenland, Italien und Spanien zurück.

Griechische Luxusjacht im Hafen von Piraeus: Neue Waffen im Kampf gegen Steuerhinterziehung. dapd

Griechische Luxusjacht im Hafen von Piraeus: Neue Waffen im Kampf gegen Steuerhinterziehung.

AthenEvangelos Venizelos schmiedet neue Waffen für den Kampf gegen die Steuerhinterziehung. Der griechische Finanzminister nimmt jetzt vor allem die Freiberufler und Gewerbetreibenden ins Fadenkreuz. Davon gibt es in Griechenland mehr als in jedem anderen EU-Land. Während in Deutschland etwa elf Prozent der Erwerbstätigen Selbständige sind, macht ihr Anteil in Griechenland mehr als 30 Prozent aus.

Doch beim Steueraufkommen sind die Selbständigen in Griechenland unterrepräsentiert. Sieben von zehn Freiberuflern und sechs von zehn Gewerbetreibenden deklarierten 2010 beim Finanzamt Jahreseinkommen von weniger als 10.000 Euro. Nur 73 Griechen meldeten dem Fiskus für das Jahr 2009 Einkommen von mehr als 900.000 Euro. Darunter waren 33 Angestellte und Rentner- aber lediglich sieben Freiberufler. Jeder Grieche weiß, was von diesen Zahlen zu halten ist: der Arzt, der für eine flüchtige Untersuchung 70 Euro kassiert, aber keine Quittung ausstellt; der Anwalt, der das Honorar in bar verlangt, aber nur die Hälfte quittiert; der Installateur, der für die zehnminütige Reparatur der Toilettenspülung 50 Euro fordert, auf die Frage nach einem Beleg aber das Gesicht verzieht, als habe er in eine Zitrone gebissen – alle in Griechenland kennen das.

Die griechischen Elektriker deklarierten 2011 Jahreseinkommen von durchschnittlich 12.708 Euro, die Klempner 10.474 Euro. Die Nachtklubbesitzer leben nach eigenen Angaben von durchschnittlich 6.528 Euro im Jahr. Noch ärmer dran sind die Besitzer der Frisörsalons mit gemeldeten Jahreseinkommen von durchschnittlich 5.519 Euro.

Aber besonders die Herren im weißen Kittel gelten hinsichtlich der Steuermoral als schwarze Schafe: bei Steuerprüfungen in Arztpraxen des Athener Nobelviertels Kolonaki stellten die Ermittler 2010 in jedem zweiten Fall Verstöße fest. 2011 lag die Quote noch höher, nämlich bei 62 Prozent. Von den 151 Ärzten, die in Kolonaki praktizieren, das als reichster Stadtteil Athens gilt, deklarieren nur elf Jahreseinkommen von über 100.000 Euro. Jeder Fünfte verdient angeblich weniger als 10.000 Euro im Jahr.

Wie griechische Politiker früher ihren Staat abzockten

Kostenloser Dienstwagen

Ein auf Steuerzahlerkosten geleaster Dienstwagen für jeden der 300 Abgeordneten.

Kein Porto

Befreiung vom Briefporto

Acht kostenlose Telefonanschlüsse

Bis zu acht kostenlose Festnetzanschlüsse für jeden Abgeordneten

Handy-Guthaben

200 Euro im Monat für Handy-Telefonate

Kostenlose Hotel-Unterkunft

Kostenlose Unterkunft in einem Athener Hotel für Abgeordnete aus der Provinz

Freifahrscheine

Freifahrscheine für Busse, Bahnen und Fährschiffe

104 Flugtickets

104 kostenlose Flugtickets im Jahr für Abgeordnete,  deren Wahlkreis weiter als 200 Kilometer von Athen entfernt ist

Sitzungspauschale

150 Euro für jede Teilnahme an einer Ausschusssitzung. Die Unterschrift in der Anwesenheitslistereicht, die tatsächliche Teilnahme wird nicht kontrolliert

Kommentare (74)

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Account gelöscht!

28.01.2012, 12:33 Uhr

jetzt wird mal kurz populistisch gas gegeben damit die anderen länder zufrieden sind und mehr geld bereitstellen und danach passiert ..... genau, NICHTS (man muss ja schließlich wieder gewählt werden)
hoffe unsere kanzlerin fällt nicht darauf rein

Erika

28.01.2012, 12:54 Uhr

Die Hoffnung stirbt bekanntlich ganz zuletzt.

Lt. einem kürzlichen Medienbericht im TV (Sendeformat bzw. Titel nicht mehr erinnerlich) bezahlen Touristikunternehmen 0,05 % ihres Umsatzes an Steuern an Vater Staat.

Wenn ich mir die Tavernen, Pension-Besitzer (Stichwort Ferienwohnungen) und alle die Sonnenschirm- und Sunbed-Verdiener auf den Inseln so anschaue, wie sie in den letzten Jahren und sicherlich auch weit davor 5 € pro Frau/Mann und Nase pro Tag eingesammelt haben, ohne dass der Staat auch nur einen Euro-Cent davon gesehen hat. ...

Die 40-40-20 Story hat mir jetzt aber noch mal die Badelatschen ausgezogen. ...

Rainer83

28.01.2012, 13:02 Uhr

ich habe gerade für Ende Februar einen Flug nach Athen gebucht. Griechenland ist ja nicht nur "Krise" sondern auch die Wiege der Kultur. Schaue mir dann neben den historischen Denkmälern auch mal das Alltagsleben an......ob die Cafe´s Montag vormittag voll sind....wenn andere arbeiten.
mal sehen....
von den vielen Rassistischen und einfach nur dummen Kommentaren vieler Handelsblatt Leser halte ich nichts.

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