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22.07.2013

15:26 Uhr

Rekordschulden in Euro-Zone

Griechischer Schuldenberg wächst

Allen Sparanstrengungen zum Trotz hat die Schuldenlast in den 17 Euro-Staaten einen neuen Rekordstand erreicht. Besonders Krisenländer wie Griechenland und Italien müssen sich immer mehr Geld leihen.

Griechische Euro-Münze: Trotz der Sparanstrengungen ist der griechische Schuldenberg weiter gewachsen. dpa

Griechische Euro-Münze: Trotz der Sparanstrengungen ist der griechische Schuldenberg weiter gewachsen.

Luxemburg/LondonGriechenlands Schuldenberg wächst weiter. Der öffentliche Schuldenstand des Landes betrug am Ende des ersten Quartals 160 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), wie die Europäische Statistikbehörde Eurostat am Montag in Luxemburg mitteilte. Ein Jahr zuvor hatte der Wert erst bei 136 Prozent gelegen, im Vorquartal waren es knapp 157 Prozent gewesen.

Griechenland führt im Euroraum und in der EU die Negativliste der Staaten mit dem höchsten Schuldenstand an, gefolgt von Italien mit 130 Prozent, Portugal mit 127 Prozent und Irland mit 125 Prozent. Diese Länder meldeten auch die stärksten Anstiege. Portugal und Irland erhalten ebenso wie Griechenland Milliardenhilfen der internationalen Geldgeber von EU und Internationalem Währungsfonds IWF.

EU-Prognosen für die Krisenländer

Frankreich

Erstmals seit 2009 dürfte die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone in diesem Jahr wieder schrumpfen - wenn auch mit 0,1 Prozent nur minimal. "Die real verfügbaren Einkommen der Verbraucher schwächeln wegen der steigenden Arbeitslosigkeit und höherer Steuern", prophezeit die EU-Kommission. "Das anhaltend ungünstige Unternehmervertrauen dürfte die Investitionen weiter fallen lassen." 2014 wird ein Wachstum von 1,1 Prozent vorhergesagt, doch soll die Arbeitslosenquote trotzdem von 10,6 auf 10,9 Prozent steigen. Auch das Staatsdefizit soll im kommenden Jahr mit 4,2 Prozent etwas höher ausfallen als 2013 mit 3,9 Prozent, was den Schuldenberg auf 96,2 Prozent der Wirtschaftsleistung anschwellen lassen dürfte.

Italien

Die Rezession soll sich in diesem Jahr abschwächen. Das Minus dürfte mit 1,3 Prozent knapp halb so hoch ausfallen wie im Vorjahr mit 2,4 Prozent. "Es gibt keine klaren Signale für eine kurzfristige Erholung, da sich sowohl das Verbrauchervertrauen als auch das Geschäftsklima im negativen Bereich befindet", stellt die Kommission fest. 2014 soll ein Mini-Wachstum von 0,7 Prozent folgen. Die Neuverschuldung soll sich zwar mit 2,9 und 2,5 Prozent im erlaubten Rahmen bewegen. Mehr Sorgen macht aber der Schuldenstand: Er soll 2014 auf 132,2 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen. Eigentlich sehen die EU-Verträge eine Obergrenze von 60 Prozent vor.

Spanien

Die Rezession dürfte sich in diesem Jahr verschärfen. Erwartet wird ein Rückgang des Bruttoinlandsproduktes von 1,5 Prozent, nach minus 1,4 Prozent im Vorjahr. "Die Binnennachfrage wird wohl schwach bleiben, aber die preisliche Wettbewerbsfähigkeit solle sich schrittweise verbessern und die Exporte an Schwung gewinnen", sagt die Kommission voraus. 2014 soll dann ein Wachstum von 0,9 Prozent zu Buche stehen. Die Arbeitslosenquote soll dann vom Rekordniveau von 27,0 auf 26,4 Prozent fallen. Die Neuverschuldung dürfte mit 6,5 und 7,0 Prozent in beiden Jahren hoch bleiben. Der Schuldenberg soll bis 2014 auf 96,8 Prozent des Bruttoinlandproduktes wachsen - 2009 waren es noch 53,9 Prozent.

Griechenland

Die Wirtschaft dürfte 2013 das sechste Jahr in Folge schrumpfen, wenn auch mit 4,2 Prozent so langsam wie seit 2009 nicht mehr. "Die hohe Arbeitslosigkeit und Einschnitte bei Löhnen und Sozialleistungen werden den privaten Konsum weiter drücken", befürchtet die EU-Kommission. 2014 soll die Rezession enden: Erwartet wird ein Mini-Wachstum von 0,6 Prozent. Dann soll auch die Arbeitslosenquote fallen, die in diesem Jahr mit 27 Prozent einen Rekordwert erreichen dürfte. Das Staatsdefizit soll sich 2014 mit 2,6 Prozent wieder im erlaubten Rahmen bewegen. Der Schuldenberg dürfte etwas abgetragen werden - von 175,2 auf 175,0 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Schuldenstandsquote bleibt aber mit Abstand die höchste in der Euro-Zone und der EU.

Irland

Von allen Krisenstaaten macht Irland die größten Fortschritte. Das Wirtschaftswachstum dürfte sich in diesem Jahr auf 1,1 Prozent erhöhen und sich 2014 auf 2,2 Prozent verdoppeln. Die "Leistung ist ermutigend", so die EU-Kommission. Die unter Steuererhöhungen und Sparprogrammen leidende Binnennachfrage soll im kommenden Jahr erstmals wieder zum Wachstum beitragen. Die Arbeitslosenquote soll bis dahin auf 13,7 Prozent fallen, 2012 waren es noch 14,7 Prozent. Die Gesundung der Staatsfinanzen kommt aber nur langsam voran: Das Defizit dürfte sowohl in diesem Jahr mit 7,5 als auch im kommenden Jahr mit 4,3 Prozent klar über der Zielmarke der EU von drei Prozent liegen. 2014 soll der Schuldenberg schrumpfen.

Portugal

Auch hier verharrt die Wirtschaft in der Rezession. Das Bruttoinlandsprodukt soll um 2,3 Prozent schrumpfen, nach 3,2 Prozent 2012. "Die Wachstumsaussichten für Portugals Exportmärkte haben sich eingetrübt, während sich die Lage am Arbeitsmarkt eintrübt", stellt die EU-Kommission fest. 2014 soll es wieder ein Wachstum von 0,6 Prozent geben - trotzdem dürfte die Arbeitslosenquote auf 18,5 Prozent steigen. Das Staatsdefizit soll in diesem Jahr auf 5,5 und 2014 auf 4,0 Prozent sinken, während der Schuldenberg bis dahin voraussichtlich auf 124,3 Prozent anschwillt.

Zypern

Mit 8,7 Prozent dürfte das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr so stark einbrechen wie in keinem anderen Euro-Land. "Das geht vor allem auf den dringlichen Umbau des Bankensektors zurück, der Kreditwachstum und Haushaltssanierung hemmt", befürchtet die EU-Kommission. "Unsicherheit belastet zudem die Binnennachfrage und Investitionen." 2014 soll die Rezession mit 3,9 Prozent deutlich schwächer ausfallen, die Neuverschuldung aber auf 8,4 Prozent steigen. Der Schuldenberg wächst bis dahin auf 124 Prozent. Er wäre dann mehr als doppelt so groß wie 2010.

Trotz aller Sparanstrengungen erreichte die Schuldenlast in den 17 Euro-Staaten zu Jahresbeginn einen Rekordstand. Laut Eurostat stieg die Gesamtverschuldung im ersten Quartal auf 92,2 Prozent, gemessen an der gesamten Wirtschaftsleistung der Euro-Zone. Ein Quartal vorher lag die Quote noch bei 90,6 Prozent, ein Jahr zuvor bei 88,2 Prozent.

Bei der Rettung Griechenlands wird vor allem um diese Schuldenquote des Landes gerungen, die bis zum Jahr 2020 auf 120 Prozent sinken soll. Sie bezeichnet den Anteil der Schulden an der Wirtschaftsleistung. Erst bei 120 Prozent kann sich ein Land nach gängiger Meinung wieder selbst an den Kapitalmärkten langfristig refinanzieren. WGriechenland etwa durchleidet seit sechs Jahren eine Rezession, die Arbeitslosenquote liegt bei etwa 27 Prozent. Für das kommende Jahr wird nun Wirtschaftswachstum und ein nomineller Haushaltsüberschuss – nach Abzug der Aufwendungen für den Schuldendienst – erwartet.

Insgesamt standen die Euro-Staaten zum Ende des ersten Quartals 2013 mit 8,75 Billionen Euro in der Kreide. Ein Jahr zuvor waren es 8,34 Billionen.

Kommentare (22)

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Account gelöscht!

22.07.2013, 15:37 Uhr

Welche Überraschung. Das konnte aber niemand wissen. Dr. Täuschle und das Mädchen Erika schwadronieren laufend - unterstützt von Sudel-Olli der Handelsprawda - GR sei "auf einem guten Weg." Wenn das der neue Euphemismus für "Untergang" ist, dann macht es wirklich Sinn!
Die trommelnden Politideologen tun mir nur noch leid. Was die für eine Schuld auf sich laden, können sie nicht mehr abtragen in ihrem Leben...

Wolfsfreund

22.07.2013, 15:44 Uhr

"Trotz aller Sparanstrengungen erreichte die Schuldenlast in den 17 Euro-Staaten zu Jahresbeginn einen Rekordstand."
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Öh...!? Welche Sparanstrengungen? 15.000 Beamte *verschieben*, anstatt 500.000 dieser nutzlos herumsitzenden Kassierer (die fette Prämien bekommen, weil sie mit gewaschenen Händen kommen oder einen Kopierer bedienen können (Heilig's Blechle, was für eine intellektuelle Glanzleistung!)) einfach zu feuern? Usw. usf.
Aber ich vergaß: Griechenland ist ja auf einem guten Weg. Wer das glaubt, glaubt auch an den Osterhasen!
Aber mir ist's zu warm, mich weiter zu ärgern, und ändern wird sich sowieso nicht. Daß sich das "stolze" (worauf eigentlich???) Griechenland aushalten läßt und der deutsche Schlafmichel treudoof die Rechnungen zahlt, ist wohl alternativlos.

Stinksauer

22.07.2013, 15:47 Uhr

Die Schuldenspirale wird sich trotz aller Sparanstrengungen immer schneller drehen, und eine Währungsreform in Griechenland wird das Ende vom Lied sein. Ich hoffe, dass die Bundesregierung die Zeit nutzt und hinter den Kulissen insgeheim bereits an einem Plan B arbeitet.

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