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07.04.2015

01:05 Uhr

Reparationsforderungen

Griechen beziffern deutsche Schulden auf 278 Milliarden

Griechenland besteht gegenüber Deutschland auf Reparationsansprüchen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Die Regierung in Athen hat in dem jahrzehntelangen Streit nun die Schulden beziffert. Die Summe ist gigantisch.

Der stellvertretende griechische Finanzminister Dimitris Mardas hat die Reparationsforderungen Griechenlands für die Zeit des Nationalsozialismus auf 278,7 Milliarden Euro beziffert. dpa

Der stellvertretende griechische Finanzminister Dimitris Mardas hat die Reparationsforderungen Griechenlands für die Zeit des Nationalsozialismus auf 278,7 Milliarden Euro beziffert.

AthenDer stellvertretende griechische Finanzminister Dimitris Mardas hat die Reparationsforderungen Griechenlands für die Zeit des Nationalsozialismus auf 278,7 Milliarden Euro beziffert. Auf diese Summe komme nach einer ersten Auswertung ein Parlamentsausschuss, der sich mit den Entschädigungen befasst, teilte Mardas am späten Montagabend im griechischen Parlament mit. Das Thema belastet die deutsch-griechischen Beziehungen seit Jahrzehnten.

Zu den Reparationsforderungen gibt es bereits eine umfangreiche griechische Studie. Auf deren Grundlage prüfen der Parlamentsausschuss und der Oberste Gerichtshof des Landes zurzeit, wie mögliche Reparationsforderungen an Deutschland erhoben werden können. Die Gesamtforderungen werden darin in einer Höhe zwischen 269 und 332 Milliarden Euro beziffert. Die Bundesregierung sieht die Entschädigungsfrage dagegen als erledigt an.

Deutsche Reparationszahlungen nach dem Zweiten Weltkrieg

Deutsche Wiedergutmachung

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat Deutschland auf verschiedenen Wegen Wiedergutmachung geleistet. Ein Kapitel waren Reparationsansprüche anderer Länder für Kriegsschäden.

Quelle: dpa

Siegermächte I

Die Alliierten hatten sich darauf verständigt, Reparationen besonders in Form von Demontagen und der Beschlagnahme und Verteilung des deutschen Vermögens im Ausland zu erheben.

Siegermächte II

Jede der vier Siegermächte entnahm ihre Reparationen aus der jeweiligen Besatzungszone. Die anderen ehemaligen Kriegsgegner wurden über die Interalliierte Reparationsagentur beteiligt. Die Sowjetunion befreite die DDR 1953 von weiteren Leistungen.

Aufschub I

Das Londoner Schuldenabkommen von 1953 schob die Regelung aller noch offenen Reparationsfragen bis zum Abschluss eines Friedensvertrags mit Deutschland auf. Das Moratorium wurde 1990 durch den „Zwei-Plus-Vier“-Vertrag gegenstandslos.

Aufschub II

Die Staaten der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) stimmten der „Charta von Paris“ für eine neue friedliche Ordnung in Europa zu. Sie nahmen damit die Klärung der Reparationsfrage des „Zwei-Plus-Vier“-Vertrags formal zur Kenntnis.

Luxemburger Abkommen

Schon 1953 trat das deutsch-israelische Wiedergutmachungsabkommen in Kraft, in dem sich Deutschland zu einer Entschädigung im Wert von drei Milliarden D-Mark an Israel verpflichtete. Zudem flossen 450 Millionen D-Mark an die Jewish Claims Conference für jüdische Flüchtlinge außerhalb Israels.

Globalabkommen I

Die Bundesrepublik schloss von 1959 bis 1964 mit zwölf westeuropäischen Ländern sogenannte Globalabkommen. Sie erhielten einen Festbetrag, der von 400 Millionen D-Mark für Frankreich über 125 Millionen für die Niederlande, 115 Millionen für Griechenland bis zu einer Million für Schweden reichte.

Globalabkommen II

Insgesamt wurden dafür 971 Millionen D-Mark (gut 496 Millionen Euro) zur Verfügung gestellt. Nach der Wiedervereinigung schloss Deutschland auch mit osteuropäischen Staaten Abkommen.

Bundesgesetze

Die Wiedergutmachung für NS-Opfer wurde im Wesentlichen durch das Bundesgesetz zur Entschädigung für Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung, das später durch einige Härtefonds ergänzt wurde, und das Bundesrückerstattungsgesetz geregelt.

Stiftung

Im Jahr 2000 wurde die mit zehn Milliarden D-Mark ausgestattete Stiftung „Erinnerung Verantwortung und Zukunft“ gegründet. Sie dient vor allem der Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter.

Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras hatte im März im Parlament gesagt, mit der Bildung des Ausschusses „ehren wir alle Opfer des Zweiten Weltkrieges und des Nazismus (...) sowie des griechischen Widerstandes. Wir vergessen nicht, dass das deutsche Volk auch unter den Nazis gelitten hat“, fügte er hinzu.

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Von

dpa

Kommentare (59)

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Herr Wilfried Runft

07.04.2015, 07:36 Uhr

Dieses Ansinnen zeigt die ganze Unfähigkeit der Regierung Athens. Sie träumen vom Lottogewinn, statt dass sie sich um Reformen und einen soliden Staatshaushalt kümmern. Wie lange noch können uns die USA dazu zwingen, dieses Land im Euro zu halten? Es ist höchste Zeit, dass diesem Land vom Rest Europas die rote Karte gezeigt wird

Herr Christoph Weise

07.04.2015, 08:07 Uhr

Ach wäre ich doch ein Grieche - statt das Hamsterrad zu treten und Schäuble zu hohe Einkommen- und MwSt. zu überweisen, welcher die Knete dann in die Ukraine transferiert, damit diese dort Krieg gegen die eigene Bevölkerung führen kann, im hellblau schimmernden Wasser der Ägäis plantschen und den Tag bei einer Flasche Retsina ausklingen lassen. Griechen ihr habt es einfach besser! Denn ihr seid cleverer! Ein bisschen nachdenken und dann seine Karte vernünftig spielen, ist halt dem stumpfen germanischen vor sich Hinarbeiten überlegen. Da kommt es auf die 278,7 Milliarden doch auch nicht mehr. Besser sie gehen nach Griechenland, als in die Ukraine.

Herr Klaus Hofer

07.04.2015, 08:26 Uhr

Es wird nicht lange auf sich warten lassen, bis die ja schon bekannten einschlägigen deutschen Politiker mit demütigen Unterwerfungsgesten die griechischen Reparationsforderungen anerkennen. Vielleicht sollten dann Athen gleich 300 Mrd. überwiesen werden. Wäre ja nicht das erstemal, daß sich die Griechen "verrechnet" haben.

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