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12.02.2015

15:56 Uhr

Reporter ohne Grenzen

„Kein gutes Jahr für die Pressefreiheit”

Die Bedrohungen von Journalisten nahmen weltweit zu, schreibt die Organisation „Reporter ohne Grenzen” in ihrem Jahresbericht. Problematisch sind dabei nichtstaatliche Akteure, die sich oft wie „Despoten” verhielten.

Demonstranten protestieren im Regierungsviertel in Berlin für Pressefreiheit und die Freilassung politischer Gefangener in Aserbaidschan. Die Organisation „Reporter ohne Grenzen” beklagt, dass die Bedrohungen von Journalisten weltweit zunehmen. dpa

Protest für Pressefreiheit

Demonstranten protestieren im Regierungsviertel in Berlin für Pressefreiheit und die Freilassung politischer Gefangener in Aserbaidschan. Die Organisation „Reporter ohne Grenzen” beklagt, dass die Bedrohungen von Journalisten weltweit zunehmen.

ParisDas Jahr 2014 ist kein gutes Jahr für die Pressefreiheit gewesen: Laut dem Jahresbericht der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) verschärften sich die Arbeitsbedingungen für Journalisten weltweit im Vergleich zum Vorjahr deutlich. „Es gab eine allgemeine Verschlechterung”, sagte der Vorsitzende der in Paris ansässigen Journalistenorganisation, Christophe Deloire, am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP.

Als zwei Faktoren dafür nannte Deloire „Kriege um Informationen” sowie nichtstaatliche Akteure, die sich „wie Despoten“ verhielten. Im vergangenen Jahr registrierte die Organisation 3719 Verstöße gegen die Pressefreiheit in 180 Ländern. Gemessen an einem Index, mit dem ROG die Schwere der Verstöße misst, ging die Pressefreiheit damit gegenüber 2013 insgesamt um acht Prozent zurück. In bewaffneten Konflikten wie in der Ukraine oder im Nahen Osten würden Journalisten gezielt getötet, entführt oder erpresst, heißt es in dem Jahresbericht.

2014 sei das Jahr eines „brutalen Rückgangs” der Pressefreiheit gewesen, erklärte ROG. In zwei Drittel der 180 im Ranking erfassten Staaten habe sich die Lage gegenüber 2013 verschlechtert. Medienschaffende seien zunehmend Repressalien ausgesetzt, sei es durch die islamistische Miliz Boko Haram, die radikalislamistische Gruppe Islamischer Staat (IS), Drogenkartelle in Lateinamerikas oder die sizilianische Mafia. Die Motive seien unterschiedlich, das Ziel aber das gleiche: „Durch Angst und Repressalien zum Schweigen bringen.”

Der Iran, China, Syrien und Nordkorea landeten auf der Rangliste der Pressefreiheit unter den letzten Plätzen der 180 Staaten, das Schlusslicht der Rankingliste ist Eritrea. Am besten schnitten Finnland, Norwegen und Dänemark ab, gefolgt von den Niederlanden und Schweden. Deutschland kam auf Platz zwölf, die USA auf Platz 49, Russland auf Platz 152. Italien sackte gleich um 24 Plätze ab - auf den 73. Rang. Als Grund dafür sieht ROG vor allem die zunehmende Bedrohungen von Journalisten durch die Mafia.

Nach Angaben der deutschen Niederlassung von Reporter ohne Grenzen wurden 2014 weltweit 119 Entführungen von Journalisten gezählt - 37 Prozent mehr als im Jahr zuvor. 139 Journalisten und 20 Bürgerjournalisten, etwa Blogger, flohen vor Drohungen, Gewalt oder staatlichen Repressalien ins Ausland. 66 Journalisten wurden bei der Arbeit getötet. Ende 2014 waren zudem weltweit 178 Journalisten in Haft.

Ranking der Pressefreiheit: Italien und Co. als Mahnung

Video: Ranking der Pressefreiheit: Italien und Co. als Mahnung

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Das weltweit gefährlichste Land für Medienschaffende war ROG zufolge 2014 wie schon im Vorjahr Syrien: Alleine dort wurden 15 professionelle Journalisten und 17 Bürgerjournalisten getötet sowie 27 Medienschaffende entführt. Zu besonders gefährlichen Ländern und Territorien für Reporter gehörten auch die Palästinensergebiete - vor allem der Gazastreifen -, der Osten der Ukraine, wo sich prorussische Rebellen und Regierungstruppen seit Monaten blutige Gefechte liefern, sowie der Irak und Libyen.

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Strässer (SPD), sagte, die Liste spiegele die besorgniserregende Situation in Krisenregionen wider. „Dass Staaten wie Russland und China auf den hinteren Plätzen rangieren, entspricht leider auch den Beobachtungen aus meiner täglichen Arbeit als Menschenrechtsbeauftragte”, erklärte Strässer.

Strässer zeigte sich besorgt darüber, dass ein EU-Mitgliedstaat wie Bulgarien auf Rang 100 landete. Daraus ergebe sich „die Verpflichtung, dass wir weiterhin gegenüber unseren Partnern für die Wahrung der Leitgedanken der Europäischen Union kritisch eintreten”. Positiv sei, „dass Deutschland zum wiederholten Mal aufgestiegen ist”.

Von

afp

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