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31.08.2012

08:49 Uhr

Republikaner-Parteitag

Europa als Grusel-Szenario

VonNils Rüdel

Überschuldet, schwach, sozialistisch: Die Republikaner werfen Obama vor, er wolle die USA in ein zweites Europa umbauen. Für den Parteitag wurden eigens EU-Parlamentarier eingeflogen, um Amerika vor Obama zu warnen.

Bei dem Parteitag der Republikaner ging es auch um die Euro-Krise. Reuters

Bei dem Parteitag der Republikaner ging es auch um die Euro-Krise.

TampaEuropa ist zwar unendlich weit weg von Florida. Doch die Krise auf dem alten Kontinent war auch auf dem Parteitag der Republikaner in Tampa ein Thema. Sie kommt dem Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney und seinen Mitstreitern aus taktischen Gründen gar nicht ungelegen: Zeigt der Euro-Schlamassel doch in den Augen der Republikaner, was passiert, wenn Staaten sich mit Schulden überladen.

„In Europa haben massive Schulden ganze Regierungen zum Zerbrechen gebracht“, sagte Paul Ryan, Kandidat für die Vizepräsidentschaft, in seiner Rede am Mittwochabend. Und Barack Obama mache den gleichen fatalen Fehler. Der US-Präsident habe inzwischen mehr neue Schulden angehäuft als alle angeschlagenen EU-Länder zusammen. „Wir müssen aufhören Geld auszugeben, das wir nicht haben“. Romney hatte zuletzt immer wieder behauptet, Obama wolle in den USA eine Art „europäischen Sozialismus“ einführen.

Nominierungsrede: Romneys Rundumschlag

Nominierungsrede

Romneys Rundumschlag

In seiner vielleicht wichtigsten Rede hat Mitt Romney ein bisschen was für alle dabei, wird auch persönlich. Arbeitslose, Manager und Hausfrauen finden sich genauso wieder wie die Tea Party. Ein Durchbruch war es nicht.

Was auf der großen Bühne in Tampa ein Thema war, sollte auch im Nebenprogramm präsent sein. So hatten die Republikaner eine Gruppe konservativer EU-Abgeordneter eingeladen, um Obama zu kritisieren und Romney für seinen versprochen Sparkurs zu feiern. „Hey America! Geh nicht diesen Weg: Die Europäisierung der Vereinigten Staaten“, hieß die Diskussionsrunde, veranstaltet vom YG Network, einer vom konservativen Casino-Mogul Sheldon Adelson finanzierten Lobbygruppe.

Europa und die USA befänden sich in einer ähnlichen Situation, sagte der britische EU-Abgeordnete Martin Callanan am Rande der Veranstaltung Handelsblatt Online. „Wenn Obama wiedergewählt wird und weiter immer mehr Schulden macht und Geld druckt, wird Amerika wie Griechenland enden“. Callanan ist Fraktionschef der europaskeptischen Europäischen Konservativen und Reformisten (ECR) im EU-Parlament. Er ist Mitglied der Konservativen Partei in Großbritannien und einer der lautstärksten EU-Kritiker.  

Wie in Europa könne auch in den USA nur noch ein striker Sparkurs und Steuersenkungen helfen, so Callanan. „Ich möchte, das jemand Erfolg hat mit der politischen Botschaft: So kann das alles nicht weitergehen“. Deshalb unterstütze er auch Romney und Ryan. „Es ist leicht, Lollis zu verschenken und eine frühe Rente und mehr Sozialstaat zu versprechen“, sagte der Abgeordnete.  

Dokumentation: Romneys Rede im Original-Wortlaut

Dokumentation

Romneys Rede im Original-Wortlaut

Es war die bis jetzt wichtigste Rede im Leben von Mitt Romney. Der Präsidentschaftskandidat der Republikaner ging in seiner Rede mit Amtsinhaber Obama hart ins Gericht und skizzierte seine eigenen Vorstellungen.

Der Brite lobte in Tampa den Widerstand der Bundesbank gegen die lockere Geldpolitik der EZB. „Sie ist eine fantastische Institution“, sagte er. „Ich bin auch absolut auf der Seite von Kanzlerin Angela Merkel. Es gibt zur Sparpolitik einfach kein Alternative“. Nur beim Thema Athen gehe er einen Schritt weiter als die Kanzlerin, sagte Callanan. „Griechenland kann nicht in der Eurozone überleben“. Merkel werde das am Ende auch noch einsehen.

Mit bei der Gruppe Europäer in Tampa war unter anderem auch die geschäftsführende Vorsitzende der Konservativen Partei Großbritanniens, Baronin Sayeeda Warsi und die EU-Abgeordneten Jan Zahradil aus Tschechien, Derk Jan Eppink aus Belgien und der Brite Daniel Hannan. Ein Treffen mit den Spitzenkandidaten Romney und Ryan war nicht geplant.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

31.08.2012, 09:22 Uhr

Da gibt es nichts zu deuteln: Europa ist ein Grusel-Szenario geworden. Betriebsblindheit gibt es nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der Politik. Nur sind die Folgen dort viel schlimmer, denn es fehlt das Korrektiv der Konkurrenz.

Account gelöscht!

31.08.2012, 09:23 Uhr

Oh yeah, bitte mehr vom "Gruselkabinett" Europa! Die USA brauchen Feindbilder, bitte noch mehr Polarisierung, dann könnte der eine oder andere sogar erkennen, wie weit die USA runtergekommen sind. Der Markt wird es richten, lol.
Ne liebe Kandidaten, in einigen Dingen habt ihr ja recht, aber schwach ist die Eurozone keinesfalls, da könnte ihr noch soviele Kriege in fremden Ländern anzetteln und weltweit eure Dollars reinpumpen um von eurer maroden Wirtschaft ablenken, eine Wirtschaft in der eine Servierkraft mehr Steuern zahlt als ein Millionär und man eine allgemeine Krankenversicherung mit einem Diktat Brokkoli-Essen zu müssen gleich setzt, ist nicht meine.
Bleibt ihr mal schön in eurem sozialen Mittelalter, eure Dollars werdens schon richten.

R.Rath

31.08.2012, 09:27 Uhr

Tatsache ist, Europa wird von den Republikanern nicht nur aus wahlkampftaktischen Überlegungen als Gruselszenario dagestellt, es ist tatsächlich ein Gruselkabinett und die Fahrt, auf die sich die EZB unter der Führung von Draghi begibt, ist eine Fahrt in der Geisterbahn, "links" und "rechts" grüßen Totenköpfe und Inflationsmonster.
Merkel allerdings wird überschätzt. Sie sitzt selber mit am Steuer und steuert in den Abrund auch wenn sie zeitweise auf die Bremse tritt, Junker und Hollande an ihrer Seite treten immer und mit Begeisterung aufs Gaspedal.

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