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29.05.2011

20:07 Uhr

Rennen um IWF-Chefposten

Frankreich trommelt für Lagarde

Schwellenländer wie Indien oder China kritisieren das Erbrecht der Europäer auf den IWF-Chefsessel - trotzdem trommelt Frankreich unverhohlen für seine Kandidatin. Doch die Franzosen könnten sich zu früh gefreut haben.

Frankreichs Finanzministerin ist die aussichtsreichste Kandidatin für die IWF-Spitze. Quelle: Reuters

Frankreichs Finanzministerin ist die aussichtsreichste Kandidatin für die IWF-Spitze.

Paris/Neu-DelhiFrankreichs Finanzministerin Christine Lagarde erhält dem Pariser Außenministerium zufolge Rückendeckung von den G8-Staaten bei ihrer Kandidatur für den Chefposten des Internationalen Währungsfonds (IWF). Die Staats- und Regierungschefs von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada, Japan, Russland und den USA hätten sich auf ihrem Gipfel in der vergangenen Woche einhellig für Lagarde ausgesprochen, sagte Außenminister Alain Juppe am Sonntag dem Fernsehsender Canal+. 

Die USA bestätigten diese Darstellung nicht. Auf die Frage, wie er zu den französischen Äußerungen stehe, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney: „Ich würde nicht über das hinausgehen, was wir bereits gesagt haben.“ Die Frage der Nachfolge sei Sache des IWF und gesucht werde der bestmögliche Kandidat. 

US-Außenministerin Hillary Clinton hatte indes Sympathien für die Kandidatur Lagardes erkennen lassen: Am Donnerstag hatte sie in Paris erklärt, ihr Land äußere sich derzeit zwar nicht offiziell, weil die Bewerbungsfrist noch laufe. „Inoffiziell heißen wir aber Frauen, die ausreichend qualifiziert und erfahren sind, an der Spitze von solch großen Organisationen wie dem IWF willkommen“, hatte sie hinzugefügt. Dies war der bislang stärkste Hinweis, dass sich die USA hinter Lagarde stellen könnten. Die USA haben großes Gewicht bei der Wahl. 

Warum der IWF so wichtig ist

Was ist der IWF?

Der Internationale Währungsfonds (IWF), der zusammen mit den EU-Staaten zur Rettung der Staatsfinanzen der Euro-Wackelkandidaten einspringen soll, ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Er wurde zusammen mit der Weltbank im Juli 1944 bei der Währungskonferenz in Bretton Woods im US-Staat New Hampshire gegründet.

Wer sind die Mitglieder im IWF?

Dem IWF mit Hauptsitz in Washington (englisch: IMF für International Monetary Fund) gehören heute 186 Staaten an. Das Stimmrecht der Mitgliedsländer richtet sich nach ihrem Kapitalanteil. Dementsprechend zählen die USA (mit 16,77 Prozent), Japan (6,02 Prozent) oder auch Deutschland (5,88 Prozent) zu den Schwergewichten des IWF. Gambia hingegen kommt auf nur 0,03 Prozent und Haiti auf 0,05 Prozent.

Welche Aufgabe hat der IWF?

Hauptaufgabe ist die Wahrung einer stabilen Währungsordnung. Dazu zählt vor allem auch die Verhinderung von Finanzkrisen - wie etwa 1994/1995 in Mexiko oder 1997/1998 in Asien

Welchen Staaten hat der IWF in den letzten Jahren geholfen?

In der jüngeren Vergangenheit griff der IWF auf Ersuchen der jeweiligen Regierungen beispielsweise in der Ukraine, Island, Ungarn, Pakistan und eben auch im Euro-Staat Griechenland ein. Für die betroffenen Staaten ist das mit strengen Auflagen für die Sanierung ihrer Finanzen verbunden.

Wer leitet den IWF?

An der Spitze des Internationalen Währungsfonds steht traditionell ein Europäer. Dagegen wird die Weltbank von einem Amerikaner geführt. Bislang einziger deutscher IWF-Direktor war Horst Köhler. Er hatte das Amt inne, bevor er 2004 zum Bundespräsidenten gewählt wurde.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatte am Donnerstag während des G8-Gipfels gesagt, es sei kein Thema für einen G8-Gipfel, zu entscheiden, wer Kandidat für den IWF-Chefposten sein sollte. Das Thema sei auch nicht während der Sitzungen des Gipfels diskutiert worden. 

Kommentare (2)

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Michail

29.05.2011, 18:53 Uhr

Eine neoliberale, überambitionierte, möchtegern-Thatcher Karriere-Hexe ist sie. Kein Vergleich zu dem charmanten Luxus-Ganoven-Sozialisten Strauss-Kahn der bis zu seinem Prozess unter Hausarrest warten muss. Ihr wird man wohl auch keinen Vergewaltigungsversuch anhängen können. Mir wäre der Mexikaner lieber, er ist cooler, er wäre auch nicht zu interessiert, die Wucherkredite des IWF an die europäischen Länder zu vergeben. LG, Michail

Account gelöscht!

30.05.2011, 11:22 Uhr

Haben wir eigentlich noch Minister, die die BRD nach außen hin vertreten, oder reitet Angela das jetzt ganz allein in die Grütze?

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