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10.09.2011

09:55 Uhr

Reportage

Wie ein Terrorverdächtiger dem Horror entkam

VonFidelius Schmid

Auf dubiose Weise verschwanden seit dem 11. September 2001 hunderte Terrorverdächtige weltweit in Haft. Wie bei Khaled El-Masri oder Murat Kurnaz sahen die Regierungen zu oder halfen mit. Luxemburg machte es anders.

Häftlinge knien im Camp X-Ray auf dem US-Marinestützpunkt Guantanamo Bay auf Kuba. dpa

Häftlinge knien im Camp X-Ray auf dem US-Marinestützpunkt Guantanamo Bay auf Kuba.

LuxemburgDas Anti-Terrorkommando kam in den frühen Morgenstunden, in Mannschaftsstärke, maskiert und mit Maschinenpistolen. Sie traten die Eingangstür ein, zwangen Mohsen Makni und seine Frau Nadja auf die Knie, fesselten ihnen die Hände hinter dem Rücken und nahmen sie mit. Er stehe unter Terrorverdacht, sagten die Männer. Makni war fassungslos.

Es dauerte eine Weile, aber Makni konnte die Behörden im Großherzogtum von seiner Unschuld zu überzeugen. Der Hauptverdächtige im Visier der Luxemburger Ermittler war Kunde in seiner Metzgerei, nicht mehr.

Alles schien vorbei. Das Leben ging weiter für den in Luxemburg lebenden Tunesier, die Metzgerei lief und Nadja bekam sogar die luxemburgische Staatsbürgerschaft verliehen. Keines ihrer vier Kinder erwähnte den Zwischenfall im Morgengrauen des Frühjahrs von 2003 wieder. Auch Makni selbst begann über die Jahre, den Vorfall zu vergessen und wenn er doch an ihn dachte, glaubte er, den schlimmsten Tag seines Lebens hinter sich zu haben.

Er irrte. Fünf Jahre später, im Juli 2008, wollten Makni, Nadja und die vier Kinder zum ersten Mal seit 1998 wieder nach Tunesien reisen. Es gab eine Hochzeit zu feiern, seiner Mutter ging es nicht gut und fast die ganze Verwandschaft lebte in Sfax an der Mittelmeerküste im Osten des Landes. Sie flogen nicht, sondern nahmen ihren Renault, damit all die Geschenke Platz fanden und damit sie auf dem Rückweg Olivenöl mitnehmen konnten.

In Genua bestiegen sie die Fähre nach Tunesien.Maknis Reisepass war abgelaufen, aber das würde kein Problem werden, hatten sie ihm bei der Botschaft erzählt, er würde einfach in Tunesien einen neuen beantragen. Bei der Einreise im Hafen “La Goulette“ sagte man ihm, er solle den Pass nicht in seiner Heimatstadt Sfax beantragen, sondern sich binnen zehn Tagen im Innenministerium in Tunis melden. Es gäbe “eine kleine Geschichte zu regeln“, sagten die Beamten. Also fuhr Makni ein paar Tage später nach Tunis und meldete sich im Innenministerium, einem riesigen Betonklotz.

Die Beamten sprachen kein Wort über seinen Reisepass, sondern befragten ihn zu seinen Kontakten mit einem mutmaßlichen Terroristen, zu Reisen zu Islamisten und Terrorverdächtigen nach Bosnien und Italien. “Ich weiß davon nichts“, sagte Makni, “Der Mann war Kunde bei mir in der Metzgerei in Luxemburg, sonst nichts“, beteuerte er immer wieder.

Doch die Männer ließen nicht locker. Auch über seine angebliche Mitgliedschaft in der gemäßigten aber dennoch in Tunesien damals verbotenen Islamisten-Organisation Al-Nahda solle er aussagen. Auch da musste Makni passen. So ging das Verhör weiter, über Stunden.

Kommentare (1)

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Pendler

10.09.2011, 13:21 Uhr

Es ist Unrecht und ein schlimemr Verstoß, was die USA da auf Cuba gemacht haben. Wer sich derart schlimm gegen die Würde des Menschen "versündigt", zieht das Unglück auf sich.

Das alles hat weder etwas mit Religion, noch mit Gott zu tun. Denn es gibt Gesetze, hinter der sichtbaren Oberfläche.

Kein Mensch, keine Nation kann sich ungstraft so brutal an Menschen vergehen.

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