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12.10.2011

13:09 Uhr

Rekapitalisierung

Bankenrettung mit Gewinn - das amerikanische Vorbild

VonHannes Vogel

2008 retteten die Staaten Großbanken mit Milliarden vor der Pleite. Deutschland zögerte, Finanzgiganten zu verstaatlichen - und machte mit dieser Strategie Verluste. Die USA haben gezeigt, wie es cleverer geht.

Proteste gegen die Banken in den USA. AFP

Proteste gegen die Banken in den USA.

DüsseldorfEs war ein historischer Tag: Am 14. Oktober 2008 bestellte US-Finanzminister Hank Paulson die Chefs der größten US-Geldhäuser zu sich in das Washingtoner Finanzministerium ein. Paulson, selbst einst Chef von Goldman Sachs, versammelte die Geldelite Amerikas in einem Raum. Viele der verdutzten Manager hatten zuvor vergeblich versucht, herauszufinden worum es bei dem Treffen gehen sollte. An den Märkten regierte damals immer noch die Panik, die die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers ausgelöst hatte. Es war also klar, dass Paulson etwas Wichtiges im Schilde führte.

Um 15 Uhr ließ Paulson die Bombe platzen: Die Regierung werde mit einem neuen Banken-Hilfsprogramm Anteile an Bank of America, Goldman Sachs, Citigroup und den anderen wichtigen US-Banken erwerben. Die Banker protestierten: Vor allem die Banken, die sich von der Krise weniger stark betroffen fühlten, wollten nicht einsehen, warum sie mit denen, die sich verzockt hatten in einen Topf geworfen werden sollten. Doch Paulson machte ihnen klar: "Wenn ihr das Geld nicht nehmt, werde ich Euch eine zweite Portion verabreichen - und die Bedingungen dürften Euch nicht gefallen".

Paulsons Hartnäckigkeit hat sich ausgezahlt: Nach Angaben des Finanzministeriums hat die US-Regierung mit ihrer Bankenrettung bislang einen Gewinn von sechs Milliarden Dollar eingefahren. Finanzminister Tim Geithner überzeugte die Wallstreet-Manager im Oktober 2008 zusammen mit Paulson, die Pille zu schlucken. Heute rechnet er damit, dass weitere Rückzahlungen den Gewinn auf bis zu 20 Milliarden Dollar in die Höhe treiben werden. Vor allem die Rückzahlungen von Hilfen an den Skandalversicherer AIG und vieler kleinerer Banken sollen dazu beitragen. Deutschland hingegen hat mit seinen Hilfen für die IKB, Hypo Real Estate, Commerzbank und mehrere Landesbanken dagegen bislang einen Verlust von fast 39 Milliarden Euro eingefahren.

Die Welt steht nun vor einer neuen Bankenkrise, die sich wahrscheinlich nur mit weiteren Finanzspritzen an die Geldhäuser lösen lässt. Die Erfahrung aus dem ersten Crash sollte den Regierenden diesmal eine Lehre sein. Denn die USA waren vor allem deshalb so erfolgreich, weil sie die Geldhäuser quasi teilverstaatlichten. In Deutschland sicherte sich der Staat dagegen wie bei der Commerzbank höchstens eine stille Einlage: Er durfte zahlen, aber die Geschäftspolitik nicht entscheidend mitbestimmen.

Wie viel Geld sich Europas Banken bei der EZB geliehen haben

Italien

Die italienischen Banken kommen zusammen auf 104,7 Milliarden Euro, mit denen sie bei der EZB in der Kreide stehen. Noch vor knapp zwei Jahren war es nur ein Bruchteil dessen.

Irland

Irlands Institute schulden der EZB alles in allem 97,9 Milliarden Euro - was in etwa der Summe von Januar 2010 entspricht.

Griechenland

Im August 2011 betrug der Schuldenstand der griechischen Banken bei der EZB rund 93,1 Milliarden Euro.

Spanien

Spaniens Institute liehen sich bei der Europäischen Zentralbank zusammen 69,9 Milliarden Euro.

Portugal

Rund 47 Milliarden Euro haben sich portugiesische Institute bei der EZB geliehen.

Deutschland

50,1 Milliarden Euro schulden deutsche Institute der Zentralbank. Kein Vergleich zu Januar 2010 - damals war es ein Vielfaches.

Frankreich

Die Banken in Deutschlands Nachbarstaat Frankreich schulden der EZB alles in allem 29,4 Milliarden Euro.

Belgien

Die Institute des Benelux-Staates stehen bei der EZB zusammen mit 15,1 Milliarden Euro in der Kreide.

Die USA hatten Anfang Oktober 2008 den insgesamt 700 Milliarden Dollar schweren Rettungsfonds Tarp ("Troubled Asset Relief Program") aufgelegt, wovon allerdings nur 245 Milliarden Dollar in die Bankenrettung gesteckt  wurden. Die größten Empfänger an der Wall Street waren die Citigroup und Bank of America mit jeweils 45 Milliarden Dollar an Stütze. Die 19 größten Kreditinstitute der USA konnten die Hilfen relativ zügig zurückzahlen.

Kommentare (17)

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Account gelöscht!

12.10.2011, 13:35 Uhr

Was´n das für´n Kokolores ?

Wenn Staaten Banken mit Milliarden stützen, greifen Sie im gleichen ins Volksvermögen und bringen dieses ins Risiko.

Die Staatsführung "beleiht" das angelegte Geld der Bürger.

Also diese Vernebelung und Verzerrung der Wirklichkeit und der Realität geht mir langsam auf den S..... !!!!!

Hans

12.10.2011, 13:48 Uhr

Die beiden verstaatlichten Immofinanzierer kosten den US Steuerzahler bisher mehr als 150 Mrd. In nächster Zeit werden die kosten auch noch richtig steigen, da extrem viele Schuldner ihre Kredite nicht bedienen. AIG hat seine Schulden bisher nicht voll zurückgezahlt, und wird es wohl aus eigener Kraft nicht mehr können.
Außerdem gibt es fast 1.000 Regionalbanken, die von der Einlagensicherung Zwangsverwaltet werden oder bereits geschlossen wurden. Die US Großbanken erzocken sich ihre Gewinne ausschließlich im Weltweiten Finanzkasino. Da werden Gewinne von Gestern, schnell zu Verlusten von Heute.

zock

12.10.2011, 13:54 Uhr

Zecke hat recht, gleichzeitig sollte die jeweilige Bank nach einer Zwangsverstaatlichung nur zu Höchstpreisen wieder veräussert werden, um die Verluste für den Steuerzahler zu reduzieren. So wie ich Merkel und Co kennengelernt habe, werden die Banken verstaatlicht, rekapitalisiert und dann umsonst an die vorherigen Eigentümer zurückgegeben. Oder hab ich damit jetzt den Plan für die Bankenrettung v3.0 verraten?

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