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16.10.2013

15:04 Uhr

Reine Symbolpolitik?

USA wird Iran-Sanktionen wohl nur leicht lockern

Die USA haben signalisiert, die Sanktionen gegen den Iran zu lockern. Experten aber glauben, diese werden nur symbolischer Natur sein und kaum dazu beitragen, die iranische Wirtschaft herumzureißen.

Bewegung im Atom-Streit

Iran will mehr Atom-Inspektionen erlauben

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WashingtonEine Lockerung der US-Sanktionen gegen den Iran im Gegenzug für eine Eindämmung seines Atomprogramms ist nach Einschätzung von Experten voraussichtlich nur symbolischer Natur. Denn jedes größere Zugeständnis, das die Regierung in Washington machen dürfte, könnte durch den US-Kongress blockiert werden.

„Die Lockerung von Sanktionen ist leichter gesagt als getan“, sagte Ali Vaez, ein iranischer Analyst der International Crisis Group (ICG), einer Nichtregierungsorganisation, die Analysen zu internationalen Konflikten liefert.

Der Iran, der derzeit in Genf mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland über sein umstrittenes Atomprogramm verhandelt, hat einen Drei-Stufen-Plan vorgelegt, um wieder Bewegung in die Gespräche zu bringen. Einzelheiten wurden bislang nicht mitgeteilt.

Irans Atomanlagen

Angst vor der Bombe

Die westlichen Staaten befürchten, dass der Iran mit seinem Atomprogramm auch Bomben bauen will. Ein Überblick über die iranischen Nuklearanlagen.

Natans

In der unterirdischen Fabrik südöstlich von Teheran wird Uran schwach angereichert. Das Material wird in Atomkraftwerken für die Stromgewinnung eingesetzt.

Für den Bau einer Atombombe müsste Uran weiter auf deutlich mehr als 80 Prozent angereichert werden. Nach dem jüngsten Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA wurde die Zahl der dazu nötigen Zentrifugen von 2600 auf 8808 erhöht.

Fordo

Erst 2009 gab Teheran die Existenz dieser lange geheim gehaltenen Anreicherungsanlage südlich von Teheran zu. Damals war sie noch nicht in Betrieb. Die Fabrik in einem Tunnelsystem auf einem früheren Militärgelände nahe Ghom hat Platz für 3000 Zentrifugen zur Urananreicherung.

Inzwischen sollen dort mehr als 100 Kilogramm auf bis zu 20 Prozent angereichertes Uran hergestellt worden sein.

Buschehr

Im September 2011 ging Irans erstes Atomkraftwerk offiziell in Betrieb. Es hat eine jahrzehntelange Vorgeschichte. Nach der islamischen Revolution 1979 zog sich die deutsche Kraftwerk Union (KWU) aus dem Bauprojekt zurück.

Später stiegen die Russen ein. Das Kraftwerk hat zwei Atomreaktoren und steht im Südwesten des Landes.

Isfahan

Im Zentrum der iranischen Atomforschung gibt es eine Anlage zur Produktion von Kernbrennstäben. Der erste iranische Brennstab wurde jüngst im Akw Buschehr eingefügt. Auch das in Zentrifugen zur Urananreicherung benötigte Hexafluoridgas wird dort hergestellt.

Arak

Den USA ist die Existenz des unfertigen Schwerwasserreaktors im Westen des Landes seit 2002 bekannt. Hier fällt potenziell Plutonium an, das für die Bombenproduktion verwendet werden könnte.

Teheran

Der kleine Leichtwasserreaktor in der Hauptstadt wurde noch zu Zeiten des 1979 gestürzten Schahs mit US-Hilfe gebaut. Er soll Material für medizinische Zwecke produzieren. Dazu benötigt er auf 20 Prozent angereichertes Uran.

Karadsch

Seit den 1990er Jahren arbeitet nahe der Hauptstadt ein Nuklearforschungszentrum, das vor allem medizinischen Zwecken dienen soll.

Parchin

Im Januar und Februar verweigerte der Iran IAEA-Inspekteuren den Zugang zur Militäranlage Parchin südöstlich von Teheran. Möglicherweise wurden dort Tests mit Atomsprengköpfen simuliert.

Doch selbst wenn die Islamische Republik ernsthafte Schritte versprechen sollte, dürfte das einflussreiche Mitglieder des US-Kongresses, der traditionell eine härtere Linie verfolgt als Präsident Barack Obama, noch lange nicht zufriedenstellen. So hat der Vorsitzende des Senats-Ausschusses für Auswärtige Beziehungen, Robert Menendez, angedeutet, der Iran müsse sogar die für die Stromerzeugung nötige schwache Anreicherung von Uran stoppen, bevor er mit Erleichterungen rechnen könne.

Die USA dürften folglich ihre Sanktionen wohl nur häppchenweise lockern - zum Beispiel bei Reisen oder der Lieferung von Medikamenten und Ersatzteilen für in den USA gebaute Flugzeuge. „Vieles von dem hat nur geringe Auswirkungen, das wird die iranische Wirtschaft nicht herumreißen“, sagte Greg Theilmann, der früher das US-Außenministerium beriet und heute der Arms Control Association (ACA) angehört.

Aber es sei wichtig zu wissen, dass es zumindest einige Dinge gebe, die die USA tun könnten, um ihrerseits ihren guten Willen zu zeigen, sagte er.

Kommentare (1)

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WFriedrich

16.10.2013, 18:14 Uhr

Viele Exportnationen erhoffen sehnlichst, dass der Iran einlenkt oder zumindest glaubhafte Aktivitäten einleitet. Möglicherweise werden die USA die letzten sein, die auf den Zug aufspringen. Damit verringert sich die Chance auf das Akquirieren entscheidender Marktanteile. So wird es sehr spannend, welche Exportnationen vom aufnahmefähigen iranischen Markt am meisten profitieren werden und welche das Nachsehen haben werden.

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