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25.08.2011

12:37 Uhr

Reichensteuer

Zur Kasse, bitte!

Im Zuge der Eurokrise bitten viele EU-Länder Topverdiener verstärkt zur Kasse. Die Belastung der Reichen soll die Akzeptanz für Sparprogramme erhöhen. Was die Regierungen planen - und was die Milliardäre davon halten.

Der französische Nicolas Sarkozy will nun auch bei Reichen die Hand aufhalten und eine Sondersteuer einfordern. dpa

Der französische Nicolas Sarkozy will nun auch bei Reichen die Hand aufhalten und eine Sondersteuer einfordern.

DüsseldorfWie sich die Zeiten ändern. 2007 war Nicolas Sarkozy als neuer französischer Präsident noch mit dem Versprechen angetreten, dass sich Leistung wieder lohnen werde – gerade für die besonders Wohlhabenden. Jetzt kündigt der Staatschef eine Sondersteuer von drei Prozent für Einkommen über 500 000 Euro an, die helfen soll, das Haushaltsloch zu füllen.

Zwischen den beiden Ankündigungen liegen die Weltfinanzkrise und die größte Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg, die die Verschuldung der Staaten in die Höhe getrieben haben. Deshalb wird auch in anderen Ländern Europas darüber nachgedacht, die Reichen stärker zur Kasse zu bitten. In Italien bereitet die Regierung eine Sondersteuer für Topverdiener vor, Spanien diskutiert über die Wiedereinführung der Vermögensteuer, Großbritannien hat bereits 2010 den Spitzensteuersatz von 40 auf 50 Prozent heraufgesetzt. Die Belastung der Reichen soll die Akzeptanz für die oft schmerzlichen Sparprogramme in der Bevölkerung erhöhen.

Die Industriestaaten drehen damit einen Jahrzehnte währenden Trend um. Seit den 1970er-Jahren seien hohe Einkommen nach und nach entlastet worden, sagt Stephen Matthews, Steuerexperte der Industrieländerorganisation OECD. Mussten Topverdiener damals in vielen Ländern noch 60 bis 70 Prozent ihres Einkommens abführen, liegen die Spitzensteuersätze heute meist zwischen 40 und 45 Prozent. Auch die Belastung von Vermögen und Kapitaleinkünften ist stark gesunken.

Verstärkt wurde der Trend in den vergangenen zehn bis 15 Jahren durch einen Steuerwettlauf nach unten, den die Regierungen angesichts der zunehmenden Mobilität von wohlhabenden Privatpersonen und Firmen anzettelten. Lieber weniger als gar nichts kassieren, war die Devise. Die Entlastung trug dazu bei, dass die Einkommen der am besten verdienenden zehn Prozent der Bevölkerung in diesem Zeitraum viel stärker anstiegen als der Schnitt.

Kommentare (18)

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Petra

25.08.2011, 12:52 Uhr

Wir brauchen keine Steuererhöhungen!

Fundierte Berichte über Korruption, Vetternwirtschaft und „Selbstbedienungsmentalität“ auf Kreis-, Landes-, Bundes- und Europaebene lassen erahnen, dass die SteuerVERSCHWENDER größeren Schaden anrichten als alle Steuerhinterzieher zusammen!

Es kann und darf nicht sein, dass mühsam erarbeitet Steuergelder straflos (!) verschwendet werden!

Wurde überhaupt schon einmal ein Steuerverschwender nennenswert bestraft? Strafversetzungen ohne Einkommens- / Pensionseinbußen sind keine Strafen!

Steuerhinterziehern droht neben empfindlichen Geldstrafen sogar Haft. Was passiert Steuerverschwendern? NICHTS

Deshalb: SteuerVERSCHWENDER genauso verfolgen und bestrafen wie Steuerhinterzieher!

kuac

25.08.2011, 13:35 Uhr

"Steuerverschwendung" ist leider mit Kriminalistik nicht handhabbar. Was heute wie Steuerverschwendung aussieht, kann in wenigen Jahren als gute Investition erweisen. Sie ist auch eine Ansichtssache, jenach welche Partei regiert.

Brechreiz

25.08.2011, 13:38 Uhr

und das Steuerverschwenden fängt im ganz kleinen an: Wer kennt sie nicht, die überfüllten Wartesäle der Ämter wo 2 von 20 Schaltern geöffnet sind und die freundlichen Beamten Stunden brauchen, um die Leute abzuarbeiten... Schnee von gestern??? Falsch gedacht! Diese Woche so erlebt in einem Kölner Bürgerzentrum!

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